Ist das Leben vielleicht nur ein Verbrennen, ein Ausglühen, ein Wegzehren der Empfänglichkeit für Schmerz und Lust? Ist alles, was als ruhiges Element, als Erde und Stein, uns umgibt, schon lebendig gewesen? Werden auch wir Erde und Stein und ist die Geschichte zu Ende, wenn alles ruht und schweigt? Friedrich Hebbel

Der Regen fällt. In den Tropfentanz Starr ich hinaus, versunken ganz In allerlei trübe Gedanken. Mir ist, Als hätt’ es geregnet zu jeder Frist, Und alles, so lange ich denken kann, Trüb, grau und nass in einander rann, Als hätte es nie eine Sonne gegeben, Als wäre nur immer das ganze Leben, Die Jahre, die Tage, die Stunden all, Ein trüber, hastiger Tropfenfall. Gustav Falke

Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter, als ob es jetzt in breitern Ufern ginge. Immer verwandter werden mir die Dinge und alle Bilder immer angeschauter. Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter: Mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche ich in die windigen Himmel aus der Eiche, und in den abgebrochnen Tag der Teiche sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl. Rainer Maria Rilke

Die Wanderschaft eines Lahmen und Kranken, welcher mit einer schweren Last auf dem Rücken die steilsten Berge und unwegsamsten Gebiete bei Schnee und Eis, Regen und Wind, unter brennender Sonne bei Tag und Nacht überquert, ohne sich jemals Ruhe zu gönnen, und viele Tagereisen zurücklegt, um schließlich an einen Abgrund, an eine Schlucht zu gelangen und dort unweigerlich in die Tiefe zu stürzen. Giacomo Leopardi (1, 535), Das Gedankenbuch

Jeder Mensch ist im Grunde gescheiter wie der andere, nur will dies keiner von ihnen glauben. Die Ecke des einen greift in die Fuge des andern, und so entsteht die seltsame Maschinerie, die wir das menschliche Leben nennen. Verachtung und Verehrung, Stolz und Eitelkeit, Demut und Eigensinn: alles eine blinde, von Notwendigkeiten umgetriebene Mühle, deren Gesause in der Ferne wie artikulierte Töne klingt. Vielleicht ist es keinem Menschen gegeben, alles aus dem wahren Standpunkte zu… weiterlesen

Leben bedeutet überall Leben, das Leben ist in uns selbst und nicht im Äußerlichen. Ich werde Menschen neben mir haben, und unter Menschen Mensch zu sein und für immer zu bleiben, den Mut nicht zu verlieren und sich vom Unglück, so groß es auch sein mag, nicht unterkriegen lassen – das ist der Sinn des Lebens und die Aufgabe. Fjodor M. Dostojewski

Verschenke dich, so stolz du bist, Verschenke alles, was du hast! Die Jugend ist ein flüchtiger Gast, Der bald gegangen ist. Gib dich einem armen Knaben, Dem du keine Liebe wehrst, Mach ihn reich, so wirst du erst Selber dich zu eigen haben. Hermann Hesse

Ich hab Heimweh, Fernweh, Sehnsucht Ich weiß nicht, was es ist Ich hab Heimweh, Fernweh, Sehnsucht Ich weiß nicht, was es ist Ich will nur weg, ganz weit weg Ich will raus! Purple Schulz

Daß du in dem Getriebe Des Lebens eine Mitte weisst, Macht dich und deine Liebe Für mich zum guten Geist. In meinem Dunkel ahnst du Den so verborgnen Stern. Mit deiner Liebe mahnst du Mich an des Lebens süßen Kern. Hermann Hesse

Aber jetzt in diesen Frühlingswochen hat mich etwas langsam abgebrochen von dem unbewussten dunkeln Jahr. Etwas hat mein armes warmes Leben irgendeinem in die Hand gegeben, der nicht weiss was ich noch gestern war. Rainer Maria Rilke