Die große Sonne ist versprüht,der Sommerabend liegt im Fieber,und seine heiße Wange glüht.Jach seufzt er auf: »Ich möchte lieber …«Und wieder dann: »Ich bin so müd …«Die Büsche beten Litanein,Glühwürmchen hangt, das regungslose,dort wie ein ewiges Licht hinein;und eine kleine weiße Roseträgt einen roten Heiligenschein. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Es ist für mich ein eigener Genuß, abends beim Spazierengehen die Wolken zu betrachten. Meine Phantasie leiht ihnen die sonderbarsten Gestalten, und sind sie gar zu nichts bezeichnend, so stelle ich mir zum wenigsten vor, der blaue Himmel sei der Ozean und die hin und wieder zerstreuten Wolkenmassen Inseln. Dahin baue ich mir Hütten, wohne dort mit meinem Mädchen, und so dann weiter. Franz Grillparzer… weiterlesen

Siehe, ich wusste es sindsolche, die nie den gemeinsamen Ganglernten zwischen den Menschen;sondern der Aufgang in plötzlichentatmete Himmelwar ihr Erstes. Der Flugdurch der Liebe Jahrtausendeihr Nächstes, Unendliches.Eh sie noch lächeltenweinten sie schon vor Freude;eh sie noch weintenwar die Freude schon ewig.Frage mich nichtwie lange sie fühlten; wie langesah man sie noch? Denn unsichtbare sindunsägliche Himmelüber der inneren Landschaft.Eines ist Schicksal. Da werden die Menschensichtbarer. Stehn wie Türme. Verfalln.Aber die Liebenden gehnüber der eignen Zerstörungewig hervor;… weiterlesen

Mir war ein Weh geschehen,Und da ich durch die Felder ging,Da sah ich einen Schmetterling,Der war so weiß und dunkelrot,Im blauen Winde wehen.Oh du! In Kinderzeiten,Da noch die Welt so morgenklarUnd noch so nah der Himmel war,Da sah ich dich zum letztenmalDie schönen Flügel breiten.Du farbig weiches Wehen,Das mir vom Paradiese kam,Wie fremd muß ich und voller SchamVor deinem tiefen GottesglanzMit spröden Augen stehen!Feldeinwärts ward getriebenDer weiß’ und rote Schmetterling,Und da ich träumend weiterging,War mir… weiterlesen

Nun hab ichs endlich überstanden,Ich fühle mich so frei und froh,Weil ich aus den verruchten BandenMit einer kühnen That entfloh;Ich hab auf ewig sie verschworenDie schmähliche Vergangenheit.Von heute bin ich neu geboren.Und morgen kommt die bessre Zeit.Schon hat das Glück mir hergesendetAus seiner Sonnen einen Strahl,Ich jauchze, denn sie ist geendet,Die tausendfache Seelenqual.Dich, goldne Freiheit, hab ich wieder,Mir schickt die Freude ihren Gruß,Und zu mir selber kehr ich wiederUnd meinem heitern Genius. Ludwig Eichrodt… weiterlesen

Felsen in den Lüften oben,Freut euch, daß ihr hoch erhobenÜber dieser Erde steht!Daß vom lärmenden GetöseDieser nicht’gen WeltengrößeKaum ein Nachhall zu euch weht.Ferne von des Tages MühenRagt ihr auf in reinem Glühen,Wenn schon Nacht das Thal verhüllt.Noch ist uns das Licht verborgen,Wenn der Sonne Glanz am MorgenEurer Rosen Kelch erfüllt.Stumm von Ewigkeit gethürmte,Schnee- und wieder föhnumstürmteReicht ihr in den Äther hin!Eure Gipfel sind im Blauen,Wenn zu Füßen auch die grauenDunkeln Wetterwolken zieh’n. Martin Greif… weiterlesen

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!Hinab ins Tal, mit Rasen sanft begleitet,Vom Weg durchzogen, der hinüber leitet,Das weiße Haus inmitten aufgestellt,Was ist’s, worin sich hier der Sinn gefällt? Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!Erstieg ich auch der Länder steilste Höhen,Von wo ich könnt die Schiffe fahren sehenUnd Städte fern und nah von Bergen stolz umstellt,Nichts ist’s, was mir den Blick gefesselt hält. Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!Und könnt ich Paradiese überschauen,Ich… weiterlesen

Wie hat uns der zu weite Raum verdünnt.Plötzlich besinnen sich die Überflüsse.Nun sickert durch das stille Sieb der Küssedes bittren Wesens Alsem und Absynth.Was sind wir viel, aus meinem Körper hebtein neuer Baum die überfüllte Kroneund ragt nach dir: denn sieh, was ist er ohneden Sommer, der in deinem Schoße schwebt.Bist du’s bin ich’s, den wir so sehr beglücken?Wer sagt es, da wir schwinden. Vielleicht stehtim Zimmer eine Säule aus Entzücken,die Wölbung trägt und langsamer… weiterlesen

august

Und so weiter; tausend Versäumnisse wären wiedergutzumachen, tausend Sünden und Lieblosigkeiten zu büßen wenn ich nicht eben erst den Bußweg verlassen und mich der Gnade anheimgegeben hätte. Lassen wir also die Sünden Sünden sein und seien wir froh, wenn es uns glückt, eine Weile keine neuen anzuhäufen! Indem ich mich nochmals über den Abgrund der vergangenen bösen Tage beuge, sehe ich in der Tiefe, fern und klein, ein gespenstisches Bild gespiegelt: den Kurgast Hesse, bleich… weiterlesen

august

So liest man dies und jenes, und kämpft sich eine Weile durch die Welt der ewigen Probleme, deren jedes nie zu lösen, nur zu erleben ist, und am Ende wirft uns das Leben immer wieder an eine Stelle, wo wir das scheinbar Unmögliche neu probieren, das scheinbar Hoffnungslose mit neuer Begierde, mit neuem Eifer betreiben können. Und bei dem alten, scheinbar wirklich so hoffnungslosen Spiel gibt es für den Denkenden immer den einen Trost, daß… weiterlesen