Dieser blaue Frühlingsmorgen-Himmel Und dies junge frische Blattgewimmel, Drin der Wind von Ast zu Aste springt – Bis sich Blatt mit Blatt im Tanze schwingt – Diese Flitterwochenzeit der Bäume, Ihre ersten Sonnen-Blütenträume Unterm blauen Hochzeitsbaldachin – Dieses golddurchwirkte Farbenglühn … O, dies unaussprechlich zarte Beben, Leib-inLeib- und Seel-in-Seel-Verweben, Dies Beseeltsein stummster Kreatur, Offenbarend ihre Gottnatur! … Bad dich nun, mein Herz, von Staub und Asche! Wind und Sonne deine Pulse wasche! Tauche ganz ins… weiterlesen

Guten Tag, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, ich bin froh, mich heute wieder aus dem Kanzleramt an Sie wenden zu können. Meine häusliche Quarantäne ist vorbei, und mir geht es gut. Jetzt ahne ich: 14 Tage allein zu Hause, 14 Tage nur am Telefon und im Netz mit der Welt verbunden zu sein, das ist nicht leicht. Ganz besonders nicht für die vielen älteren oder erkrankten Menschen in dieser Zeit, die alleine zu Hause sein müssen,… weiterlesen

O Falke, lieber Falke mein, Der du hoch oben schwebest, In frischer Luft, im Sonnenschein Die breiten Schwingen hebest! Du wilder König, scheu und frei, Dein Purpur „Schweiß des Wildes”, Dein ganzes Lied, ein heller Schrei! Dein trutzig Lied, wem gilt es? O lieber Falke, so wie du Möcht’ ich mich aufwärts schwingen, Aus voller Brust, der Sonne zu, All’ meine Lieder singen; — Ein jedes Lied, ein kurzer Schrei Der gell ins Weite dränge,… weiterlesen

Ich blicke auf mein vergangenes Leben wie auf ein weites Feld in der Sonne, wenn sie durch die Wolken bricht; und ich bemerke mit metaphysischem Staunen, daß mein bedachtestes Tun, meine klarsten Vorstellungen, meine logischsten Vorhaben letztlich nichts anderes waren als angeborene Trunkenheit, naturgegebene Narrheit und großes Unwissen. Fernando Pessoa

Wieder duftet der Wald. Es heben die schwebenden Lerchen mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war; zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, – aber nach langen, regnenden Nachmittagen kommen die goldübersonnten neueren Stunden, vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten alle die wunden Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen. Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser über der Steine ruhig dunkelnden Glanz. Alle Geräusche ducken… weiterlesen

Sie sprießen licht aus Waldesnacht, Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht, Unter den großen, alten Bäumen, Über das Moos wie flutend Träumen: Wann der Wind vorüber streicht, Neigen sie ihre Köpfchen leicht, Aber wo die Sonne licht Durch die Blätterkronen bricht, Saugen sie all das goldige Scheinen Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen. So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht: Die lichten Kinder der Waldesnacht. Therese Dahn 

Will Dir den Frühling zeigen Der hundert Wunder hat. Der Frühling ist waldeigen Und kommt nicht in die Stadt. Nur die weit aus den kalten Gassen zu Zweien gehn Und sich bei den Händen halten – Dürfen ihn einmal sehn. Rainer Maria Rilke

Du warest mir ein täglich Wanderziel, Viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen, Ich hatte dir geträumten Glücks so viel Anzuvertrauen, so wahren Schmerz zu klagen. Und wieder such’ ich dich, du dunkler Hort, Und deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen — Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort! Verstummt ist Klag’ und Jubel. Ich will lauschen! Conrad Ferdinand Meyer

Guten Tag, ich melde mich zu meinem Podcast diesmal aus der häuslichen Quarantäne – deshalb auch am Telefon. Das ist ja eine Situation, die ich gerade mit vielen Menschen teile. Ich grüße also einmal alle, die jetzt Wohnen und Homeoffice verbinden. Man ist nicht krank und bleibt trotzdem zu Hause, um sicher zu sein, dass man das Virus nicht doch in sich trägt. Und natürlich, um andere vor jeder potentiellen Gefahr einer Ansteckung zu schützen.… weiterlesen

Du wacher Wald, inmitten wehen Wintern hast du ein Frühlingsfühlen dir erkühnt, und leise lässest du dein Silber sintern, damit ich seh, wie deine Sehnsucht grünt. Und wie mich weiter deine Wege führen, erkenn ich kein Wohin und kein Woher und weiß: vor deinen Tiefen waren Türen- und sind nicht mehr. Rainer Maria Rilke