Licht, vom Himmel flammt es nieder,Licht, empor zum Himmel flammt es;Licht, es ist der große MittlerZwischen Gott und zwischen Menschen;Als die Welt geboren wurde,Ward das Licht vorangeboren,Und so ward des Schöpfers KlarheitDas Mysterium der Schöpfung;Licht verschießt die heil’gen PfeileWeiter immer, lichter immer,Ahriman sogar, der dunkle,Wird zuletzt vergehn im Lichte. August von Platen-Hallermünde… weiterlesen

Abendschatten füllt die Weite,Abendfriede füllt die Welt;Und ich zieh an deiner SeiteDurch das kühle, grüne Feld. Wortlos und mit sachtem Schritte,Deingedenkend, wie du mein,Ohne Wunsch und ohne Bitte,Will ich ganz dein eigen sein. Wellen ziehn mit leisen Tönen,Vöglein ziehn mit leisem Flug,Und durch unser Herz zieht Sehnen,Haben wir nicht Glück genug? Jugendglück im reifern Innern,Liedertrost, der selig labt,Und im Alter dies Erinnern,Wie wir einst uns lieb gehabt? Karl Stieler… weiterlesen

Jene Wolke will ich neiden,die dort oben schweben darf!Wie sie auf besonnte Heidenihre schwarzen Schatten warf. Wie die Sonne zu verdüsternsie vermochte kühn genug,wenn die Erde lichteslüsterngrollte unter ihrem Flug. All die goldnen Strahlenflutenjener Sonne wollt auch ichhemmen! Wenn auch für Minuten!Wolke! Ja, ich neide dich! Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Habt ihr da oben irgendetwas vor?Warum geht ihr alle?Lasst uns hier unten alleinHattet keine Zeit mehr bei uns zu seinDu packst deinen KofferDu gehst auf die ReiseDu nimmst deinen HundDu gehst still und leiseMöchtest niemanden weckenLässt alle alle in in RuhDu hast uns was dagelassenDen grössten Teil von dirAll deine Worte, all deine Noten, das alles bleib hierIch weiß nicht, wo ich anfangen soll, welchen Namen zuerst?Den, der mir am meisten fehlt oder den, der… weiterlesen

Euer Blick nach fernen Meeren, eure Begierde, den Felsen und seine Spitze zu betasten – eine Sprache ist es nur für eure Sehnsucht. Menschen sucht nur euer Blick und eure Begierde, und das, was mehr ist als Mensch! Friedrich Nietzsche… weiterlesen

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,du mein tieftiefes Leben;dass du weisst, was der Wind dir will,eh noch die Birken beben.Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,lass deine Sinne besiegen.Jedem Hauche gieb dich, gieb nach,er wird dich lieben und wiegen.Und dann meine Seele sei weit, sei weit,dass dir das Leben gelinge,breite dich wie ein Federkleidüber die sinnenden Dinge. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Wo, in welchen immer selig bewässerten Gärten, an welchenBäumen, aus welchen zärtlich entblätterten Blüten-Kelchenreifen die fremdartigen Früchte der Tröstung? Dieseköstlichen, deren du eine vielleicht in der zertretenen Wiese deiner Armut findest. Von einem zum anderen Male wunderst du dich über die Größe der Frucht,über ihr Heilsein, über die Sanftheit der Schale, und daß sie der Leichtsinn des Vogels dir nicht vorwegnahm und nicht die Eifersucht unten des Wurms. Giebt es denn Bäume, von Engeln beflogen,und… weiterlesen

Was wissen die Menschen dieser Zeit von der Innigkeit des Lebens! Die nicht Einsam-sein kennen und nicht Miteinander-sein, nicht Stolz-sein und nicht Demütig-sein, nicht Schwächer-sein und nicht Stärker-sein, wie sollen die in den Gedichten die Zeichen der Einsamkeit und der Demut und der Stärke erkennen? Hugo von Hofmannsthal… weiterlesen

Mit diesem Wind kommt Schicksal; laß, o laßes kommen, all das Drängende und Blinde,vor dem wir glühen werden –: alles das.(Sei still und rühr dich nicht, daß es uns finde.)O unser Schicksal kommt mit diesem Winde. Von irgendwo bringt dieser neue Wind,schwankend vom Tragen namenloser Dinge,über das Meer her was wir sind. …. Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.(Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)Aber mit diesem Wind geht immer wiederdas Schicksal riesig… weiterlesen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt!Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.Frisch auf drum, frisch auf im hellen SonnenstrahlWohl über die… weiterlesen