Anton Bruckner – Sinfonie Nr. 8 c-Moll Fassung 1890

Mit Anton Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll setzte das Staatstheater Darmstadt im 6. Sinfoniekonzert auf ein Werk, das schon in der Ankündigung als „Opus summum“ des Komponisten bezeichnet wird. Die Wahl ist programmatisch kühn: Bruckners Achte ist kein Repertoirestück, das sich nebenbei behauptet, sondern ein abendfüllendes Monument, dessen Architektur, Zeitmaß und metaphysischer Ernst jede Aufführung vor die Frage stellen, ob sie bloß Größe produziert oder tatsächlich Form gewinnt. Das Staatstheater selbst beschreibt die Musik mit dem Bild einer Kathedrale: Man stehe im Inneren, sehe Konstruktion und Nischen, Gewölbe und Licht zugleich. Diese Metapher trifft den Kern des Werkes erstaunlich genau.

Die Aufführung stand unter der Leitung von Marc Albrecht, mit dem Staatsorchester Darmstadt im Großen Haus; für Darmstadt besitzt diese Rückkehr besonderes Gewicht: Albrecht war von 1995 bis 2001 Generalmusikdirektor am Staatstheater Darmstadt; seine eigene Biografie nennt die Berufung 1995 als eine der frühen prägenden Stationen seiner Laufbahn. Dass gerade er nun Bruckners Achte dirigiert, wirkt deshalb nicht wie ein beliebiger Gastauftritt, sondern wie eine Rückbindung an ein Haus, von dem aus seine internationale Karriere wesentlich Fahrt aufnahm.

Bruckners Achte verlangt von einem Dirigenten weniger demonstrative Kontrolle als ein Gespür für lange Spannungsbögen. Das Werk existiert in zwei großen Fassungen, 1887 und 1890; die zweite Fassung wurde von Leopold Nowak 1955 herausgegeben und ist in der Bruckner-Gesamtausgabe mit einer ungefähren Dauer von 86 Minuten sowie großem spätromantischem Apparat ausgewiesen: dreifache Holzbläser, acht Hörner, davon Wagner-Tuben (Ring-Orchester), Blech, Pauken, Becken, Triangel, Harfen und Streicher. Damit ist schon die äußere Anlage eine Herausforderung: Der Klang darf nicht bloß massiv werden, sondern muss Durchhörbarkeit behalten. Und genau diese 1890er Fassung war heute Abend zu erleben.

Es war massiv, das war wirklich harte Arbeit für die Streicher und Bläser. Und für die beiden Künster an der Triangel und am Becken – starke Leistung für den richtigen Einsatz und die Geduld – für lediglich 2 Schläge in 90 Minuten!