Spät sind noch in meinem GartenRote Rosen aufgegangenBrennend rot wie ungestillterLiebe brennendes Verlangen.Ach ihr armen wunderschönenAllzuspät erblühten Rosen!Keine bunten SchmetterlingeKommen mehr mit euch zu kosen.Keine zarten NachtigallenSingen mehr in eure Nächte.Und gestorben ist die LiebsteDer ich euch zum Gruße brächte.Kommt! Auf ihrem Grabe sollt ihrEure letzte Glut verprangen,Brennend rot wie ungestillterLiebe brennendes Verlangen. Anton Alfred Noder… weiterlesen

Es liegt der Herbst auf allen Wegen,In hundert Farben prangt sein Kleid,Wie seine Trauer, seinen SegenEr um sich streut zu gleicher Zeit.Es rauscht der Fuß im welken Laube,Was blüht’ und grünte, ward ein Traum –Allein am Stocke winkt die TraubeUnd goldne Frucht schmückt rings den Baum.So nimmt und gibt mit vollen HändenDer Herbst, ein Dieb und eine Fee;Erfüllung kann allein er spenden,Doch sie umfängt ein tiefes Weh! –O, Herbst der Seele! deine Früchte,Sind auch Gewinn… weiterlesen

Hier ist das trostloseste Wetter, der Herbst vollzieht sich mit einer Plötzlichkeit, die einen in allen Entschlüssen überholt, sieht man hinaus, so denkt man, man müßte schon dort sein, wo es um einen Winter werden dürfte. Und ich stehe noch immer, wo Sie mich gefunden haben, zwischen allen Für und Wider der nächsten Zukunft. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Herbst? Warum nicht; es ist ja alles bereit, die Früchte sind groß, und die kleinen Störche sind von den großen nicht mehr zu unterscheiden. Und es gibt da an der Chaussee einen Teil des Parkes, der nicht gefegt wird und nicht geharkt am Sonnabend; dort ist Unkraut, das ganz verbrannt herabhängt, und die halbwüchsigen Kastanien haben viele gelbe Blätter und geben davon eines um eines ab; nicht wenn es stürmt, da nehmen sie sich zusammen… weiterlesen

Ein Abend im Herbst. Ein einsames Zimmer.Darinnen lagMit mattem bläulichem SchimmerDer sterbende Tag.Und DuSaßest am Flügel;Ich sah und hörte im Dunkel Dir zu.Über die weißen Tasten hinFlatterte Deiner Finger FlugWie über die weißen KreidehügelAn Englands Küste die Möven flieh’n.Ich hörte Akkorde brausen und schwellenWie Brandung, die an die Klippen schlugDazwischen manchmal schrillte ein SchreiWie von Weh – –Und dunkler und dunkler wurde die See -.Im Dunkel verschwandDer Mövenflug und der weiße Strand. Doch auf der… weiterlesen

Ich möchte Dich vergessen,Wie einer, der erwacht,Am Morgen hat vergessenDie Träume seiner Nacht. Nicht weiß er, ob ihm bangeOb selig-süß geträumt,Er fühlt nur, daß die WangeNoch heiße Röte säumt Und daß in seinem HerzenEin Zittern blieb zurück –Wie von vergang’nen Schmerzen –Wie von verlor’nem Glück. Anton Noder… weiterlesen

Mach Einen herrlich, Herr, mach Einen groß,bau seinem Leben einen schönen Schooß,und seine Scham errichte wie ein Torin einem blonden Wald von jungen Haaren,und ziehe durch das Glied des Unsagbarenden Reisigen, den weißen Heeresscharen,den tausend Samen, die sich sammeln, vor. Und eine Nacht gieb, daß der Mensch empfingewas keines Menschen Tiefen noch betrat;gieb eine Nacht da blühen alle Dinge,und mach sie duftender als die Syringeund wiegender denn deines Windes Schwingeund jubelnder als Josaphat. Und gieb… weiterlesen

O Herr, gieb jedem seinen eignen Tod.Das Sterben, das aus jenem Leben geht,darin er Liebe hatte, Sinn und Not. Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.Der große Tod, den jeder in sich hat,das ist die Frucht, um die sich alles dreht. Um ihretwillen heben Mädchen anund kommen wie ein Baum aus einer Laute,und Knaben sehnen sich um sie zum Mann;und Frauen sind den Wachsenden Vertrautefür Ängste, die sonst niemand nehmen kann.Um ihretwillen bleibt… weiterlesen

Mach mich zum Wächter deiner Weiten,mach mich zum Horchenden am Stein,gieb mir die Augen auszubreitenauf deiner Meere Einsamsein;laß mich der Flüsse Gang begleitenaus dem Geschrei zu beiden Seitenweit in den Klang der Nacht hinein. Schick mich in deine leeren Länder,durch die die weiten Winde gehn,wo große Klöster wie Gewänderum ungelebte Leben stehn.Dort will ich mich zu Pilgern halten,von ihren Stimmen und Gestaltendurch keinen Trug mehr abgetrennt,und hinter einem blinden Altendes Weges gehn, den keiner kennt.… weiterlesen

Vielleicht, daß ich durch schwere Berge gehein harten Adern, wie ein Erz allein;und bin so tief, daß ich kein Ende seheund keine Ferne: alles wurde Näheund alle Nähe wurde Stein. Ich bin ja noch kein Wissender im Wehe, –so macht mich dieses große Dunkel klein;bist Du es aber: mach dich schwer, brich ein:daß deine ganze Hand an mir gescheheund ich an dir mit meinem ganzen Schrein. Du Berg, der blieb da die Gebirge kamen, –Hang… weiterlesen