17Mrz/08

Nacht


Was sucht ihr, mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag‘ ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuss
Auf mich herab in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
Und ein Gebet war brünstiger Genuss;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt‘ ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,
Der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun mit kindlichem Gefühle
Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!
Goethe, Faust I, Nacht

16Mrz/08

Birke


Eines Dichters Traumgerank mag sich feiner nicht verzweigen,
leichter nicht dem Winde neigen, edler nicht ins Blaue steigen.
Zärtlich, jung und überschlank lässest du die lichten,
langen Zweige mit verhaltnem Bangen jedem Hauche regbar hangen.
Also wiegend leis und schwank willst du mir mit deinen feinen Schauern
einer zärtlich reinen Jugendliebe Gleichnis scheinen.
Hermann Hesse, Die Birke

16Mrz/08

Faustus

Wie vor genau einem Jahr setze ich mich zur Zeit wieder sehr intensiv mit Goethes Faust (Teil I & II) auseinander.

Passend zu diesem kleinem Projekt folgt nun in der kommenden Woche jeden Tag ein [mich bewegendes] Wort aus dem «FAUST».

15Mrz/08

Frühling


In dämmrigen Grüften träumte ich lang von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelsang.
Nun liegst du erschlossen in Gleiß und Zier, von Licht übergossen wie ein Wunder vor mir.
Du kennest mich wieder, du lockest mich zart,
es zittert durch all meine Glieder,
deine selige Gegenwart!
Hermann Hesse

14Mrz/08

zu viel zum Aufschreiben

NEIN,
zu viel zum Aufschreiben,
zu viele Gedanken, so dass der Kopf fast platzt.

Und dann noch diese Musik –
wie die Streicher an der Seele ziehen, reißen –
wie der Hammer des Flügels am Herz anschlägt, durchbricht
wie es schmerzt, dieser Schlag – dieser ohnmächtige Flügelschlag,
die Augen aufschlagend [eyes wide open],
diese unendliche Tiefe, von der Iris umgeben, dieses Schwarz.

Und dann noch diese Gedanken –
wie die Bilder an der Seele ziehen, reißen –
wie die Szenen das Herz aufreißen, durchbrechen
wie es schmerzt, dieser Gedanke – dieses ohnmächtige Verlangen,
die Augen aufschlagend [eyes wide open],
diese unendliche Tiefe, von der Iris umgeben, dieses Schwarz.

Und dann noch dieses Gefühl –
wie die Empfindungen an der Seele ziehen, reißen –
wie das Herz aufgeht, durchbrochen wird
wie es schmerzt, dieses Gefühl – diese ohnmächtige Ergebenheit,
die Augen aufschlagend [eyes wide open],
diese unendliche Tiefe, von der Iris umgeben, dieses Schwarz.

11Mrz/08

Ripples

Engel wissen nie, wann die Zeit gekommen ist das Buch zu schließen und sich mit Anmut zurückzuziehen, dieses Lied ist zur Legende geworden.
Oh Mann, was für ein misstrauischer Tümpel sie nur ist.

Das Gesicht im Wasser blickt auf und sie schüttelt den Kopf,
als ob sie sagen wollte: Die Bluegirls sind alle fortgegangen.
Treib fort, fort, kleine Wellen kehren nie zurück, sie zogen zur anderen Seite.
Sieh‘ in den See, tauche hinunter auf den Grund und komm an die Oberfläche,
halt Ausschau, wohin sie gezogen sind, sie zogen zur anderen Seite.

Genesis, The Ripples

10Mrz/08

Wolken


Sieh diese Wolkenlandschaft mit ihren Himmelsstreifen! Beim ersten Blick möchte man meinen,
die Tiefe sei dort, wo es am dunkelsten ist, aber gleich nimmt man wahr, dass dieses Dunkle
und Weiche nur die Wolken sind und dass der Weltraum mit seiner Tiefe erst an den Rändern
und Fjorden dieser Wolkengebirge beginnt und ins Unendliche sinkt, darin die Sterne stehen,
feierlich und für uns Menschen höchste Sinnbilder der Klarheit und Ordnung.
Nicht dort ist die Tiefe der Welt und ihrer Geheimnisse, wo die Wolken und die Schwärze sind,
die Tiefe ist im Klaren und Heiteren.
Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel

09Mrz/08

Unter Misteln

Zwischen kahlen Zweigen –
unter Misteln…
Weiße Druiden schneiden mit goldenen Sicheln –
Gebt acht! – dass sie den Boden nicht berühren.
Die mussten von den Göttern gesandt sein…
Träume vom Tod, Baldur – noch träume –
Gott der Sonne, des reinen Lichtes, des Frühlings, des Guten und der Gerechtigkeit.
Füge dich der blinden Hand Hödurs, den Mistelzweig schwingend und stürze.
falle –
unter Misteln…

07Mrz/08

Three Wishes


Reached back for the bottle and rubbed against the lamp
Genie came out smiling like some Eastern tramp
He said „Hey boy what’s happening, what is going on
You can have three wishes if you don’t take too long…
Es liegt etwas in der Luft und du weißt nicht, was es ist
Du siehst jemanden durchs Fenster den du gerade verpasst hast
Und der Weg würde zum Glück führen aber du hast gerade deinen letzten Wunsch verbraucht
deinen letzten Wunsch
Und du möchtest, dass sie nach Hause kommt…

04Mrz/08

Lieben


Jede Bewegung unserer Seele, in der sie sich selber empfindet und ihr Leben spürt, ist Liebe.
Glücklich ist also der, der viel zu lieben vermag.
Lieben aber und Begehren ist nicht ganz dasselbe. Liebe ist weise gewordene Begierde.
Hermann Hesse