Lupin’ ist ein wunderlich Blümchen,Es lächelt ins Leben hinein,Und denkt nicht an morgen und gestern,Gibt heut ihm die Sonne nur Schein.Daß still hier im Tale des LebensAn ihm auch dein Herz sich erfreut,Hat freundlich der ewige GärtnerEs dir in das Leben gestreut. Louise Hensel… weiterlesen

Unsäglich Schweres wird von mir verlangt.Aber die Mächte, die mich so verpflichten,sind auch bereit, mich langsam aufzurichten,so oft mein Herz behängt mit den Gewichtender Demut, hoch in ihren Händen hangt. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Wahrer Beruf für jeden war nur das eine: zu sich selbst zu kommen. Er mochte als Dichter oder als Wahnsinniger, als Prophet oder als Verbrecher enden – dies war nicht seine Sache, ja dies war letzten Endes belanglos. Seine Sache war, das eigene Schicksal zu finden, nicht ein beliebiges, und es in sich auszuleben, ganz und ungebrochen: Hermann Hesse (Demian)… weiterlesen

Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar. Man schämt sich nicht mehr, sterben zu wollen; man bittet, aus der alten Zelle, die man hasst, in eine neue gebracht zu werden, die man erst hassen lernen wird. Ein Rest von Glauben wirkt dabei mit, während des Transportes werde zufällig der Herr durch den Gang kommen, den Gefangenen ansehen und sagen: “Diesen sollt ihr nicht wieder einsperren.… weiterlesen

Ich schreibe anders als ich rede, ich rede anders als ich denke, ich denke anders als ich denken soll und so geht es weiter bis ins tiefste Dunkel. Franz Kafka (Brief an Ottla Kafka, 10.07.1914)… weiterlesen

Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: dass man ein Beginner werden muss. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Dir wird ängstlich beim Gedanken an den Tod? Ich habe nur entsetzliche Angst vor Schmerzen. Das ist ein schlechtes Zeichen. Den Tod wollen, die Schmerzen aber nicht, das ist ein schlechtes Zeichen. Sonst aber kann man den Tod wagen. Man ist eben als biblische Taube ausgeschickt worden, hat nichts Grünes gefunden und schlüpft nun wieder in die dunkle Arche. Franz Kafka… weiterlesen

Man muß nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten,… weiterlesen

Wenn der Alltag dir arm erscheint, klage ihn nicht an – klage dich an, dass du nicht stark genug bist, seine Reichtümer zu rufen, denn für den Schaffenden gibt es keine Armut. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Das Wetter ist niedergegangen,Die Wolken, die grollend und grauIns schwüle Gebirge gehangen,Sie stillten der Wälder Verlangen,Gelöst in unendlichen Thau;Der Himmel ward heiter und blau. Wohl zittern wie flammend die Lüfte,Doch kühlet ein Wehen sie lindUnd trägt durch die dampfenden KlüfteDer Kräuter gewürzige Düfte;Wo rege die Wipfel noch sind,Erschauern die Sträucher im Wind. Breit fluthet der Bach von den Fällen,Der wirbelnd im Thale noch schwillt;Rings tausend lebendige QuellenEnteilen mit murmelnden Wellen:Der Balsam, der köstliche, quillt,Der Durst… weiterlesen