Das Anschauen ist eine so wunderbare Sache, von der wir noch so wenig wissen; wir sind mit ihm ganz nach außen gekehrt, aber gerade wenn wir‘s am meisten sind, scheinen in uns Dinge vor sich zu gehen, die auf das Unbeobachtetsein sehnsüchtig gewartet haben, undwährend sie sich, intakt und seltsam anonym, in uns vollziehen, ohne uns, – wächst in dem Gegenstand draußen ihre Bedeutung heran, ein überzeugender, starker, – ihr einzig möglicher Name, in dem… weiterlesen

Aber das Leben ist Veränderung, das Gute ist eine und das Schlechte auch, und darum hat der Recht, der alles als etwas nimmt, was nicht wiederkommt, mag er dann vergessen oder nicht, wenn er nur eine Weile ganz herum war, der Schauplatz, die Atmosphäre, die Welt dessen, was geschah, wenn es nur in ihm geschah, mitten in ihm, Gutes wie Arges -, dann bleibt ihm eigentlich nichts zu befürchten, denn dann ist auch immer ein… weiterlesen

Hier begriff ich, dass man sein Leben so weit als möglich leben müsse, nicht dem Tage nach, sondern in die Tiefe. Daß man nicht das Nächste tun muss, wenn man fühlt, dass man am Übernächsten, am Fernen, am entferntesten mehr Anteil hat. Daß man träumen darf, während andere retten, wenn diese Träume einem wirklicher sind als die Wirklichkeit und notwendiger als Brot. Mit einem Wort: daß man die äußerste Möglichkeit, die man in sich trägt,… weiterlesen

Ich sehe keinen Menschen, es hat gefroren, es war Glatteis, es regnet, es trieft, – das ist hier der Winter, immer je drei Tage von jedem. Ich habe von Paris über und über genug, es ist ein Ort der Verdammnis, das hab ich immer gewusst, aber damals wurden mir die Peinen der Verdammten von einem Engel auseinandergesetzt, jetzt, da ich mir sie selbst erklären soll, finde ich keine rühmliche Auslegung und bin in Gefahr, mir… weiterlesen

Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,heute Abend stehen wir nicht nur am Beginn eines neuen Jahres, sondern auch eines neuen Jahrzehnts. Ich bin überzeugt: Wir haben gute Gründe, zuversichtlich zu sein, dass die in wenigen Stunden beginnenden 20er Jahre des 21. Jahrhunderts gute Jahre werden können – wenn wir unsere Stärken nutzen, wenn wir auf das setzen, was uns verbindet, wenn wir uns daran erinnern, was wir in den… weiterlesen

Wir kamen müde heim, das Wetter war zu sehr wider uns, nach frischer Kälte Rauheit und dann Schnee und gleich darauf Tauwetter und Ostwind und Glatteis; alles an einem Tage, und gerade an diesem, und das ungangbarste Wetter für unseren Weg von der Station. So kamen wir müde an. Vielleicht auch, weil es doch traurig macht, all diesen Verfall zu sehen und diese schlimme Restaurierung, die noch unerträglicher ist als der Verlust eines schönen Dinges,… weiterlesen

Weihnachten ist vorbei, und ein Jahr hat begonnen mit einer hohen, klaren, sternblanken Nacht: ich habe es kaum bemerkt, kaum etwas Festlichkeit gefühlt, und keine Ruhe. Es waren unfertige und provisorische äußere Zustände, in die ich hier kam. Influenza gesellte sich und das fortwährend geänderte Wetter. Und die Anpassung und das Umdenken und das Fortgenommensein aus der Arbeitsnähe, die Furuborg für mich war. Und das Quälende deutscher Umgebung. In alledem war es schwer, Weihnacht zu… weiterlesen

Mit der Freude zieht der Schmerztraulich durch die Zeiten.Schwere Stürme, milde Weste,bange Sorgen, frohe Festewandeln sich zur Seiten.Und wo eine Träne fällt,blüht auch eine Rose.Schon gemischt, noch eh wir´s bitten,ist für Thronen und für HüttenSchmerz und Lust im Lose.War’s nicht so im alten Jahr?Wird’s im neuen enden?Sonnen wallen auf und nieder,Wolken gehn und kommen wieder,und kein Wunsch wird’s wenden.Gebe denn, der über unswägt mit rechter Waage,jedem Sinn für seine Freuden,jedem Mut für seine Leidenin die… weiterlesen

Das Jahr geht um,Der Faden rollt sich sausend ab.Ein Stündchen noch, das letzte heut,Und stäubend rieselt in sein GrabWas einstens war lebend’ge Zeit.Ich harre stumm.‘S ist tiefe Nacht!Obwohl ein Auge offen noch?In diesen Mauern rüttelt deinVerrinnen, Zeit! Mir schaudert, dochEs will die letzte Stunde seinEinsam durchwacht.Gesehen all,Was ich begangen und gedacht,Was mir aus Haupt und Herzen stieg:Das steht nun eine ernste WachtAm Himmelstor. O halber Sieg,O schwerer Fall!Wie reisst der WindAm Fensterkreuze, ja es willAuf… weiterlesen

Du greises Jahr: du eilst, dem Ziele zuRascher und rascher, sehnst dich nach der RuhIn einem tiefen grenzenlosen Tod.Doch sieh: ich eile schneller, nach dem RotDes neuen Morgens gierig, dir voraus.O komm! Hinübergeh! Lösch aus, lösch aus!Gezeichnetes, Beladenes, beflecktMit großer Müdigkeit, mit Schmerz bedeckt –Vergeh – ich werde! Stirb – und ich vermagAufzuerstehn: o neuer, reinster Tag!Maria Luise Weissmann… weiterlesen