Gedanken pt. II

Mittwoch, 31. März 2010

Wir halten uns nie an die Gegenwart. Wir rufen uns die Vergangenheit zurück; wir greifen der Zukunft vor, als käme sie zu langsam und als wollten wir ihr Eintreten beschleunigen, oder wir rufen uns die Vergangenheit zurück, als wollten wir sie festhalten, da sie zu schnell vorübereilte, wir sind so unklug, daß wir in Zeiten umherirren, die nicht die unsrigen sind, und nicht an die einzige denken, die uns gehört, und wir sind so eitel, daß wir an jene denken, die nichts sind, und uns unüberlegt der einzigen entziehen, die weiterbesteht. Das kommt daher, weil die Gegenwart uns meistens weh tut. Wir verbergen sie unserem Blick, weil sie uns betrübt, und wenn sie uns angenehm ist, bedauern wir, sie entschwinden zu sehen. Wir bemühen uns, sie durch die Zukunft abzusichern, und meinen die Dinge zu ordnen, die nicht in unserer Macht stehen, und das für eine Zeit, die zu erreichen für uns ganz ungewiß ist.

Blaise Pascal

 

Gedanken der Nacht

Dienstag, 30. März 2010

Gedanken der Nacht, aus geahnter Erfahrung gehoben,
die schon das fragende Kind mit Schweigen durchdrang,
langsam denk ich euch auf-, und oben, oben in
nimmt euch der starke Beweis sanft in Empfang.
Daß ihr seid, ist bejaht; daß hier, im gedrängten Behälter,
Nacht, zu den Nächten hinzu, sich heimlich erzeugt.
Plötzlich: mit welchem Gefühl, steht die unendliche, älter,
über die Schwester in mir, die ich berge, gebeugt.

Rainer Maria Rilke

 

Leben

Montag, 29. März 2010

Leben bedeutet überall Leben, das Leben ist in uns selbst und nicht im Äußerlichen. Ich werde Menschen neben mir haben, und unter Menschen Mensch zu sein und für immer zu bleiben, den Mut nicht zu verlieren und sich vom Unglück, so groß es auch sein mag, nicht unterkriegen lassen – das ist der Sinn des Lebens und die Aufgabe.

Fjodor M. Dostojewski

 

Geliebte Stadt, verdammte Stadt

Sonntag, 28. März 2010

Über den Wolken…
das ist der schönste Moment beim Fliegen,
wenn der Tag trüb ist und man durch die Wolken fliegt,
wenn der Himmel auf einmal blau wird und die Sonne blendet
man unter sich nur noch wattegleiche Wolkenbälle sieht.
Hier oben ist alles so frei, so friedlich und ruhig.
Und unendlich weit.

Im Sinkflug wie durch Nebel gleich
das Blau sich in einem Grau verliert,
man den Boden wieder berührt und von der Sonne
nur noch ein kurzer, warmer Strahl auf das Gesicht fällt.

Da hast Du mich wieder,
geliebte Stadt,
verdammte Stadt.

 

Wunderwelt …

Dienstag, 23. März 2010

Denn in den Räumen
Dieser Wunderwelt ist eben
Nur ein Traum das ganze Leben;
Und der Mensch (das seh ich nun)
Träumt sein ganzes Sein und Tun,
Bis zuletzt die Träum‘ entschweben.

Calderón de la Barca

 

Im Regen wartend…

Montag, 22. März 2010

Ist das Leben vielleicht nur ein Verbrennen, ein Ausglühen,
ein Wegzehren der Empfänglichkeit für Schmerz und Lust?
Ist alles, was als ruhiges Element, als Erde und Stein, uns umgibt,
schon lebendig gewesen?
Werden auch wir Erde und Stein und ist die Geschichte zu Ende,
wenn alles ruht und schweigt?

Friedrich Hebbel

 

Faustes Tod

Freitag, 19. März 2010

Mephistopheles: Ihn sättigt keine Lust, ihm gnügt kein Glück,
So buhlt er fort nach wechselnden Gestalten;
Den letzten, schlechten, leeren Augenblick,
Der Arme wünscht ihn festzuhalten.
Der mir so kräftig widerstand,

Die Zeit wird Herr, der Greis hier liegt im Sand.
Die Uhr steht still–

Chor: Steht still! Sie schweigt wie Mitternacht. Der Zeiger fällt.
Mephistopheles: Er fällt, es ist vollbracht.
Chor: Es ist vorbei.

Johann Wolfgang von Goethe

 

St. Paddy’s Day

Mittwoch, 17. März 2010

May you always have work for your hands to do.
May your pockets hold always a coin or two.
May the sun shine bright on your windowpane.
May the rainbow be certain to follow each rain.
May the hand of a friend always be near you.
And may God fill your heart with gladness to cheer you.

 

Weine nicht

Dienstag, 09. März 2010

In einer einzigen Sekunde kann sich dein Leben umdrehen
gerade schien noch die Sonne und jetzt regnet ’s in Strömen
deine hilflosen Hände suchen nach Halt
doch jedes Wort was du hörst ist gefühllos und kalt
dein Blick sinkt auf den Boden, deine Hoffnung ist tot
dein Kopf ist leer und schwer, du stehst da wie ein Idiot
der immer noch dachte – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg
und das der Sturm sich irgendwann
ganz von selbst schon wieder legt

Jetzt stehst du da und zitterst und frierst
und es wird kälter
weil du weist dass du dich irrst …

KLEE

 

Ich

Montag, 08. März 2010

Ich kann, was ich muß! o seltnes Geschick!
Ich will, was ich muß – – o doppeltes Glück.
Mein Herz ist an Stärke dem Felsen gleich,
Mein Herz ist, wie Blumen, sanft und weich.
Mein Wesen gleicht Glocken von strengem Metall:
Schlag kräftig d’ran, gibt es auch kräftigen Schall.
Mein Geist stürmt auf eiligem Wolkenroß hin;
Mein Geist spielt mit Kindern mit kindlichem Sinn.
Ich weiß, was ich will! und weil ich es weiß,
Drum bann‘ ich’s zu mir in den magischen Kreis.
Ich weiß, was ich will! das ist ja die Kraft,
Die sich aus dem Chaos ein Weltall entrafft.
Ich weiß, was ich will! und wenn ich’s erreich‘,
Dann gelten der Tod und das Leben mir gleich.

Betty Paoli

Und doch weiß ich gar nichts.
Es ist wieder an der Zeit. Es geht auf Ostern zu.
Und der FAUST ruft mich wieder.

 

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