Die ihr meine Brüder seid, Arme Menschen nah und ferne, Die ihr im Bezirk der Sterne Tröstung träumet eurem Leid, Die ihr wortelos gefaltet In die blass gestirnte Nacht Schmale Dulderhände haltet, Die ihr leidet, die ihr wacht, Arme, irrende Gemeinde, Schiffer ohne Stern und Glück – Fremde, dennoch mir Vereinte, Gebt mir meinen Gruss zurück. Hermann Hesse

Der schöne Sommer ging von hinnen, Der Herbst, der reiche, zog ins Land. Nun weben all die guten Spinnen So manches feine Festgewand. Sie weben zu des Tages Feier Mit kunstgeübtem Hinterbein Ganz allerliebste Elfenschleier Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain. Ja, tausend Silberfäden geben Dem Winde sie zum leichten Spiel, Die ziehen sanft dahin und schweben Ans unbewußt bestimmte Ziel. Wilhelm Busch

Ach, was sind wir dumme Leute – wir genießen nie das Heute. Unser ganzes Menschenleben Ist ein Hasten, ist ein Streben Ist ein Bangen, ist ein Sorgen – Heute denkt man schon an Morgen. Morgen an die spätere Zeit – und kein Mensch genießt das Heut. Auf des Lebens Stufenleiter eilt man weiter, immer weiter. Nutz den Frühling Deines Lebens Leb im Sommer nicht vergebens denn gar bald stehst du im Herbste Bis der Winter… weiterlesen

Die Sonnenblumen leuchten am Zaun, Still sitzen Kranke im Sonnenschein. Im Acker mühn sich singend die Fraun, Die Klosterglocken läuten darein. Die Vögel sagen dir ferne Mär, Die Klosterglocken läuten darein. Vom Hof tönt sanft die Geige her. Heut keltern sie den braunen Wein. Da zeigt der Mensch sich froh und lind. Heut keltern sie den braunen Wein. Weit offen die Totenkammern sind Und schön bemalt vom Sonnenschein. Georg Trakl

Manchmal, wenn ein Vogel ruft Oder ein Wind geht in den Zweigen Oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft, Dann muß ich lange lauschen und schweigen. Meine Seele flieht zurück, bis wo vor tausend vergessenen Jahren Der Vogel und der wehende Wind mir ähnlich und meine Brüder waren. Meine Seele wird Baum Und ein Tier und ein Wolkenweben. Verwandelt und fremd kehrt sie zurück Und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben? Hermann Hesse

Es wird immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht. Hermann Hesse

Es muss eine Zeit für mich kommen, mit meinem Erleben allein zu sein, ihm zu gehören, es umzubilden, denn es drückt mich all das Unverwandelte und verwirrt mich. Rainer Maria Rilke

Genug oft, daß zwei Menschen sich berühren, – nicht leiblich, geistig nur – daß sie sich sehn, daß sie sich einmal gegenüberstehn – um sich danach vielleicht auf immer zu verlieren. Genug oft, daß ein Lächeln Zweier Seelen vermählt – oh nicht vermählt! nur dies: sie führt, so vor einander schweigend und erschüttert, daß ihnen alle Wort’ und Wünsche fehlen, und jede, unaussprechlich angerührt, nur tief vom Zittern der verwandten zittert. Der kann von Liebe… weiterlesen

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man… weiterlesen

Es ist mir vorlängst einmal der Spruch vorgekommen: Wir sollten selbst da noch hoffen, wo nichts mehr zu hoffen steht. Gewiß ist das ein herrliches Wort, wer’s nur verstehen will; mir hat es einst in großer Not den wunderbaren Trost in der Seele erweckt und einen leuchtenden Goldblick des Glaubens. Ein Mensch, den das Schicksal so ängstlich mit eisernen Händen umklammert, der muß am Ende doch sein Liebling sein, und diese grausame Gunst wird sich… weiterlesen