Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,bis auf den letzten Hauch von Leben leer;die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr. Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,so gräbt er, glaub‘ ich, sich hinein ins Grab. Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,doch, gähnend auf dem Thron… weiterlesen

Fällt um dunkle Bäume weich der Schnee,Lange sacht, dann aufgewirbelt, jäh.Hüllt den Tag in dämmerndes Gewühl,Breitet auf die Erde Pfühl um Pfühl.Wandert einer, und er sieht den Flaum;Denkt er: weiches Bette, weiter Raum!Wandert einer und er weiß kein Dach,Denkt: hier fände ich ein Wohngemach!Ist wie zugehangen rings die Welt,Schiebt sich eng zusammen wie ein Zelt.Busch und Bäume stehen unbewegtUnd von Einsamkeit wie eingehegt. Hedwig Lachmann… weiterlesen

Was wißt ihr, wie es tutwenn einem die Myrte im Haare ruht,und die Leute kommen einem entgegen,und junge Tannen stehn an den Wegen;die Schwestern gehn überströmten Gesichts, –vom Turme läuten die Glocken, –und das Herz weiß von nichts.O Leben, rühre mich leise an:ich träume ja noch!Mein Herz ist voll Licht und Waldesruh,greif nicht so hart, nicht so eisig zu –ich träume ja noch!So aus dem Licht in die Nacht,aus dem Lenz in den Schnee,das hat… weiterlesen

Es ist das Märchen schlechthin: „Hänsel und Gretel“. Als fester Bestandteil unseres kulturellen Gedächtnisses überdauert die Geschichte die Zeit und verbindet Generationen mit ihrem unvergänglichen Zauber. Aber wie kommt es, dass die Märchenoper noch bis heute Herzen weltweit erobert? Der Komponist Engelbert Humperdinck (1834–1921), ein Schüler Wagners, verbindet die Märchenhandlung mit einem spätromantischen Orchesterklang und volkstümlichen Elementen. Eingängige Melodien wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, „Ein Männlein steht im Walde“ oder „Suse, liebe Suse“ schaffen… weiterlesen

Still, wie unterm warmen Dach,Liegt das Dorf im weißen Schnee;In den Erlen schläft der Bach,Unterm Eis der blanke See. Weiden steh’n im weißen Haar,Spiegeln sich in starrer Flut;Alles ruhig, kalt und klarWie der Tod der ewig ruht. Weit, so weit das Auge sieht,keinen Ton vernimmt das Ohr;Blau zum blauen Himmel ziehtSacht der Rauch vom Schnee empor. Möchte schlafen wie der Baum,Ohne Lust und ohne Schmerz;Doch der Rauch zieht wie im TraumStill nach Haus mein Herz.… weiterlesen

Es ist ein eigen Ding,Zu sitzen und zu lauschen,Wenn draußen vor der TürDie schwarzen Tannen rauschen,Wenn Tropf‘ auf Tropfen klingtHernieder von dem Dach,Und jeder leise KlangEin altes Bild ruft wach;Wenn von dem BergeshangDen Schnee die Windsbraut fegt,Und auf dein träumend HerzDie Hand die Liebe legt.Das Feuer schilt und murrt,Im Winkel pickt die Uhr,Träumend der Jagdhund knurrt,Verweht wird jede SpurVon deinem Fuß da drauß‘,Da draußen in dem Schnee,Nun ist die Welt dein Haus… Wilhelm Raabe… weiterlesen

Die Rauhnächte enden traditionell in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar, dem Dreikönigstag, wenn die letzte der zwölf Nächte abgeschlossen ist. Wenn zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag die Zeit stillzustehen scheint, beginnt die geheimnisvolle Phase der Rauhnächte. Alte Bräuche, wilde Mythen und schützende Rituale erzählen von einer besonderen Schwelle zwischen den Jahren – einer Zeit zum Innehalten, Reinigen und bewussten Neuanfang. Schon seit alters her kennen die Menschen eine Zeit, die offenbar nicht… weiterlesen

Es weiß und rät es doch keiner,wie mir so wohl ist, so wohl!Ach, wüßt‘ es nur einer, nur einer,Kein Mensch es sonst wissen soll!So still ist’s nicht draußen im Schnee,So stumm und verschwiegen sindDie Sterne nicht in der Höhe,Als meine Gedanken sind.Ich wünscht‘, es wäre schon Morgen,Da fliegen zwei Lerchen auf,Die überfliegen einander,Mein Herze folgt ihrem Lauf.Ich wünscht‘, ich wäre ein VögleinUnd zöge über das Meer,Wohl über das Meer und weiter,Bis daß ich im Himmel… weiterlesen

Das Feld ist weiß, so blank und rein,Vergoldet von der Sonne Schein,Die blaue Luft ist stille;Hell, wie KristallBlinkt überallDer Fluren Silberhülle. Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,Er flimmert blau und rot und weiß,Und wechselt seine Farbe.Aus Schnee herausRagt, nackt und kraus,Des Dorngebüsches Garbe. Von Reifenduft befiedert sindDie Zweige rings, die sanfte Wind‘Im Sonnenstrahl bewegen.Dort stäubt vom BaumDer Flocken PflaumWie leichter Blütenregen. Tief sinkt der braune TannenastUnd drohet, mit des Schnees LastDen Wandrer zu beschütten;Vom Frost… weiterlesen

Die lange, lange, dunkle Nachthab ich durchwacht,mit Seufzen und in Tränentät sich mein Herz aus öder Qualdem Sonnenstrahl,dem Licht entgegensehnen. Und nun es kommt – wie bleich und kalt:es wogt und walltdes Nebels Wahngebilde, –zu Eis erstarrt die Träne – ach!ein Wintertagliegt über dem Gefilde! Clara Müller-Jahnke… weiterlesen