Ich bin nicht mehr als ein rinnender Traum,Ich bin nicht mehr als ein Blatt am Baum,Als ein Tropfen im fallenden Regen,Nicht mehr als ein Sonnenflimmerflaum,Ein Mondlichtschein in Waldgehegen …Oder sommerentlangEin Vogelklang,Ein Schmetterling am Heidehang …Ein Wölkchen, das der nächste WindSpurlos ins Abendrot verrinnt …Und all meine Lust und all mein Leid,Es ist nur die Lust, es ist nur das LeidEines kurzen rinnenden Traumes …Es ist nur die Lust, es ist nur das LeidEines Mondlichtscheins auf… weiterlesen

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bangund greife scheu nach seiner Rosen Röte –und ahne eine Angst in seiner Flötevor Tagen, welche liedlos sind und lang. Aber die Abende sind mild und mein,von meinem Schauen sind sie still beschienen;in meinem Armen schlafen Wälder ein, –und ich bin selbst das Klingen über ihnen,und mit dem Dunkel in den Violinenverwandt durch all mein Dunkelsein. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Meine liebe Mama;Diesmal war mir der Geburtstag ein wahres Fest, da er durch Deinen lieben Drathgruß eingeleitet ward. Und ich habe an diesem Tage viel an Dich gedacht und mich gesehnt in stiller Dämmerstunde mit Dir zu plaudern. Ichwar einsam den Tag über; nicht ganz aus Nothwendigkeit, sondern weil die Einsamkeit mir meine liebste Freundin ward und ich mich so wohl fühle, wenn sie mit kühlen Feierabendhänden meine wünschefiebernde Stirne streicht.Ich bin in der Zeit… weiterlesen

O wie ist alles fern und lange vergangen.Ich glaube, der Stern, von welchem ich Glanz empfange,ist seit Jahrtausenden tot.Ich glaube, im Boot, das vorüberfuhr,hörte ich etwas Banges sagen.Im Hause hat eine Uhr geschlagen…In welchem Haus?…Ich möchte aus meinem Herzen hinaus unter den großen Himmel treten.Ich möchte beten.Und einer von allen Sternen müßte wirklich noch sein.Ich glaube, ich wüßte, welcher allein gedauert hat, –welcher wie eine weiße Stadt am Ende des Strahls in den Himmeln steht…… weiterlesen

Merke jeder fein die Lehre:Nicht verzweifeln, das ist Ehre –Ist ja kein Wald so dunkel und dicht,Es kommt am Ende doch Luft und Licht –Ist keine Heide so groß und breit,Steht doch am Ende ein Haus bereit,Nur wenn man zögert und mutlos spricht:»Es wird nicht gehen«, dann geht’ auch nicht.Auguste Kurs… weiterlesen

Ich habe mich oft gefragt, ob nicht gerade die Tage, die wir gezwungen sind, müßig zu sein, diejenigen sind, die wir in tiefster Tätigkeit verbringen? Ob nicht unser Handeln selbst, wenn es später kommt, nur der letzte Nachklang einer großen Bewegung ist, die in untätigen Tagen in uns geschieht? Jedenfalls ist es sehr wichtig, mit Vertrauen müßig zu sein, mit Hingabe, womöglich mit Freude. Die Tage, da auch unsere Hände sich nicht rühren, sind so… weiterlesen

Wir sind die Treibenden.Aber den Schritt der Zeit,nehmt ihn als Kleinigkeitim immer Bleibenden.Alles das Eilendewird schon vorüber sein;denn das Verweilendeerst weiht uns ein.Knaben, o werft den Mutnicht in die Schnelligkeit,nicht in den Flugversuch.Alles ist ausgeruht:Dunkel und Helligkeit,Blume und Buch. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

… und wie zwei trübe StundenGemahnt mich diese Frist.Und hättest du gelebet,Mein Kindchen, dieses Jahr,So wär’ die Frist entschwebetEin helles Stundenpaar.Nun, seit ich auf der BahreDich mußte sehn, mein Kind,Denk’ ich, wie wenig JahreVerliehn dem Menschen sind.Ob trüber oder heller,Wie Stunden sind sie nur,Ob langsamer, ob schneller,Entschwunden ohne Spur.Einst wünscht’ ich langes Leben,Um lang’ dich blühn zu sehn;Nun mag es schnell entschweben,Da ich dich sah vergehn. Friedrich Rückert… weiterlesen

Müder Glanz der Sonne!Blasses Himmelblau!Von verklungner WonneTräumet still die Au.An der letzten RoseLöset lebenssattSich das letzte lose,Bleiche Blumenblatt!Goldenes EntfärbenSchleicht sich durch den Hain!Auch Vergeh’n und SterbenDäucht mir süß zu sein.Karl von Gerok… weiterlesen

Der Herbst fängt an. Ich sehe es im Garten, an den Bäumen und Büschen. Ich spüre es an der Luft und den eigenen Gliedern. Der Sommer ist unwiderruflich vorbei. Gegen den Herbst ist kein Kraut gewachsen. Aber der Herbst ist schön und kann so reich an Farben sein. Die letzten Freuden des Lebens sind stiller, aber auch tiefer. So will ich den Herbst ruhig zu mir kommen lassen.© Phil Bosmans… weiterlesen