10Feb/08

Dublin pt.2

Die O’Connell Street ist die Hauptachse Dublins. Glaubt man den Reiseführern, ist Sie eine von Europas breitesten Straßen. Übrigens hieß sie bis in die frühen zwanziger Jahre Sackville Street, für die Dubliner heute eigentlich nur „The Mall“. Auf dem Mittelstreifen steht seit 2003 das beeindruckende Monument und Wahrzeichen von Dublin – The Spire – die zirka 120 Meter hohe Stahlnadel ist nachts durch tausende Leuchtdioden beleuchtet, 126 Tonnen schwer und besteht aus acht Teilen, die durch 204 Bolzen und insgesamt zwei Kilometer Schweißnähte zusammengehalten werden. Zumindest ist sie eine gute Orientierung in der Stadt.
Die O’Connell Bridge ist ein seltenes Exemplar ihrer Gattung! Vergleicht man die Entfernung zwischen den Ufern des Liffey und die Entfernung zwischen den Brückengeländern, merkt man – die Brücke ist wesentlich breiter, als sie lang ist! Das fällt in der Rush Hour aber nicht weiter auf, dann könnte die Brücke noch dreimal so breit sein und wäre trotzdem verstopft.

09Feb/08

Happy Birthday

Mein ganz persönliches Geburtstagsgeschenk. ATHLETE live in einem kleinen Club im Dubliner Viertel Temple Bar, unfassbar, wir haben es geschafft und stehen vor der Bühne – gegen 9:15pm ist es endlich dann soweit – ATHLETE betritt die kleine Bühne. Der ganze Raum fängt an zu beben – «Tokyo» ist der Opener. Indierock vom Allerfeinsten und ich kann es immer noch nicht richtig glauben, ich bin hier. Vielleicht 300 Leute singen «Half Light» auch ganz alleine – «Westside», «Tourist», «Best Not To Think About It» – irgendwie finden sich die passenden Bilder im Kopf wieder, die Bässe hämmern, schlagen gegen den Körper und treiben das Herz an. Und da sind sie dann, die Songs, die weh tun – «Yesterday Threw Everything» und «Wires». Und bei «The Outsider» wird es dunkel auf der Bühne. Joel Pott spielt im winzigen Spot und die einzelnen Klänge peitschen sich unter die Haut, bohren sich in den Kopf, vibrieren und die eigene Stimme mischt sich unter den Chor ein. Und dann endlich «24 Hours», man kann auch mit zugeschnürter Kehle singen: Closing in, We’ve still got twenty four hours – it’s not over… Nein, obwohl es das letzte Stück für den Abend sein sollte und Pott und Willets beim fulminanten Ende des Stückes ihre Gitarren fast zerreiben – es geht weiter. Es ist anders als hier – die Band geht gar nicht erst von der Bühne, sie müssen sich nicht feiern lassen. Jeder Song ist eine Feier an sich. Und so werden sie getragen – von all den Stimmen bei «Second Hand Store» und «Shake Those Windows». Wie sagte Joel treffend: Mein Gott, an einem Samstag in Dublin…. Wie lange hab ich darauf gewartet – all die Bilder, Szenen, Gefühle des letzten Jahres – da ist es und es geht tief, sehr tief – «Flying over bus stops» – und wir fliegen mit. Das war ein Erlebnis, das waren 2 ½ Stunden Gefühle, Gedanken, Träume, Bilder – das waren 2 ½ Stunden Realität.

08Feb/08

Dublin pt.1

Ein Wahrzeichen und die berühmteste Brücke Dublins ist sicherlich die Ha’Penny Bridge. Mitten in der City verbindet die Brücke Temple Bar (Südseite) und die Einkaufsstraßen rund um die Henry Street auf der Nordseite der Liffey.
In Dublin heißt es, auf der Half Penny Bridge trifft man fast immer einen Bekannten – eben weil sie so zentral und nahe der Einkaufsgelegenheiten liegt. Gebaut wurde die Brücke über die Liffey um 1816 und zunächst trug sie den Namen des 1st Duke of Wellington, Arthur Wellesley. Wollte man die Brücke überqueren musste man eine „Maut“ von einem halben Penny bezahlen.

04Feb/08

Rosenmontag

Im Karneval zeigen die Masken endlich ihre wahren Gesichter…

In allem brauchen wir Masken. Doch wie viele Masken trägt unser Gesicht? Was ist eigentlich das Faszinierende an einer Maske? Was macht dieses Gefühl aus? Diese Gedanken, das Gefühl, als ich dieses Foto machte – schwer zu beschreiben. Geheimnisvoll, schaudernd, magisch – warum? Maskerade, diese ewige selbst verneinende und selbst zerstörerische Maskerade zerbricht in dem Moment, in dem uns jemand durchschaut und erkennt. Ist es das, was wir fürchten?
Und weil wir es fürchten, tragen wir sie. In allem brauchen wir Masken. Einmal getragen, so sind wir in diesem Kreislauf gefangen.

03Feb/08

Heine im Kopf

Seltsam, immer wenn wir hier oben laufen, habe ich den Heine im Kopf.
«Im traurigen Monat November wars, die Tage wurden trüber, der Wind riß von den Bäumen das Laub,
da reist ich nach Deutschland hinüber…»
Weißt Du noch, wie wir uns an den Wind gelehnt haben – wie die Blätter im Wind tanzten?
«Und als ich an die Grenze kam, da fühlt ich ein stärkeres Klopfen in meiner Brust,
ich glaube sogar die Augen begunnen zu tropfen. »
Weißt Du noch, wie wir tropfnass am Auto ankamen – und wie unsere Wangen glühten?
«Und viele Bücher trag ich im Kopf! Ich darf es Euch versichern, mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest … »

Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest – meiner auch, Heinrich !

02Feb/08

Der Winter ist zurück – oder erst da. Seit letzter Nacht hat es geschneit.
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müßt noch harren, ihr armen Söhne der Erde, manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling Euch;
nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir!
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.
Johann Gottfried von Herder

31Jan/08

Sand


Ich verrinne, ich verrinne,
wie Sand, der durch die Finger rinnt.
Ich habe auf einmal so viel Sinne
die alle anders durstig sind.
Ich fühle mich an hundert Stellen
schwellen und schmerzen.
Aber am meisten, mitten im Herzen.
Rainer Maria Rilke

29Jan/08

Verschnitten


Wie haben sie dich, Baum, verschnitten, Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten, bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen, gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen, hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen, ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich verliebt in die verrückte Welt.
Hermann Hesse

28Jan/08

Gebt mir mehr Himmel

Schneebedecktes Land, täuschend weiße Wohligkeit.
Fallen lassen in diese Unendlichkeit, die keine ist. Nichts ist unendlich – auch nicht der Himmel.
Doch hier oben scheint immer die Sonne, blendet und wärmt mir das Gesicht.
In wenigen Minuten ist es wieder grau, ein kalter Regentag erwartet mich.
Noch einmal Augen schließen, für einen kurzen Moment noch genießen – und träumen –
gebt mir mehr Himmel:

Für mich gibt’s keine Uhr, es ist ewig schon zu spät
Steh ich mittendrin und seh ich deshalb gar nichts mehr, geht’s mir viel zu gut und fühl ich deshalb mich so leer
Denn selbst der Himmel war nur geklaut, all seine Farben zu schnell verbraucht
ich hab mich niemals fortbewegt und doch flog ich am Ziel vorbei
Mehr Himmel, gebt mir mehr Himmel…

27Jan/08

Träume


Träume, die in deinen Tiefen wallen, aus dem Dunkel lass sie alle los.
Wie Fontänen sind sie, und sie fallen lichter und in Liederintervallen
ihren Schalen wieder in den Schoß.

Und ich weiß jetzt: wie die Kinder werde.
Alle Angst ist nur ein Anbeginn;
aber ohne Ende ist die Erde und das Bangen ist nur die Gebärde,
und die Sehnsucht ist ihr Sinn.
Rainer Maria Rilke