
Der Veilchendienstag bildet im rheinischen Karneval den Abschluss und zugleich einen stilleren Höhepunkt der närrischen Tage. Er folgt auf den ausgelassenen Rosenmontag und liegt unmittelbar vor dem Aschermittwoch, mit dem die Fastenzeit beginnt. Besonders im Westen von Deutschland, entlang des Rheins, besitzt dieser Tag eine lange Tradition und ist fest im kulturellen Selbstverständnis vieler Städte verankert.
Seinen Namen verdankt der Veilchendienstag einer historischen Redewendung: „sich ein Veilchen holen“ bedeutete umgangssprachlich, sich eine bläuliche Schwellung – also ein „blaues Auge“ – zuzuziehen. Tatsächlich kam es in früheren Jahrhunderten nach den oft sehr ausgelassenen Feierlichkeiten nicht selten zu handfesten Auseinandersetzungen. Heute jedoch steht der Tag weniger für Streit als vielmehr für einen letzten, bewussten Ausklang des Karnevals. Die Menschen genießen noch einmal das närrische Treiben, bevor mit dem Aschermittwoch Besinnlichkeit und Verzicht einkehren.
In Städten wie Köln, Mainz und Düsseldorf ist der Veilchendienstag von zahlreichen Veranstaltungen geprägt. Zwar sind die großen Rosenmontagszüge bereits vorüber, doch finden weiterhin Sitzungen, kleinere Umzüge und traditionelle Verbrennungen des „Nubbel“ oder anderer Symbolfiguren statt. Diese symbolische Verbrennung steht für das Abschütteln der Sünden und Verfehlungen der Karnevalszeit. Häufig wird dabei augenzwinkernd alles, was in den vergangenen Tagen schiefgelaufen ist, der Strohpuppe angelastet, bevor sie unter Klagen und Gesang den Flammen übergeben wird.
Der Veilchendienstag markiert somit einen Übergang: Einerseits klingt die fröhliche, bunte Zeit mit Musik, Kostümen und Gemeinschaftserlebnissen aus; andererseits richtet sich der Blick bereits auf die bevorstehende Fastenzeit. Viele Menschen empfinden diesen Tag als Mischung aus Wehmut und Zufriedenheit. Wehmut, weil eine besondere Zeit des Jahres endet, in der gesellschaftliche Rollen spielerisch auf den Kopf gestellt werden. Zufriedenheit, weil man gemeinsam gefeiert, gelacht und Traditionen gepflegt hat.
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