
Die Tage werden kühler, über den Feldern liegt ein matter Hauch.
Die Stoppeln der Ernte ragen wie müde Finger in den bleigrauen Himmel,
und Nebel senkt sich schwer auf Wege, die oft keiner mehr geht.
Der Herbst beginnt.
Am Waldrand knistern die Blätter,
als flüsterten sie von Dingen, die längst vergangen sind.
Ich fürchte diese Zeit, denn sie trägt unzählige Geschichten,
die ich nicht vergessen kann –
die ich nicht vergessen will.
Verluste, die im Rascheln der Äste wohnen,
Erinnerungen, die mit dem Wind heimkehren.
So vieles ist immer gerade im Herbst geschehen.
Der Fluss zieht langsam, trägt funkelnde Lichtpunkte davon,
Der See spiegelt ein Gesicht, das ich kaum noch kenne.
Die Farben – rostrot, ocker, golden – täuschen Wärme vor,
doch die Kühle liegt jetzt wieder unter allem.
Sie kriecht durch die Wiesen, zieht zwischen die Höfe,
und auch mein Herz findet keinen Schutz vor ihr.
Es beginnt wieder eine traurige Zeit.
Die Krähen sammeln sich auf kahlen Ästen,
ihr Ruf zerreißt die Stille, doch bringt keine Antwort.
Ich fahre durch die Felder, wo jeder Stein klingt,
als zerbräche wieder etwas schon Vergessenes.
Und wenn die Nacht hereinbricht,
leuchten die Fenster der Häuser in der Ferne,
kleine Inseln in der nebeligen Nacht.
Halte mich nun umsomehr an Musik fest.
Melancholie hängt schwer in der Luft, ich atme sie ein,
als wäre sie mein Schicksal.
Nein, nein – es gibt kein Schicksal!
Vielleicht enttäuscht mich der Herbst jedes Jahr aufs Neue,
und doch erwarte ich ihn, als wäre er ein alter Bekannter,
den man nicht liebt, aber dem man nicht entkommt.
Die Kühle des kommenden Herbstes, sein endloses Atmen, sein Fordern,
das mir zuflüstert:
Alles fällt.
Alles geht.
Nichts bleibt so wie es ist …
thunor