Moving …

Samstag, 31. August 2013

13august031

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

 

Risse

Freitag, 30. August 2013

006

Ich hatte eine seltne Violine
Mit wunderbar gebräunten, blanken, starken
Wänden und lichten,
Echten, uralten Zargen.
Nur schräg im Boden,
sichtbar keinem Laien,
Zog sich ein Riß und gab den edlen Tönen
Ein seltsam hartes,
Verwundetes, krankes Stöhnen.
Krähn können auch die Raben.
Wer klingen will,
Wer Lieder singen will,
Darf keine Risse haben.

Hermann Hesse

 

Oft ist das Leben

Donnerstag, 29. August 2013

13august029

Oft ist das Leben lauter Licht und funkelt freudefarben
Und lacht und fragt nach denen nicht, die litten, die verdarben.
Doch immer ist mein Herz bei denen,
Die Leid verhehlen und sich am Abend voller Sehnen
Zu weinen in die Kammer stehlen.
So viele Menschen weiß ich, die irren leidbeklommen,
All ihre Seelen heiß ich mir Brüder und willkommen.
Gebückt auf nasse Hände weiß ich sie abends weinen,
Sie sehen dunkle Wände und keine Lichter scheinen.
Doch tragen sie verborgen, verirrt, und wissen’s nicht,
Durch Finsternis und Sorgen
Der Liebe süßes Licht.

Hermann Hesse

 

Du musst das Leben nicht verstehen

Mittwoch, 28. August 2013

13august028

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke

 

It’s getting autumn … ( Changes )

Dienstag, 27. August 2013

13august027

Changes.
open your world…
open your mind …
Dreamtime begins soon.
nobody knows what lies behind ….

 

Reiselied

Sonntag, 25. August 2013

13august025

Sonne leuchte mir ins Herz hinein, Wind verweh mir Sorgen und Beschwerden!
Tiefere Wonne weiß ich nicht auf Erden, als im Weiten unterwegs zu sein.
Nach der Ebne nehm ich meinen Lauf, Sonne soll mich sengen, Meer mich kühlen;
Unsrer Erde Leben mitzufühlen
Tu ich alle Sinne festlich auf.
Und so soll mir jeder neue Tag
Neue Freunde, neue Brüder weisen, bis ich leidlos alle Kräfte preisen,
Aller Sterne Gast und Freund sein mag.

Hermann Hesse

 

Das ist mein Fenster.

Freitag, 23. August 2013

13august023

Das ist mein Fenster. Eben bin ich so sanft erwacht.
Ich dachte, ich würde schweben.
Bis wohin reicht mein Leben, und wo beginnt die Nacht?
Ich könnte meinen, alles wäre noch Ich ringsum;
durchsichtig wie eines Kristalles Tiefe, verdunkelt, stumm.
Ich könnte auch noch die Sterne fassen in mir, so groß
scheint mir mein Herz; so gerne ließ es ihn wieder los
den ich vielleicht zu lieben, vielleicht zu halten begann.
Fremd, wie nie beschrieben sieht mich mein Schicksal an.
Was bin ich unter diese Unendlichkeit gelegt,
duftend wie eine Wiese, hin und her bewegt,
rufend zugleich und bange, daß einer den Ruf vernimmt,
und zum Untergange in einem Andern bestimmt.

Rainer Maria Rilke

 

Where You Stand

Donnerstag, 22. August 2013

13august021

… if you ever find your flag
Cause I will be right by you where you stand
Oh I will be right by you where you stand.

Travis

 

O reiche mir noch einen Strahl

Mittwoch, 21. August 2013

13august022

In Gold und Purpur tief verhüllt
Willst du mit deiner Leuchte scheiden,
Und ich, noch ganz von dir erfüllt,
Soll, Sonne, dich nun plötzlich meiden?
Du hast mein Herz mit Lust entzündet,
Du allerschönste Königin,
Wenn mir dein Strahlenantlitz schwindet,
Ist nicht das Leben tot und hin?

O reiche mir noch einen Strahl
Des Lichtes, dass er auf mich falle
Und ich aus diesem Dämmertal
An deiner Hand hinüberwalle!
Lass mich an deinem Hofe weilen,
Als lichte leichte Wolke nur,
Vor deinem Zuge kündend eilen
Als deines Glanzes schwächste Spur!

Gottfried Keller

 

Der nach verlornen Strahlen jagt …

Dienstag, 20. August 2013

13august020

Der nach verlornen Strahlen jagt,
Ist er der Sonne Ährenleser?
Ist er, bis sie im Osten tagt,
Der goldnen Herrin Reichsverweser?
Ach, unsrer armen Mutter Erde
Ist er ja nur ein Lehenmann;
Und seht, mit glänzender Gebärde
Tut er die Lehnspflicht, wie er kann!

Er trägt das Licht durch Nacht und Grau’n
Getreu auf sanft erhellten Wegen,
Bis wir den Morgen wieder schau’n
Und frisch die Erde taut im Segen.
Die Liebe wird den Ruhm nicht mindern,
Wenn Kleine mit den Kleinern gehn:
Die Sonne selbst samt ihren Kindern
Muss sich um grössre Sterne drehn.

Gottfried Keller

 

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