11Okt/07

Spiders Web

So sah es heute morgen in unserem Garten aus – dieses wunderschöne Spinnennetz – wie Perlen aufgefädelt im Sonnenlicht glänzend. Perlen aus herbstlichem Morgentau – Tränen des Sommers…
…’cause the line between wrong and right
Is the width of a thread from a spider’s web
The piano keys are black and white
But they sound like a million colours in your mind
spider’s web, Katie Melua

08Okt/07

Morgennebel

Und heute war wieder so ein Morgen, so ein Morgen wo der Nebel tief im Tal hängt. Und wenn man auf den Berg hinauf kommt, funkeln die Sterne. Langsam quält sich sie Sonne empor, verwandelt die Welt in orangefarbenes Licht. Die Felder glänzen golden, in jedem Tautropfen bricht sich das Licht. Steige Sonne, steige – wärm‘ mir das Gesicht…

07Okt/07

es riecht nach Herbst


…Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft, es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt …, na…, na…, und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: Die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen, nun geht es in einen klaren Herbst…
Kurt Tucholsky, Die fünfte Jahreszeit

04Okt/07

Herbstmücken


Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht,
im Licht sind wirklich schwarze Töne,
tiefes Altgold liegt unter den Buchen,
Pflaumenblau auf den Höhen …
kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still…
Kurt Tucholsky, Die fünfte Jahreszeit

03Okt/07

Nebeltag

Herbst und Hermann Hesse, wie Eins das doch ist. Natürlich denken die meisten bei Herbst und Nebel an den Klassiker «Im Nebel» (Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein…).

Ein anderes, genauso tiefgründiges, melancholisches Gedicht ist «Welkes Blatt»
Jede Blüte will zur Frucht
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüre.
Halte, Blatt, gedultig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
Es passt zu der Stimmung an diesem Nebeltag. Der Wald glänzt naß und weicher Nebel kriecht zwischen den Bäumen, über die Wiesen und hüllt sie in ein gespenstisches Licht. Es gibt so unzählige Motive, man könnte einfach nur stehen und die tausend Eindrücke festhalten.

02Okt/07

Schlaflos

Und wieder finde ich nicht in den Schlaf. Den ich schon hatte, weil ich ihn brauchte. Weil die Gedanken schon wieder kreisen und das Drängen zu mächtig wird, die Ideen gleich wieder umzusetzen. Die Bilder, die im Kopf entstehen sind schneller als die Texte dazu. Sie müssen raus, müssen Realität werden, sonst sind sie vergessen oder arbeiten weiter, tiefer und länger im Kopf.
Kann man Bilder so einfach übersetzen, so einfach in Buchstaben fassen? Kann man Gedanken, Gefühle in Worte verwandeln ohne etwas von ihrem Gehalt zu verlieren? Reden, warum muss man dann noch reden, wenn ein Bild doch alles sagen kann. Reden, endlich geredet – es ist an der Zeit, die Bilder zu ändern.

01Okt/07

wir wünschen dir Zeit …

Oktober, nun ist schon Oktober und das Jahr schon wieder im letzten Quartal. «…wie doch die Zeit vergeht» – diese Phrase, wer kennt sie nicht. Und doch – ist es nicht so? Als wir Kinder waren, waren die Tage unendlich lang – und jetzt? Wie schnell ist doch so ein Tag vorbei, vielleicht auch unnütz vergangen? An meiner Pinnwand hängt ein Gutschein meiner Familie «Wir wünschen Dir Zeit». Schon seit fast zwei Jahren (zum 40. Geburtstag), fast unberührt – und allein mir fehlt die Zeit, ihn einzulösen.
Da habe ich nun endlich ein paar Tage frei und KÖNNTE so vieles tun, könnte meine lange «to-do-Liste» endlich abarbeiten – doch ich setze mich auf die Bank, schließe die Augen, lasse mir mein Gesicht von der Sonne wärmen und denke, träume, höre sehr viel Musik.
Zeit – ja, ich wünsche mir so viel Zeit.

30Sep/07

Kastanien

Mit den Kastanien kommt der Herbst. Auch ich gehöre zu denjenigen, die sich Kastanien in die Jackentasche stecken. Wenn sie gerade gefallen sind, ihre dicke schützende Hülle aufgeplatzt ist und sie noch feucht und glatt sind – dann haben sie etwas Frisches, Kühles, Unversehrtes, ja fast Unschuldiges an sich. Wenn man sie ständig in die Hand nimmt bleibt der herbstliche Glanz eine ganze Weile erhalten. Doch irgendwann lässt er auch nach und sie werden trocken und hart. So ist es mit manchen Dingen im Leben, wenn man sie vernachlässigt, wenn man sich nicht genug um sie kümmert…
Herbstregen hat im grauen Wald gewühlt,
Im Morgenwind aufschauert kalt das Tal,
Hart fallen Früchte vom Kastanienbaum
Und bersten auf und lachen feucht und braun.
Hermann Hesse

29Sep/07

Der letzte Kuss

Seit Tagen nur noch dieses Musik im Kopf, immer und immer wieder tue ich sie mir an….
Irgendwann kommt für jeden der Tag
An dem man für alles bezahlt, dann stehn‘ wir da
Denken, wie schön es mal war
Bereuen unsere Fehler, hätten gern alles anders gemacht
Hätten all unsere Boshaftigkeiten niemals getan

Wir leben versteckt, wischen all unsere Spuren weg
Vor den anderen und vor uns selbst
Damit kein Mensch jemals sieht, wer wir in Wahrheit sind…

Wo ist der Ort für den ehrlichsten Kuss
Ich weiss, dass ich ihn für uns finden muss
Auf ’ner Strasse im Regen, auf ’nem Berg nah beim Mond
Oder kann man ihn nur vom Totenbett holen
Wo ist der Ort für einen ehrlichen Kuss
Den einzigen, den ich Dir noch geben muss…

All denen, die uns am nächsten steh’n, tun wir am liebsten weh
Und die Frage warum das so ist, bleibt unser Leben lang steh’n

Wann ist die Zeit für einen ehrlichen Kuss
Der all unsere Lügen auslöschen muss
Gib‘ mir die Zeit für einen ehrlichen Kuss
So wollen wir uns küssen, wenigstens am Schluss
Es wird ein Kuss sein, der alles verzeiht
Der alles vergibt und uns beide befreit
Du musst ihn mir schenken – ich bin zwar ein Dieb
Doch gestohlen ist er wertlos, und dann brauch ich ihn nicht.
DTH

27Sep/07

Regen

Regen – heute hat es fast nur geregnet – bis auf den Morgen. Es war einer von diesen Morgen, dieser Kontraste, wo der Nebel über dem Tal liegt und über den Wolken die Sterne am Himmel leuchten.

Venus erstrahlt momentan in ihrem höchsten Glanz und Orion legt sich links auf die Seite, wenn ich zum Böllstein hinauf fahre. Nicht selten hielt ich sonst an und genoß diesen Blick, diesen Augenblick, wenn die Sonne sich über dem Horizont herauf kämpfte. Regen – den ganzen Tag trommelt es an die Fensterscheibe und lenkt mich ab von meiner Arbeit – wie so vieles in den letzten Tagen.

Der Regen passt perfekt zur Musik (die ich mir immer wieder antue), das Fenster weit öffnend – wie gut tut frische Luft, doch wie weh tut Regen im Gesicht – EMBRACE – warum ist Regen so salzig? Oder sind es die Tränen, Tränen der letzten Tage, die der Regen nun wegspült? Da sind tausende Fragen – aber nur eine einzige Antwort. Ich liebe Dich!