Es liegt der Herbst auf allen Wegen, in hundert Farben prangt sein Kleid, Wie seine Trauer, seinen Segen er um sich streut zu gleicher Zeit. Es rauscht der Fuß im welken Laube, was blüht’ und grünte, ward ein Traum – Allein am Stocke winkt die Traube und goldne Frucht schmückt rings den Baum. So nimmt und gibt mit vollen Händen der Herbst, ein Dieb und eine Fee; Erfüllung kann allein er spenden, doch sie umfängt… weiterlesen

Fürchte dich nicht, sind die Astern auch alt, streut der Sturm auch den welkenden Wald in den Gleichmut des Sees – die Schönheit wächst aus der engen Gestalt; sie wurde reif, und mit milder Gewalt zerbricht sie das alte Gefäß. Sie kommt aus den Bäumen in mich und in dich, nicht um zu ruh’n; der Sommer ward ihr zu feierlich. Aus vollen Früchten flüchtet sie sich und steigt aus betäubenden Träumen arm ins tägliche Tun.… weiterlesen

Wenn deine Schönheit, dein Talent man preist, sei der Gedanke stets dir gegenwärtig: Das Leben wird mit allem, allem fertig, und wie das Antlitz altert auch der Geist. Du meinst: »Verschmerzen läßt sich der Verlust, die Zeit mag ihres strengen Amtes walten, Bleibt mir nur eins, das Köstlichste, erhalten: Die tiefe Liebeskraft in meiner Brust!« So wisse: müd, erschöpft und abgehetzt fühlst du dereinst auch diese Kraft dir schwinden, Dein Herz vertrocknet, stumpf wird dein… weiterlesen

Die ganze Schöpfung steht in Trauer; Das Laub der Bäume färbt sich gelber. Und ach’ mir ist, als fühlt’ ich selber Im Herzen kalte Winterschauer. Wie ringsum alles stirbt und endet! Bei diesem Welken und Verderben Fleh ich: O Gott! laß mich nicht sterben, Eh ich ein schönes Werk vollendet. Heinrich Leuthold

Im eigenen Gedanken suche die Wahrheit, und nicht in morschen Büchern. Willst du den Mond sehen, schaue zum Himmel, und nicht in die Pfütze.

O Regen sag’ du kommst so hoch daher, Ist droben auch der Tag spurlos und leer? Du fällst zum Fluß und schwimmst zum Meer, Glaubst, du enteilst dem Leid und suchst Genuß? O wüßten alle nur, was doch ein jeder wissen muß: Die Tage lassen keine Spur, so wenig wie Der Regen auf dem Fluß, — Die Liebe nur… Max Dauthendey

Wie in Gold die Wälder prangen, Rosen gleich die Bäum’ erblühn! Erde will wie Himmel glühn, Eh sie starr liegt und vergangen. Der verklärten Erden Wonne Füllt mit Licht auch meine Brust, Und das Herz hüpft auf in Lust, Wie ein Vöglein in der Sonne. Solche Lust, Herz, währt nicht lange, Herz, das ist nur ein Erglühn Vor dem gänzlichen Verblühn Unterm Hügel kalt und bange. Justinus Kerner

Meine Seele spinnt dich ein; schimmernde Marienfäden sollen ihre Häscher sein. Ihre Schlingen fühlst du kaum. Eine rote Märtyrkrone brech ich dir vom Eschenbaum. Deine Stirne küß ich bleich – und so führ ich dich gefangen mitten durch mein Schattenreich. Du wirst ganz mein eigen sein, wirst verbluten und verblühen – meine Seele spinnt dich ein. Clara Müller-Jahnke