Im Nebel ruhet noch die Welt,Noch träumen Wald und Wiesen:Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,Den blauen Himmel unverstellt,Herbstkräftig die gedämpfte WeltIn warmem Golde fliessen. Eduard Mörike… weiterlesen

Denk oft zurück ins eigne Leben;verlang von andern nicht zu viel!Du weißt, es führte dich dein Strebenauch nur so nach und nach ans Ziel.Du hast den Schwachen gern zu schonen;du wurdest doch wohl auch geschont.Die Liebe wird bei ihm sich lohnen,wie sie sich einst bei dir gelohnt.Und bist du auch nicht ganz zufriedenmit dem, was er für dich gemacht,wir Menschen sind ja so verschieden:Er hat es anders sich gedacht.Du solltest dich darüber freuen,daß er dir… weiterlesen

Rot und gelbe HerbsteslehnenAn der Berge blauem Joch,Und wie Frühlingsgruss und SehnenAstern blühen und Verbenen,Aber ach, wie lange noch?! Und aus dunkeltiefer StelleUnter Schäumen und GepochAn des Tages heitre HelleBricht hervor die Waldesquelle,Aber ach, wie lange noch?! Und so schwindet hin das Leben,Schwindet, und du liebst es doch.Wieder regt sich Stolz und Streben,Und der Wunsch kommt auf danebenAber ach, wie lange noch?! Theodor Fontane… weiterlesen

Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen.Ein Baal des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid.Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen. Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes KleidUnd in das Totenbuch der großen SterblichkeitLängst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen. Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfälltUnd wie ein Strom verscheußt, den… weiterlesen

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,Reseden und Astern sind im Verblühn,Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!Banne die Sorge, genieße, was frommt,Eh’ Stille, Schnee und Winter kommt. Theodor Fontane… weiterlesen

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,Hoffst du von Tagen zu Tagen,Was dir der blühende Frühling nicht trug,Werde der Herbst dir noch tragen!Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,Immer zu schmeicheln, zu kosen.Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,Abends verstreut er die Rosen.Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,Bis er ihn völlig gelichtet.Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,Was wir geliebt und gedichtet. Friedrich Rückert… weiterlesen

Menschlichkeit: Namen schwankender Besitze,noch unbestätigter Bestand von Glück:ist das unmenschlich, dass zu dieser Spitze,zu diesem kleinen dichten Spitzenstückzwei Augen wurden? – Willst du sie zurück?Du Langvergangene und schließlich Blinde,ist deine Seligkeit in diesem Ding,zu welcher hin, wie zwischen Stamm und Rinde,dein großes Fühlen, kleinverwandelt, ging?Durch einen Riß im Schicksal, eine Lückeentzogst du deine Seele deiner Zeit;und sie ist so in diesem lichten Stücke,dass es mich lächeln macht vor Nützlichkeit. Rainer Maria Rilke… weiterlesen

Die einen sagen: “Kehre in dich und du wirst Ruhe finden.” Hierin steckt noch nicht die ganze Wahrheit. Die anderen hingegen sagen: “Flüchte aus dir heraus; trachte, dich zu vergessen und das Glück in Vergnügungen zu finden.” Auch das ist nicht richtig, schon deshalb nicht, weil man auf diesem Wege z.B. den Krankheiten nicht entrinnen kann. Ruhe und Glück sind nicht in uns, noch außer uns; sie sind in Gott, der ebensowohl in uns wie… weiterlesen

Über die Heide hallet mein Schritt;dumpf aus der Erde wandert es mit.Herbst ist gekommen, Frühling ist weit –gab es denn einmal selige Zeit? Brauende Nebel geistern umher;schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.Wär’ ich hier nur nicht gegangen im Mai!Leben und Liebe – wie flog es vorbei!Theodor Storm… weiterlesen

Nun will der Herbst mit welken Blätternmir meine blasse Stirne kränzen,wenn Nebel durch die Äste kletternin grauen, wunderlichen Tänzen.Fühlst du, wie in den Hauch von Küssenein Schauer fremder Nächte gleitet?Und wie ein Wiederwandernmüssendir neue Wege vorbereitet?Felix Grafe… weiterlesen