Er fühlt sich nicht wirklich neu an. Draußen liegt ein grauer Schleier über allem, die Kälte kriecht leise durch die Straßen, und die Sonne bleibt verborgen, als hätte sie sich entschieden, diesen Tag auszulassen. Man trifft kaum jemanden unterwegs.

Doch im Kopf ist es laut. Zu viele Gedanken, zu viele Dinge, die man gern anders machen würde. Man denkt an Vorsätze, an Veränderungen, an ein besseres Ich. Und gleichzeitig weiß man, dass es nicht anders wird. Die Tage werden wieder vergehen, einer wie der andere, und vieles bleibt genauso, wie es immer war.

Neujahrsvorsätze tauchen auf wie flüchtige Hoffnungsschimmer – und verlöschen fast im selben Moment. Ich kenne das Spiel seit so vielen Jahren – große Worte am Anfang, leise Resignation am Ende. Der Kalender wechselt, doch der Mensch bleibt derselbe. Mit denselben Sehnsüchten, denselben Zweifeln, denselben Hoffnungen, denselben Ängsten, denselben stillen Kämpfen …

Der erste Tag des Jahres trägt diese Wahrheit in sich. Er ist still, unspektakulär (und ehrlich). Kein Feuerwerk mehr, kein Lärm, nur das leise Echo dessen, was war, und die vage Ahnung dessen, dass es wieder genauso kommen wird. Vielleicht ist das genau meine Melancholie: zu wissen, dass Zeit vergeht, ohne wirklich etwas zu ändern.

Und während draußen das Grau nicht weichen will, sitzt man da, mit all den Gedanken, die keinen Platz finden, und hofft heimlich – fast beschämt –, dass sich vielleicht doch etwas ändert. Nicht heute. Nicht morgen. Aber irgendwann. Später.

thunor