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Die Rauhnächte enden traditionell in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar, dem Dreikönigstag, wenn die letzte der zwölf Nächte abgeschlossen ist.

Wenn zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag die Zeit stillzustehen scheint, beginnt die geheimnisvolle Phase der Rauhnächte. Alte Bräuche, wilde Mythen und schützende Rituale erzählen von einer besonderen Schwelle zwischen den Jahren – einer Zeit zum Innehalten, Reinigen und bewussten Neuanfang.

Schon seit alters her kennen die Menschen eine Zeit, die offenbar nicht von dieser Welt ist. In den zwölf Tagen und Nächten zwischen Weihnachten und dem Tag der Heiligen drei Könige am 6. Januar, lebte man einst in einer Art Zeit der Stille und Zurückgezogenheit. Die Menschen blieben in ihren Stuben, gerade dann, wenn es draußen stürmte, schneite und in den Nächten fror und spukte. In dieser Zeit galten überall andere Regeln als im übrigen Jahr.

Man sagte, dass nun draußen die „Wilde Jagd“ der verlorenen Seelen begann, welche zusammen mit Frau Holle und den Perchten, besonders in den Nächten durch Land und Dörfer tobte. Man glaubte, dass das Geisterreich offensteht und die Seelen der Verstorbenen sowie die Werwölfe und Dämonen Ausgang haben. Dabei zählte man die Nächte meist von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen. Die Perchten und Spukgestalten waren also nicht nur in der Geisterstunde unterwegs.

Eine goldene Regel in den zwölf Tagen war, es durfte keine weiße Wäsche gewaschen oder gar zum Trocknen aufgehangen werden. Es wurde geglaubt, dass sich in der aufgehängten Wäsche, die dahinfliegenden Geister verfangen könnten. Zur Strafe würden dann die Spukgestalten ein weißes Bettlaken stehlen, um es dann im Laufe des Jahres wieder als Leichentuch für einen Bewohner zurückzubringen. Man durfte auch nicht schon in der Frühe pfeifen, denn sonst beschwöre man damit Unglück herauf. Weiterhin sollte man auch nicht die Türen laut zuschlagen, denn sonst gibt es ein böses Gewitter oder ein langer Schneesturm zieht über die Lande. Man durfte in dieser Zeit nicht Arbeiten. Tat man es doch, dann konnte man damit in den kommenden zwölf Monaten großes Unglück über Heim und Hof bringen. Doch der böse Zauber konnte auch gebrochen oder abgemildert werden. Guten Schutz brachte zum Beispiel das Räuchern.

Das Räuchern (Ausräuchern) gehört traditionell schon immer zu den wichtigsten Ritualen der Rauhnächte. Dabei geht es vor allem um Reinigungs- und Schutzräucherungen, die von den schlechten Einflüssen der „Wilden Jagd“ befreien. Das Ausrächern von Haus und Stall erfolgte meist mit Zweigen aus Kräuterbündeln, wie zum Beispiel Wacholder, Salbei, Zeder, Beifuß aber auch Weihrauch und Harz der Kiefer. Meist hat man dabei die Räucherzutaten in ein irdenes Gefäß oder eine Pfanne gelegt, entzündet und wieder ausgeblasen. Zeitgleich galt das Räuchern stets als Segens- und Fruchtbarkeitswunsch. Und wie ist es in der Gegenwart? Das Räuchern schafft uns auch heute noch eine besondere Atmosphäre. Das Räuchern kann uns sogar in Zeiten der Trauer gewissen Trost spenden. Zünden Sie sich dazu einfach am Abend und bei Kerzenschein eine Räucherkerze oder ein Räucherstäbchen an. Nach einer kurzen Zeit der Stille und der inneren Einkehr, übergeben Sie ihre Gedanken einfach dem Rauch. Sie können dann förmlich zusehen, wie nun alles mit dem Rauch in eine unbekannte Welt davonzieht.

Ein weiteres beliebtes Rauhnächte-Ritual ist es zunächst, 13 Wünsche zu formulieren und diese Wünsche auf kleine Zettel zu schreiben. Die Zettel werden gefaltet und gemischt. In jeder Rauhnacht wird einer davon ungeöffnet ausgewählt und verbrannt. 12 Wünsche erfüllt das Universum, so glaubt man. Der 13. Wunsch jedoch, wird am letzten Tag geöffnet und darf im Laufe des Jahres selbst realisiert werden.

Viele Menschen nutzen heute die Zeit der Rauhnächte, um Ruhe und Kraft für das nächste Jahr zu tanken und sich die Zeit zu nehmen, das Alte innerlich abzuschließen und sich auf das Kommende bewusst vorzubereiten.

Text: Reiner Graff / Numiscontrol
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