Ich will den Herbst

Mittwoch, 24. September 2014

14september024

Ich will den Herbst!
Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling,
der schon gleich ist, schaffender, wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und
das viel zu fertige, viel zu befriedigte,
schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört?
Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut;
in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen.

Rainer Maria Rilke
Aus einem Brief an Clara Rilke vom 12. August 1904

 

Gicht

Dienstag, 23. September 2014

An Tagen, wo ich meine Finger biegen kann,
vergehen mit Verschreiben mir die Stunden,
Und wenn ich einen guten Vers gefunden,
Geht mich die Welt, die Gicht, der Schmerz nichts an.
An anderen Tagen geht das Schreiben nicht.
Dann lausch ich dem, er tief in meinen Knochen
Sich dehnt und immer weiter kommt gekrochen,
Es ist der Tod, doch nennen wir ihn Gicht.
Ich lieb ihn nicht, oft liegen wir im Streit.
Doch weiß ich manchmal, dass er nicht im Bösen
Sich um mich müht. Sein Amt ist das Erlösen,
Und willig folg ich eine Strecke weit.
Wenn wir einst ganz versöhnt und einig sind,
Dann werd ich ihn nicht Gicht, nicht Tod mehr nennen.
Als ewige Mutter werd ich ihn erkennen,
Als Liebe seinen Ruf, und mich als Kind.

Hermann Hesse

 

Abschied

Samstag, 20. September 2014

14september020

Der Sommer war so wie dein Haus, drin weißt du alles stehn –
jetzt mußt du in dein Herz hinaus wie in die Ebene gehn.
Die große Einsamkeit beginnt, die Tage werden taub,
aus deinen Sinnen nimmt der Wind die Welt wie welkes Laub.

Durch ihre leeren Zweige sieht der Himmel, den du hast;
sei Erde jetzt und Abendlied und Land, darauf er paßt.
Demütig sei jetzt wie ein Ding, zu Wirklichkeit gereift, –
daß Der, von dem die Kunde ging,
dich fühlt, wenn er dich greift.

Rainer Maria Rilke

 

Mut

Freitag, 19. September 2014

14september019

Wer kennt sich selbst? Wer weiß, was er vermag?
Hat nie der Mutige Verwegenes unternommen?
Und was du tust, sagt erst der andre Tag,
War es zum Schaden oder Frommen.

Johann Wolfgang von Goethe

 

Berge

Donnerstag, 18. September 2014

14september018

Vielleicht, daß ich durch schwere Berge gehe
in harten Adern, wie ein Erz allein;
und bin so tief, daß ich kein Ende sehe
und keine Ferne: alles wurde Nähe,
und alle Nähe wurde Stein.
Ich bin ja noch kein Wissender im Wehe,
so macht mich dieses große Dunkel klein;
bist du es aber: mach dich schwer, brich ein:
daß deine ganze Hand an mir geschehe
und ich an dir mit meinem ganzen Schrein.

Rainer Maria Rilke

 

Ruhe

Mittwoch, 17. September 2014

14september017

Man glaubt, die Welt ist voll Ruhe und Herrlichkeit.
Der Blick wird beschränkt, nur das Nächste dringt in das Auge,
und ist doch wieder eine unfassbare Menge der Dinge.

Adalbert Stifter

 

Blätter

Dienstag, 16. September 2014

14september016

Leise, windverwehte Lieder,
mögt ihr fallen in den Sand!
Blätter seid ihr eines Baumes,
welcher nie in Blüte stand.
Welke, windverwehte Blätter,
Boten, naher Winterruh,
fallet sacht!… ihr deckt die Gräber
mancher toten Hoffnung zu.

Heinrich Leuthold

 

Im Nebel ruhet noch die Welt

Montag, 15. September 2014

14september015

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

 

Stiller Regen

Samstag, 13. September 2014

14september013

 

M

Donnerstag, 11. September 2014

14september011

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache.
Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.

Antoine de Saint-Exupery

 

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