Ein echter Freund enthüllt uns in wechselnden Lagen verschiedene Seiten seines Wesens, aber immer gibt er uns etwas, was ihn uns noch lieber macht. So muss auch ein gutes Buch wirken. Sagt es schon das erste Mal alles, dann wird es uns nie ein Freund werden. Aber bei Freunden und bei Büchern muss man auch Schwächen ertragen lernen. Oft verknüpfen solche noch fester, als die Vorzüge. Otto von Leixner… weiterlesen

An Vaters Sterbebett Ich saß an meines Vaters Sterbebettund sah sein stilles bleiches Angesicht.Im Zimmer dunkelte die Mitternacht.Ein schwacher Schimmer kam vom kleinen Licht.Den Blick nach oben und die Lider zu,so röchelte, der da im Bette lag,und bleich und groß und hehr schien das Gesicht,und einsam, totenstumm war das Gemach.Und ich – ich grub im Rätselgrund:“Wer ist es, der hier stöhnt? – Was schwindet hin?Wer ist, der um den letzten Atem ringt?”Und rang, umnachtet von… weiterlesen

Eitles Trachten, eitles RingenFrisst dein bisschen Leben auf,Bis die Abendglocken klingen,Still dann steht der tolle Lauf.Gastlich bot dir auf der ReiseDie Natur ihr Heiligtum;Doch du stäubtest fort im Gleise,Sahst nach ihr dich gar nicht um.Blütenduft und Nachtigallen,Mädchenkuss und FreundeswortRiefen dich in ihre Hallen;Doch du jagtest fort und fort.Eine Törin dir zur SeiteTrieb mit dir ein arges Spiel,Wies dir stets ins graue Weite:“Siehst du, Freund, dort glänzt das Ziel!” Nikolaus Lenau… weiterlesen

O Wald,! o Schatten grüner Gänge!Geliebte Flur voll Frühlings-Pracht!Mich hat vom städtischen GedrängeMein günstig Glück zu euch gebracht:Wo ich, nach unruhvollen Stunden,Die Ruhe, die dem Weisen lacht,Im Schoose der Natur gefunden.Ich fühle mich wie neugebohren,Und fang erst nun zu leben an,Seit, fern vom Trotze reicher Thoren,Ich hier in Freyheit athmen kann.Es krieche, wer nach Ehre flieget!Ich werde nie ein grosser Mann,Weil ich mich knechtisch nicht geschmieget.Es mögen andre höher trachten:Sie mögen, hungrig nach Gewinn,Im Joche… weiterlesen

Der Nova-C-Mondlander von Intuitive Machines kippte wahrscheinlich um, als er am 22. Februar auf dem Mond landete, und liegt nun auf der Seite. Bei einer am 23. Februar übertragenen Pressekonferenz, fast 24 Stunden nach der Landung der IM-1-Mission auf dem Mond, gaben Unternehmensvertreter bekannt, dass sie glauben, der 4,3 Meter hohe und 1,6 Meter im Durchmesser messende Lander liege auf der Seite, einige Kilometer von seinem beabsichtigten Landeplatz in der Nähe des Malapert-A-Kraters in den… weiterlesen

“Guten Morgen” wird so oft gesagt, eh’ einmal man bedenkt,Was uns in diesem Gruße tönt und was man dafür schenkt. Ach, mancher Morgen kommt und geht; doch trittst Du grüßend ein,So kann ja dieser Morgen nur ein guter Morgen seyn. Oft scheucht der Sonne heit’res Licht in uns nicht tiefe Nacht,Doch weiß ich ja, wenn ich Dich seh’, daß mir ein Morgen lacht! Auch glaub’ ich fest, daß diesen Gruß zuerst die Liebe sprach,Die Liebe… weiterlesen

Ob ich wohl lebte hundert Jahr’,so langt die Zeit doch nicht,Zu sagen, was in meiner Brustvon Dir die Liebe spricht. Ob ich wohl lebte tausend Jahr’,flieht doch die Zeit dahin,Eh’ Du es weißt, wie fest und wahrund wie getreu ich bin! Und lebt’ ich Millionen Jahr,ich nennte nicht das Weh,Das immerfort mein Herz zerreißt,wenn ich Dich nicht mehr seh’. Doch jetzt noch bist Du nahe mir;zu künden Dir dies Glück,Brauch’ ich nicht eine kleine Zeit,… weiterlesen

Wenn etwas unsfortgenommen wirdwomit wir tiefund wunderbarzusammenhängenso ist vielvon uns selbermit fortgenommen. Gott aber willdaß wir unswiederfindenreicher um allesVerloreneund vermehrt umjenenunendlichenSchmerz. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Auf der Spur der strengen SchönenSchreitet Februar einher,Sanfter, milder von Gebärden,Ohne Winterschutz und Wehr.Ihre schönen, ernsten Augen,Die voll Sehnsucht vorwärts schau’n,Seh’n schon hinter RegenwolkenAhnungsvoll den Himmel blau’n.Horch, am Boden leises Regen!Unter ihrem nackten FußSprießt Schneeglöckchen aus der Erde,Frühlings erster Botengruß. –Wenn im bunten Fastnachtstrubel,Du der Gegenwart vergißt,Wisse, daß Natur da draußenUnentwegt am Werke ist.Doch die hohe Frau im Schleier,Die den Frühling herbestellt,Räumt bescheiden ihrer SchwesterVor der Zeit das Arbeitsfeld. Helene Krüger… weiterlesen

Als dann der Frühling im Garten stand,Das Herz ein seltsam Sehnen empfand,Und die Blumen und Kräuter und jeder Baumwachten auf aus dem Wintertraum,Schneeglöckchen und Veilchen hat über Nachtder warme Regen ans Licht gebracht,Aus Blüten und dunkler Erde ein Duftdurchzog wie ein sanftes Rufen die Luft.Percy Bysshe Shelley… weiterlesen