Neuer Frühling ist gekommen, Neues Laub und Sonnenschein, Jedes Ohr hat ihn vernommen, Jedes Auge saugt ihn ein. Und das ist ein Blühn und Sprießen, Waldesduften, Quellenfließen, Und die Brust wird wieder weit, Frühling, Frühling, goldne Zeit! Von dem Felsen in die Weite Fliege hin, mein Frühlingssang, Ueber Ströme und Gebreite, Durch Gebirg und Blüthenhang! Darf nicht wandern, muß ja bleiben Ob’s mich ziehn auch will und treiben, Doch so weit mein Himmel blau’t Singen,… weiterlesen

Grüner Schimmer spielet wieder Drüben über Wies’ und Feld. Frohe Hoffnung senkt sich nieder Auf die stumme trübe Welt. Ja, nach langen Winterleiden Kehrt der Frühling uns zurück, Will die Welt in Freude kleiden, Will uns bringen neues Glück. Seht, ein Schmetterling als Bote Zieht einher in Frühlingstracht, Meldet uns, dass alles Tote Nun zum Leben auferwacht. Nur die Veilchen schüchtern wagen Aufzuschau’n zum Sonnenschein; Ist es doch, als ob sie fragen: »Sollt’ es denn… weiterlesen

Wenn der Frühling auf die Berge steigt Und im Sonnenstrahl der Schnee zerfließt, Wenn das erste Grün am Baum sich zeigt Und im Gras das erste Blümlein sprießt – Wenn vorbei im Tal Nun mit einem Mal Alle Regenzeit und Winterqual, Schallt es von den Höhn Bis zum Tale weit: O, wie wunderschön Ist die Frühlingszeit! Friedrich von Bodenstedt

Ich sah den Wald im Sonnenglanz, Vom Abendrot beleuchtet, Belebt von düstrer Nebel Tanz, Vom Morgentau befeuchtet: Stets blieb er ernst, stets blieb er schön, Und stets mußt’ ich ihn lieben. Die Freud’ an ihm bleibt mir besteh’n, Die andern all zerstieben. Ich sah den Wald im Sturmgebraus, Vom Winter tief umnachtet, Die Tannen sein in wirrem Graus, Vom Nord dahingeschlachtet; Und lieben mußt’ ich ihn noch mehr, Ihn meiden könnt’ ich nimmer. Schön ist… weiterlesen

  Es ist schwer, diese Situation auszuhalten – zumal wir es doch gewohnt sind, in relativ stabiler Sicherheit zu leben. Jetzt ist zu erleben, dass manches völlig durcheinander geraten kann: Veranstaltungen werden abgesagt, Reisen werden eingeschränkt, sogar aufs Händeschütteln wird vielerorts verzichtet. Ich denke: Es ist gut, die Bedrohung ernst zu nehmen und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Angst und Hysterie sind allerdings keine guten Ratgeber. Es geht darum, auch Spannungen und Ungeklärtes mal auszuhalten.   Wir… weiterlesen

Es saust der Baum auf ödem Feld Die Wolken niederhangen; Das Blühen ist vergangen Das Hoffen aus der Welt. Versunken ist manch treue Brust, Die Winde drüber wehen; Das Glück darf nicht bestehen Nichts bleibt – als der Verlust. Die Blätter rauschen ab vom Baum, Im Thal die Nebel weben; Dahin ist Lust und Leben, Und alles ist ein Traum. Ludwig Pfau

Ich sitze und lese einen Dichter. Es sind viele Leute im Saal aber man spürt sie nicht. Sie sind in den Büchern. Manchmal bewegen sie sich in den Blättern, wie Menschen, die schlafen und sich umwenden zwischen zwei Träumen. Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein. Warum sind sie nicht immer so? Du kannst hingehen zu einem und ihn leise anrühren: er fühlt nichts. Und stößt du einen Nachbar beim Aufstehen… weiterlesen

Die Sonne jauchzt in Siegen, wie blitzt ihr goldnes Kleid! Tauschwere Wiesen liegen in stiller Herrlichkeit. Die Wälder und Felder schließen all ihre Schätze auf, heilige Geister gießen Wunder von Schönheit drauf. Heilige Geister schützen mit treuer Hand das Licht; sie müssen den Himmel stützen, der sonst von Fülle bricht. Gustav Schüler

Und gleichwohl kann ich anders nicht, Ich muss ihr günstig sein, Obgleich der Augen stolzes Licht Mir mißgönnt seinen Schein. Ich will, ich soll, ich soll, ich muß dich lieben, Dadurch wir beid’ uns nur betrüben, Weil mein Wunsch doch nicht gilt Und du nicht hören wilt. Ach denke, denke, was du tust. Ich kann nicht anders sein. Ich hab an meinem Leiden Lust, Du hassest meine Pein. Kann ich denn keine Huld erlangen, So… weiterlesen

Wieder duftet der Wald. Es heben die schwebenden Lerchen mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war; zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, – aber nach langen, regnenden Nachmittagen kommen die goldübersonnten neueren Stunden, vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten alle die wunden Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen. Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser über der Steine ruhig dunkelnden Glanz. Alle Geräusche ducken… weiterlesen