Hättest du der Einfalt nicht, wie sollte dir geschehn, was jetzt die Nacht erhellt? Sieh, der Gott, der über Völkern grollte, macht sich mild und kommt in dir zur Welt. Hast du dir ihn größer vorgestellt? Was ist Größe? Quer durch alle Maße, die er durchstreicht, geht sein grades Los. Selbst ein Stern hat keine solche Straße. Siehst du, diese Könige sind groß, und sie schleppen dir vor deinen Schoß. Schätze, die sie für die… weiterlesen

Es gibt keinen Moment im langen Jahre, wo man sich ihre immerfort mögliche Erscheinung und dann Allgegenwärtigkeit so lebhaft ins Gemüt zu rufen vermöchte, wie diese über die Jahrhunderte hin unabhängige Winter-Nacht, die durch die unvergleichliche Hinzukunft jenes alle Wesen umwandelnden Kindes die Summe aller übrigen Erdenmächte an Wert mit einem Schlag überwog und übertraf. Mag der leichte Sommer, wo das Dasein um ein Beträchtliches erträglicher und mühloser scheint, wo wir nicht so unmittelbar Anfeindung… weiterlesen

Da kommst du nun, du altes zahmes Fest, und willst, an mein einstiges Herz gepresst, getröstet sein. Ich soll dir sagen: du bist immer noch die Seligkeit von einst und ich bin wieder dunkles Kleid und tu die stillen Augen auf, in die du scheinst. Gewiss, gewiss. Doch damals, da ichs war, und du mich schön erschrecktest, wenn die Türen aufsprangen – und dein wunderbar nicht länger zu verhaltendes Verführen sich stürzte über mich wie… weiterlesen

Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren? Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele, und niemand kommt, um sich daran zu wärmen. Vincent van Gogh

Sie haben alle müde Münde und helle Seelen ohne Saum. Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde) geht ihnen manchmal durch den Traum. Fast gleichen sie einander alle; in Gottes Gärten schweigen sie, wie viele, viele Intervalle in seiner Macht und Melodie. Nur wenn sie ihre Flügel breiten, sind sie die Wecker eines Winds: als ginge Gott mit seinen weiten Bildhauerhänden durch die Seiten im dunklen Buch des Anbeginns. Rainer Maria Rilke

Weihnachten hat so eine Unaufhaltsamkeit im Näherkommen. Bei diesem Fest merkt man´s besonders, wie das Tempo der Welt nicht mehr auf es Rücksicht nehmen mag, so ein Fest hat langsam zu kommen, wie damals als man Kind war. Da zählte man und wartete und es war trotzdem noch weit, das gehört dazu, dieser langsame Advent, nun rast man im Lebens-Schnellzug darauf zu, hält an keiner Station, und es ist nicht mal sicher, dass man in… weiterlesen

Denn es gibt keine »Not­wen­dig­keit« und kei­nen »Zug der Zeit«, der den ein­zel­nen nö­ti­gen könn­te, ma­te­ri­el­le Güter den geis­ti­gen, ver­gäng­li­che den un­ver­gäng­li­chen vor­zu­zie­hen. Wer diese ent­schei­den­de Wahl getan hat, darf nie­mand als sich selbst dafür ver­ant­wort­lich ma­chen. »Ach was«, ent­geg­net ihr, »un­se­re Zeit ist nun eben nicht ideal und wir kön­nen sie und uns nicht an­ders ma­chen.« Ja, das ist eben die alte Phra­se, die einer dem an­de­ren nach­schwatzt und die jeder meint, glau­ben zu… weiterlesen

Es schlug vom Turm die Mitternacht. Was ist’s, daß ich so jäh erwacht? Was pocht in wunderlichem Schmerz Noch halb im Traume mir das Herz? Rings Stille. Keines Windes Hauch, Kein Tier noch Vogel lebt im Strauch, Durchs Fenster mit verhaltnem Schein Der bleiche Himmel sieht herein. Da bricht, des Traumes noch bewußt, Ein Schluchzen mir aus weher Brust. Derweil ich schlief, ging bleich und stumm Der alten Liebe Schatten um. Hermann Hesse

Dinge kommen, Dinge gehen Angst vor’m Fallen, lieber für nichts mehr stehen In den Bilderfluten nichts mehr sehen Und dann mit wehenden Fahnen untergehen Nachts in Katakomben abfliegen Dem Kater kontern, wieder abschießen Und im Gedränge untertauchen An nichts, außer an Wunder glauben Und du willst woanders sein Nur wo kann das sein, es fällt dir gerade nicht ein Ein dicker Schädel und ‘ne dünne Haut Jeden kennen, aber niemand trauen Alles ist gesagt, nur… weiterlesen

Du wußtest es von Ewigkeit, daß der Gedanken Übermaß, Dem Sinn entzogner Herrlichkeit, zersprengen müßt’ mein Hirn wie Glas; So kommst du niedrig meinesgleichen, wie zu der Armut Fromme schleichen, Dich setzend wo der Bettler saß. Wenn fast zum Schwindeln mich gebracht Der wirbelnden Betrachtung Kreis, dann trittst du aus der Dünste Nacht, Und deine Stimme flüstert leis: »Hier bin ich, bin ich, woll’ mich fassen, Dann magst du alles Andre lassen; Auf meinem Kreuze… weiterlesen