A view shows Azovstal steel mill during Ukraine-Russia conflict in the southern port city of Mariupol, Ukraine May 20, 2022. REUTERS/Alexander Ermochenko

Präsident Selenskyj hat Russland für einen Raketenangriff auf ein Kulturzentrum im Osten des Landes mit acht Verletzten verantwortlich gemacht. Bei dem Beschuss in der Stadt Losowa im Gebiet Charkiw sei auch ein elf Jahre altes Kind verletzt worden, schrieb Selenskyj am Freitagabend im Nachrichtenkanal Telegram. Solche Angriffe seien eine „absolute Dummheit“ und „Boshaftigkeit“. Selenskyj postete ein Video, das einen Raketeneinschlag zeigte. Danach war eine riesige Rauchwolke zu sehen. Die russischen Streitkräfte konzentrierten nach eigenen Angaben ihre Luftangriffe auf das frontnahe Hinterland der Ukraine. Laut dem Verteidigungsministerium in Moskau wurden mehrere Ortschaften in den Gebieten Donezk und Charkiw attackiert. Raketenstreitkräfte und Artillerie hätten Depots und Artillerie- und Raketenwerferstellungen zerstört, hieß es. Bei den Angriffen seien 280 ukrainische Soldaten getötet und 59 gepanzerte Militärfahrzeuge zerstört worden.
Unabhängig konnten diese Angaben nicht überprüft werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Situation im Donbass als „Hölle“.
Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben ihre Luftangriffe auf das frontnahe Hinterland der Ukraine konzentriert. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, berichtete von Attacken auf die Ortschaften Bachmut, Berestowe, Kostjantyniwka, Masljakiwka, Pokrowske, Soledar im Gebiet Donezk und die Stadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw.
Dabei seien durch russische Boden-Luft-Raketen unter anderem vier gegnerische Gefechtsstände und sieben Depots vernichtet worden. Russlands Raketenstreitkräfte und Artillerie wiederum hätten 3 Depots und 24 Artillerie- und Raketenwerferstellungen zerstört, sagte Konaschenkow. Daneben haben nach seinen Angaben Heeresflieger und taktische Luftwaffe 280 Soldaten und 59 gepanzerte Militärfahrzeuge liquidiert. Unabhängig konnten diese Angaben nicht überprüft werden.

Russische Truppen haben Kontrolle über Mariupol
Der ukrainische Widerstand im seit knapp drei Monaten umkämpften Mariupol ist nach russischen Angaben gebrochen. Die Fabrik Azovstal, die letzte Basion der ukrainischen Truppen, sei „vollständig befreit“ sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Freitag. Damit habe Russland die volle Kontrolle über die Hafenstadt am Asowschen Meer im Süden der Ukraine. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite lag zunächst nicht vor.
Zuvor hatten die ukrainischen Truppen den Befehl aus Kiew erhalten, die Verteidigung von Mariupol einzustellen. Das Ziel sei, „Leben und Gesundheit der Soldaten der Garnison zu retten“, sagte der Kommandeur des ukrainischen Asow-Regiments, Denys Prokopenko, in einer Videoerklärung, die bei Telegram veröffentlicht wurde.
Die verbliebenen ukrainischen Verteidiger des von russischen Truppen eingeschlossenen Stahlwerks in der Hafenstadt Mariupol haben erstmals öffentlich ihre Kapitulation eingestanden. „Die Armeeführung hat den Befehl gegeben, die Verteidigung der Stadt einzustellen“, sagte der Kommandeur des umstrittenen Nationalgarderegiments „Asow“, Denys Prokopenko, in einer am Freitag veröffentlichten Videobotschaft. Damit sollten Leben und Gesundheit der Soldaten der Garnison geschützt werden. Am Montag hatten sich bereits die ersten 264 Soldaten ergeben, darunter über 50 Schwerverletzte. Nach russischen Angaben sind insgesamt bereits über 1.900 Soldaten in Gefangenschaft gekommen.

Ukraine meldet zwölf Tote bei russischen Angriff auf Sjewjerodonezk
Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben die Städte Lyssytschansk und Sjewjerodonezk im Osten des Landes angegriffen. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Haidai, teilte am Freitag in der Telegram-App mit, in Sjewjerodonezk seien dabei zwölf Menschen getötet worden. Mehr als 60 Häuser in der gesamten Region seien zerstört worden.
Der Gouverneur beschrieb den Angriff auf Sjewjerodonezk als erfolglos: „Die Russen erlitten personelle Verluste und zogen sich zurück.“ Seine Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

London: Russland riskiert weitere Zermürbung seiner Streitkräfte
Nach den Gefechten in Mariupol riskiert Moskau nach Einschätzung britischer Geheimdienste eine weitere Zermürbung seiner Streitkräfte. Der ukrainische Widerstand in der Hafenstadt Mariupol seit Beginn des Krieges habe die russischen Truppen enorm geschwächt, hieß es am Freitagmorgen in einem Lagebericht des britischen Verteidigungsministeriums.
Der Wiederaufbau und die Neuausstattung der Streitkräfte könne sich, wenn man ihn sorgfältig durchführe, länger hinziehen, so die Briten.
Da russische Kommandeure jedoch stark unter Druck stünden, sichtbare Erfolge zu erreichen, sei es wahrscheinlich, dass Moskau seine Truppen ohne angemessene Vorbereitung in seine Offensive in der Donbass-Region schicke. Dies riskiere, die Soldaten weiter zu zermürben. Nach Einschätzung des britischen Militärgeheimdienstes wird Russland seine Operationen in der Donbass-Region verstärken, sobald seine Streitkräfte die Stadt Mariupol gesichert haben. Bis zu 1.700 ukrainische Soldaten hätten sich in dem Stahlwerk Azowstal in Mariupol ergeben, heißt es in dem Bericht des Geheimdienstes.

Moskau kündigt baldige Eroberung des Gebiets Luhansk in Ostukraine an
Die russischen Truppen sind nach Angaben aus Moskau weiter auf dem Vormarsch im ostukrainischen Donbass-Gebiet. „Die Befreiung der Luhansker Volksrepublik nähert sich dem Abschluss“, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu auf einer Sitzung des Ministeriums. Russland hat vor dem Einmarsch in die Ukraine die Separatistengebiete im Osten des Nachbarlandes, „Luhansker Volksrepublik“ und „Donezker Volksrepublik“, als souveräne Staaten anerkannt.

Putin sieht Notwendigkeit zur Reduzierung ausländischer Digitaldienste
Russlands Präsident Wladimir Putin sieht eine Notwendigkeit, sein Land unabhängig von ausländischen Technologien zu machen. Angesichts einer Vielzahl ausländischer Cyberattacken seit Beginn des Ukraine-Einsatzes müsse Russland „die Risiken, die mit der Nutzung ausländischer Programme, Computertechnologie und Telekommunikationsausrüstung verbunden sind, radikal reduzieren“, sagte Putin auf einer Sitzung des russischen Sicherheitsrats am Freitag. Der Weg zum Erreichen dieses Ziels sei „der Übergang zu nationalen Ausrüstungen, Technologien, Programmen und Produkten“.
Die von ihm angeführten Cyberangriffe kämen aus verschiedenen Ländern, seien aber „fein abgestimmt“, sagte Putin. Sie zielten vor allem auf die Websites russischer Medien, Finanzinstitute, öffentlicher Dienste und Regierungsportale ab. Russland sei jedoch „im Großen und Ganzen“ auf die Attacken vorbereitet gewesen, betonte der Kreml-Chef.

Gazprom stoppt kurzfristig Lieferungen nach Finnland
Die Firma Gazprom habe mitgeteilt, dass ab Samstagmorgen kein Gas mehr fließen werde, teilte der staatliche finnische Konzern Gasum am Freitag mit. Grund sei, dass Gasum es abgelehnt habe, Rechnungen wie von Gazprom gefordert künftig in Rubel zu bezahlen. „Es ist äußerst bedauerlich, dass vertraglich vereinbarte Gas-Lieferung nun gestoppt werden“, sagte Gasum-Chef Mika Wiljanen. Man habe sich jedoch sorgfältig auf eine solche Lage vorbereitet und sei in der Lage, alle Kunden in den nächsten Monaten weiter zu beliefern. Gazprom äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. Finnland ist über eine Pipeline auch mit dem Baltikum verbunden und will Gas über Estland beziehen.

Lambrecht kündigt Panzer-Lieferung für Ukraine an
Die Ukraine erhält im Juli die ersten 15 Panzer „Gepard“ aus Beständen der deutschen Industrie. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow am Freitag, wie die Deutsche Presse-Agentur in Berlin erfuhr. Zu dem Paket gehört demnach auch Ausbildungsunterstützung durch die Bundeswehr, die Bereitstellung von knapp 60.000 Schuss Munition sowie eine Lieferung von weiteren 15 Panzern noch im Sommer. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND): „Wir haben den Eindruck, dass der Kanzler nicht liefern will.“ Dabei sei der Bundestagsbeschluss zur Lieferung schwerer Waffen mittlerweile schon drei Wochen her. „Man kann den Eindruck gewinnen, dass man abwartet bis es zu einer Waffenruhe kommt“, mutmaßte Melnyk. „Dann ist der Druck von Deutschland weg und dann brauchen auch keine mutigen Entscheidungen mehr getroffen werden.“

Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ukraine-russland-konflikt-blog-100.html