Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,Reseden und Astern sind im Verblühn,Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!Banne die Sorge, genieße, was frommt,Eh’ Stille, Schnee und Winter kommt. Theodor Fontane… weiterlesen

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,Hoffst du von Tagen zu Tagen,Was dir der blühende Frühling nicht trug,Werde der Herbst dir noch tragen!Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,Immer zu schmeicheln, zu kosen.Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,Abends verstreut er die Rosen.Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,Bis er ihn völlig gelichtet.Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,Was wir geliebt und gedichtet. Friedrich Rückert… weiterlesen

Menschlichkeit: Namen schwankender Besitze,noch unbestätigter Bestand von Glück:ist das unmenschlich, dass zu dieser Spitze,zu diesem kleinen dichten Spitzenstückzwei Augen wurden? – Willst du sie zurück?Du Langvergangene und schließlich Blinde,ist deine Seligkeit in diesem Ding,zu welcher hin, wie zwischen Stamm und Rinde,dein großes Fühlen, kleinverwandelt, ging?Durch einen Riß im Schicksal, eine Lückeentzogst du deine Seele deiner Zeit;und sie ist so in diesem lichten Stücke,dass es mich lächeln macht vor Nützlichkeit. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Die einen sagen: “Kehre in dich und du wirst Ruhe finden.” Hierin steckt noch nicht die ganze Wahrheit. Die anderen hingegen sagen: “Flüchte aus dir heraus; trachte, dich zu vergessen und das Glück in Vergnügungen zu finden.” Auch das ist nicht richtig, schon deshalb nicht, weil man auf diesem Wege z.B. den Krankheiten nicht entrinnen kann. Ruhe und Glück sind nicht in uns, noch außer uns; sie sind in Gott, der ebensowohl in uns wie… weiterlesen

Über die Heide hallet mein Schritt;dumpf aus der Erde wandert es mit.Herbst ist gekommen, Frühling ist weit –gab es denn einmal selige Zeit? Brauende Nebel geistern umher;schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.Wär’ ich hier nur nicht gegangen im Mai!Leben und Liebe – wie flog es vorbei!Theodor Storm… weiterlesen

Nun will der Herbst mit welken Blätternmir meine blasse Stirne kränzen,wenn Nebel durch die Äste kletternin grauen, wunderlichen Tänzen.Fühlst du, wie in den Hauch von Küssenein Schauer fremder Nächte gleitet?Und wie ein Wiederwandernmüssendir neue Wege vorbereitet?Felix Grafe… weiterlesen

Ich bin nicht mehr als ein rinnender Traum,Ich bin nicht mehr als ein Blatt am Baum,Als ein Tropfen im fallenden Regen,Nicht mehr als ein Sonnenflimmerflaum,Ein Mondlichtschein in Waldgehegen …Oder sommerentlangEin Vogelklang,Ein Schmetterling am Heidehang …Ein Wölkchen, das der nächste WindSpurlos ins Abendrot verrinnt …Und all meine Lust und all mein Leid,Es ist nur die Lust, es ist nur das LeidEines kurzen rinnenden Traumes …Es ist nur die Lust, es ist nur das LeidEines Mondlichtscheins auf… weiterlesen

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bangund greife scheu nach seiner Rosen Röte –und ahne eine Angst in seiner Flötevor Tagen, welche liedlos sind und lang. Aber die Abende sind mild und mein,von meinem Schauen sind sie still beschienen;in meinem Armen schlafen Wälder ein, –und ich bin selbst das Klingen über ihnen,und mit dem Dunkel in den Violinenverwandt durch all mein Dunkelsein. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Meine liebe Mama;Diesmal war mir der Geburtstag ein wahres Fest, da er durch Deinen lieben Drathgruß eingeleitet ward. Und ich habe an diesem Tage viel an Dich gedacht und mich gesehnt in stiller Dämmerstunde mit Dir zu plaudern. Ichwar einsam den Tag über; nicht ganz aus Nothwendigkeit, sondern weil die Einsamkeit mir meine liebste Freundin ward und ich mich so wohl fühle, wenn sie mit kühlen Feierabendhänden meine wünschefiebernde Stirne streicht.Ich bin in der Zeit… weiterlesen

O wie ist alles fern und lange vergangen.Ich glaube, der Stern, von welchem ich Glanz empfange,ist seit Jahrtausenden tot.Ich glaube, im Boot, das vorüberfuhr,hörte ich etwas Banges sagen.Im Hause hat eine Uhr geschlagen…In welchem Haus?…Ich möchte aus meinem Herzen hinaus unter den großen Himmel treten.Ich möchte beten.Und einer von allen Sternen müßte wirklich noch sein.Ich glaube, ich wüßte, welcher allein gedauert hat, –welcher wie eine weiße Stadt am Ende des Strahls in den Himmeln steht…… weiterlesen