Rings ein Verstummen, ein Entfärben – wie sanft den Wald die Lüfte streicheln, sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln; ich liebe dieses milde Sterben. Von hinnen geht die stille Reise, die Zeit der Liebe ist verklungen, die Vögel haben ausgesungen – und dürre Blätter sinken leise. Die Vögel zogen nach dem Süden, Aus dem Verfall des Laubes tauchen Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen, Die Blätter fallen stets, die müden. In dieses Waldes leisem Rauschen… weiterlesen

Durch fahlbelaubte Bäume mit müdem Ton der Herbstwind singt; die sehnsuchtsbange Weise klingt des Nachts in meine Träume. Ach, alle Blumendüfte, das Farbenspiel der Rosenzeit, die ganze Sonnenseligkeit zerstoben in die Lüfte! Verstummt ist Scherz und Kosen. Die mir geblüht in tiefster Brust, das alte Leid, die alte Lust sie starben mit den Rosen! Nun will kein Stern mehr scheinen. Der Himmel trüb und wolkenschwer, das Haupt so müd’ das Auge leer … Ich hab… weiterlesen

Wie einer, der auf fremden Meeren fuhr, so bin ich bei den ewig Einheimischen; die vollen Tage stehn auf ihren Tischen, mir aber ist die Ferne voll Figur. In mein Gesicht reicht eine Welt herein, die vielleicht unbewohnt ist wie ein Mond, sie aber lassen kein Gefühl allein, und alle ihre Worte sind bewohnt. Die Dinge, die ich weither mit mir nahm, sehn selten aus, gehalten an das Ihre –: in ihrer großen Heimat sind… weiterlesen

Ich verstehe nicht, weshalb man soviel Wesens um die Technik des Komödienschreibens macht. Man braucht doch nur die Feder in ein Whisky-Glas zu tauchen. Oscar Wilde

Haben uns lang ignoriert und kaum noch akzeptiert In dieser Zeit die für uns beide schwierig war Warst so Gewalt, und ich so voller Hass Wir kamen jahrelang überhaupt nicht klar Ich wollte nie so sein wie du und wie du denkst Heut merke ich immer wieder wie ähnlich ich dir bin Zum Glück war’s damals nicht zu spät Wir haben uns verziehen, der Wind hat sich gelegt Das ist alles so lange her, so… weiterlesen

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln sind diese Blätter, trocken, stumpf und rau, hinter den Blütendolden,die ein Blau nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln. Sie spiegeln es verweint und ungenau, als wollten sie es wiederum verlieren, und wie in alten blauen Briefpapieren ist Gelb in ihnen, Violett und Grau. Verwaschnes wie an einer Kinderschürze, Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht: wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze. Doch plötzlich scheint das Blau sich… weiterlesen

O, wie im Glanz der Morgensonne Die Welt verlockend vor mir lag! O, wieviel Kränze, wieviel Wonne Verhieß mir dieser junge Tag! – Nun hab’ ich bis zum Grund getrunken Den Becher, den die Hoffnung bot; Schon ist die Sonne still versunken, Und leis verglomm das Abendrot. Und ach! ich habe nichts gefunden Als eines Herbsttags kalte Pracht; Nur wenig sonnenlichte Stunden – Und eine endlos lange Nacht. Ernst Scherenberg

Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fliessen. Eduard Mörike

Die Bäume stehn der Frucht entladen, Und gelbes Laub verweht ins Tal; Das Stoppelfeld in Schimmerfaden Erglänzt am niedern Mittagsstrahl. Es kreist der Vögel Schwarm und ziehet, Das Vieh verlangt zum Stall und fliehet Die magern Aun, vom Reife fahl. O geh am sanften Scheidetage Des Jahrs zu guter Letzt hinaus Und nenn ihn Sommertag und trage Den letzten, schwer gefundnen Strauß. Bald steigt Gewölk und schwarz dahinter Der Sturm und sein Genoß, der Winter,… weiterlesen

Vom Taue glänzt der Rasen, beweglicher Eilt schon die schwache Quelle; die Birke neigt Ihr schwankes Haupt, und im Geblätter Rauscht es und schimmert; und um die grauen Gewölke streifen rötliche Flammen dort, Verkündende, sie wallen geräuschlos auf Wie Fluten am Gestade, wogen Höher und höher, die wandelbaren. Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell, Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort! Denn offner fliegt, vertrauter, dir mein Auge, du Freudiger,… weiterlesen