
Einmal gelang es , wenn auch nur für kurze Zeit. Als ich in Viareggio war; zwar brachen die Ängste dort los, mehr als vorher und überwältigten mich. Und das Meer, das nie schwieg, war zu viel für mich und verschüttete mich mit dem Lärm seiner Frühlingswellen. Aber es kam doch. Gebete sind dort entstanden, Lou, ein Buch Gebete. Dir muß ich es sagen, weil in Deinen Händen meine ersten Gebete ruhen, an die ich sooft gedacht, und an denen ich mich sooft aus der Ferne gehalten habe. Weil sie so großen Klanges sind und weil sie so ruhig sind bei Dir (und weil niemand außer Dir und mir von ihnen weiß..), darum konnte ich mich halten an ihnen. Und einmal möchte ich kommen dürfen und die Gebete, [die anderen,] die seither enstanden sind, zu den anderen legen, zu Dir, in Deine Hände, in Dein stilles Haus.
Denn sieh ich bin ein Fremder und ein Armer. Und ich werde vorübergehen; aber in Deinen Händen soll alles sein was einmal hätte meine Heimat werden können, wenn ich stärker gewesen wäre.
Rainer Maria Rilke an Lou Andreas-Salomè, Juli 1903, Worpswede bei Bremen