Berchtesgaden

Sonntag, 11. Januar 2009

09januar011

 

Mondlicht

Samstag, 10. Januar 2009

09januar010

Du bist da.
Weißt Du, wie Mondlicht im Schnee funkelt?
Diamantengleich.
Die Luft ist eisig und riecht nach Schnee. Und es knistert. Überall.
Du bist da. In der stillen, kalten Nacht, wenn es Winter ist und die Sterne hell und klar am Himmel stehen.
Wenn man seinen Atem in der eisigen Luft sehen kann und ihm hinterhersieht, wie er in die dunkle Ewigkeit entweicht.
Du bist da. In dieser Ewigkeit.

 

Selbstgeworfnes

Freitag, 09. Januar 2009

09januar009

Solang du Selbstgeworfnes fängst, ist alles Geschicklichkeit und läßlicher Gewinn -;
erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles, den eine ewige Mitspielerin dir zuwarf, deiner Mitte, in genau gekonntem Schwung, in einem jener Bögen aus Gottes großem Brücken-Bau: erst dann ist Fangen-Können ein Vermögen, – nicht deines, einer Welt. Und wenn du gar zurückzuwerfen Kraft und Mut besäßest, nein, wunderbarer: Mut und Kraft vergäßest und schon geworfen hättest …..(wie das Jahr die Vögel wirft, die Wandervogelschwärme, die eine ältre einer jungen Wärme hinüberschleudert über Meere -) erst in diesem Wagnis spielst du gültig mit.
Erleichterst dir den Wurf nicht mehr; erschwerst dir ihn nicht mehr. Aus deinen Händen tritt das Meteor und rast in seine Räume…

Rainer Maria Rilke

 

Geduld

Donnerstag, 08. Januar 2009

09januar008

Umstarrt vom Eis des Norden in trüber Einsamkeit,
Ist mir ein Blümchen worden das duftend mich erfreut.
Im Thaue bittrer Thränen entfaltete es sich,
Und heilte von dem Sehnen nach bessrer Zukunft mich.
Tief trag ich es verborgen in der verschwiegnen Brust.
Da wandelt’s meine Sorgen in stiller Wehmuth Lust.
Um mein Geschick zu tragen gab mir’s des Himmels Huld.
Wie heisst es? wirst Du fragen.
Das Blümchen heißt — Geduld.

Charlotte von Ahlefeld

 

Frost

Mittwoch, 07. Januar 2009

09januar007

Das Feld ist weiß, so blank und rein, vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille;
Hell, wie Kristall blinkt überall der Fluren Silberhülle.

Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis, er flimmert blau und rot und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Aus Schnee heraus ragt, nackt und kraus, des Dorngebüsches Garbe.

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

 

Dienstag, 06. Januar 2009

09januar006

Man läßt den Winter sich noch gefallen.
Man glaubt, sich freier auszubreiten,
wenn die Bäume so geisterhaft,
so durchsichtig vor uns stehen.
Sie sind nicht, aber sie decken auch nichts zu.

Johann Wolfgang von Goethe

 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Montag, 05. Januar 2009

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten wohl nicht vollbringen aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke

 

Verwandlung ist nicht Lüge…

Sonntag, 04. Januar 2009

Die Jahre gehn…
Und doch ist’s wie im Zug: Wir gehn vor allem und die Jahre bleiben
wie Landschaft hinter dieser Reise Scheiben, die Sonne klärte oder Frost beschlug.
Wie sich Geschehenes im Raum verfügt;
Eines ward Wiese, eins ward Baum, eins ging den Himmel bilden helfen…
Schmetterling und Blume sind vorhanden, keines lügt;

Verwandlung ist nicht Lüge…

Rainer Maria Rilke

 

Ich finde dich in allen diesen Dingen

Samstag, 03. Januar 2009

Ich finde dich in allen diesen Dingen, denen ich gut und wie ein Bruder bin;
als Samen sonnst du dich in den geringen und in den großen giebst du groß dich hin
Das ist das wundersame Spiel der Kräfte, daß sie so dienend durch die Dinge gehn:
in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfte und in den Wipfeln wie ein Auferstehn.

Rainer Maria Rilke

 

Neujahrslied

Freitag, 02. Januar 2009

Mit der Freude zieht der Schmerz traulich durch die Zeiten,
schwere Stürme, milde Weste, bange Sorgen, frohe Feste wandeln sich zur Seiten,
wandeln sich zur Seiten.
Und wo manche Thräne fällt, blüht auch manche Rose,
schon gemischt, noch eh`wir`s bitten
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Loose, Schmerz und Lust im Loose.
War`s nicht so im alten Jahr? Wird`s im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder, Wolken geh´n und kommen wieder,
und kein Wunsch wird`s wenden, und kein Wunsch wird`s wenden.
Gebe denn, der über uns wägt mit rechter Wage,
jedem Sinn für seine Freuden, jedem Muth für seine Leiden
in die neuen Tage, in die neuen Tage.

Johann Peter Hebel

 

Previous Page »