13Okt/07

Sterne

Die meisten Menschen sind wie ein fallendes Blatt, das weht und dreht sich durch die Luft, und schwankt, und taumelt zu Boden. Andre aber, wenige, sind wie Sterne, die gehen eine feste Bahn, kein Wind erreicht sie, in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn.

Hermann Hesse

12Okt/07

Nebel

Ich habe den ganzen Abend mit Gedichten, Erzählungen, Gedanken und Bildern von Hermann Hesse verbracht. Schon wieder. Und neben den vielen neuen Dingen, die ich gelesen hab, fiel mir wieder ein bekannteres Herbstgedicht auf. Es passt zu diesem Foto.

Der Herbst streut weiße Nebel aus, es kann nicht immer Sommer sein!
Der Abend lockt mit Lampenschein mich aus der Kühle früh ins Haus.
Bald stehen Baum und Garten leer, dann glüht nur noch der wilde Wein
Ums Haus, und bald verglüht auch der, es kann nicht immer Sommer sein.
Was mich zur Jugendzeit erfreut, es hat den alten frohen Schein
Nicht mehr und freut mich nimmer heut – es kann nicht immer Sommer sein.
O Liebe, wundersame Glut, die durch der Jahre Lust und Mühn
Mir immer hat gebrannt im Blut – O Liebe, kannst auch du verglühn?

11Okt/07

Spiders Web

So sah es heute morgen in unserem Garten aus – dieses wunderschöne Spinnennetz – wie Perlen aufgefädelt im Sonnenlicht glänzend. Perlen aus herbstlichem Morgentau – Tränen des Sommers…

…’cause the line between wrong and right
Is the width of a thread from a spider’s web
The piano keys are black and white
But they sound like a million colours in your mind

spider’s web, Katie Melua

08Okt/07

Morgennebel

Und heute war wieder so ein Morgen, so ein Morgen wo der Nebel tief im Tal hängt. Und wenn man auf den Berg hinauf kommt, funkeln die Sterne. Langsam quält sich sie Sonne empor, verwandelt die Welt in orangefarbenes Licht. Die Felder glänzen golden, in jedem Tautropfen bricht sich das Licht. Steige Sonne, steige – wärm‘ mir das Gesicht…

07Okt/07

es riecht nach Herbst

…Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft, es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt …, na…, na…, und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: Die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen, nun geht es in einen klaren Herbst…

Kurt Tucholsky, Die fünfte Jahreszeit

04Okt/07

Herbstmücken

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht,
im Licht sind wirklich schwarze Töne,
tiefes Altgold liegt unter den Buchen,
Pflaumenblau auf den Höhen …
kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still…

Kurt Tucholsky, Die fünfte Jahreszeit

03Okt/07

Nebeltag

Herbst und Hermann Hesse, wie Eins das doch ist. Natürlich denken die meisten bei Herbst und Nebel an den Klassiker «Im Nebel» (Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein…).

Ein anderes, genauso tiefgründiges, melancholisches Gedicht ist «Welkes Blatt»

Jede Blüte will zur Frucht
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüre.
Halte, Blatt, gedultig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.

Es passt zu der Stimmung an diesem Nebeltag. Der Wald glänzt naß und weicher Nebel kriecht zwischen den Bäumen, über die Wiesen und hüllt sie in ein gespenstisches Licht. Es gibt so unzählige Motive, man könnte einfach nur stehen und die tausend Eindrücke festhalten.

02Okt/07

Schlaflos

Und wieder finde ich nicht in den Schlaf. Den ich schon hatte, weil ich ihn brauchte. Weil die Gedanken schon wieder kreisen und das Drängen zu mächtig wird, die Ideen gleich wieder umzusetzen. Die Bilder, die im Kopf entstehen sind schneller als die Texte dazu. Sie müssen raus, müssen Realität werden, sonst sind sie vergessen oder arbeiten weiter, tiefer und länger im Kopf.
Kann man Bilder so einfach übersetzen, so einfach in Buchstaben fassen? Kann man Gedanken, Gefühle in Worte verwandeln ohne etwas von ihrem Gehalt zu verlieren? Reden, warum muss man dann noch reden, wenn ein Bild doch alles sagen kann. Reden, endlich geredet – es ist an der Zeit, die Bilder zu ändern.

01Okt/07

wir wünschen dir Zeit …

Oktober, nun ist schon Oktober und das Jahr schon wieder im letzten Quartal. «…wie doch die Zeit vergeht» – diese Phrase, wer kennt sie nicht. Und doch – ist es nicht so? Als wir Kinder waren, waren die Tage unendlich lang – und jetzt? Wie schnell ist doch so ein Tag vorbei, vielleicht auch unnütz vergangen? An meiner Pinnwand hängt ein Gutschein meiner Familie «Wir wünschen Dir Zeit». Schon seit fast zwei Jahren (zum 40. Geburtstag), fast unberührt – und allein mir fehlt die Zeit, ihn einzulösen.
Da habe ich nun endlich ein paar Tage frei und KÖNNTE so vieles tun, könnte meine lange «to-do-Liste» endlich abarbeiten – doch ich setze mich auf die Bank, schließe die Augen, lasse mir mein Gesicht von der Sonne wärmen und denke, träume, höre sehr viel Musik.
Zeit – ja, ich wünsche mir so viel Zeit.

30Sep/07

Kastanien

Mit den Kastanien kommt der Herbst. Auch ich gehöre zu denjenigen, die sich Kastanien in die Jackentasche stecken. Wenn sie gerade gefallen sind, ihre dicke schützende Hülle aufgeplatzt ist und sie noch feucht und glatt sind – dann haben sie etwas Frisches, Kühles, Unversehrtes, ja fast Unschuldiges an sich. Wenn man sie ständig in die Hand nimmt bleibt der herbstliche Glanz eine ganze Weile erhalten. Doch irgendwann lässt er auch nach und sie werden trocken und hart. So ist es mit manchen Dingen im Leben, wenn man sie vernachlässigt, wenn man sich nicht genug um sie kümmert…

Herbstregen hat im grauen Wald gewühlt,
Im Morgenwind aufschauert kalt das Tal,
Hart fallen Früchte vom Kastanienbaum
Und bersten auf und lachen feucht und braun.

Hermann Hesse