Das Leben bestehen (1. Advent)

Sonntag, 30. November 2008

Es wurde da ein Spiel getrieben, das allen Mitspielern, Händlern wie Käufern, sichtlich großen Spaß machte, welches aber ernst zu nehmen niemand einfiel. Es war die Zeit vor einem großen jährlichen Feste, das den Sinn hat, einesteils die Industrie zu fördern und einige Wochen lang den Handel zu beleben, andererseits aber durch das Ausstellen von abgesägten jungen Bäumen in allen städtischen Wohnungen eine Art von Erinnerung an die Natur und den Wald zu erwecken und die Freuden des Familienlebens zu feiern.
Auch dies war ein Spiel und Übereinkommen, das ich bald durchschaute. Weder gab es jemand, dem die Erinnerung an Natur und Wald ein Bedürfnis gewesen oder der doch so töricht gewesen wäre, diese Zimmertannen für ein geeignetes Mittel zur Pflege der Naturfreunde zu halten, noch auch wurde Familie, Ehe, und Kindersegen von der Mehrzahl des Volkes sehr verehrt, sondern nahezu allgemein als eine Last empfunden. Aber das Fest beschäftigt vier Wochen lang Millionen von Angestellten und macht zwei Tage lang der gesamten Bevölkerung sichtlichen Spaß. Sogar mir, dem Fremden, bot man süßes Backwerk an und wünschte frohe Feiertage, und einige Stunden lang wurden in Häusern, denen dies recht ungewohnt war, Orgien von Familienglück begangen.

Hermann Hesse

 

Ende des Herbstes

Samstag, 29. November 2008

Ich sehe seit einer Zeit, wie alles sich verwandelt.
Etwas steht auf und handelt und tötet und tut Leid.
Von Mal zu Mal sind all die Gärten nicht dieselben;
von den gilbenden zu der gelben langsamem Verfall:
wie war der Weg mir weit.
Jetzt bin ich bei den leeren und schaue durch alle Alleen.
Fast bis zu den fernen Meeren kann ich den ernsten schweren
verwehrenden Himmel sehn.

Rainer Maria Rilke

 

Verfall

Freitag, 28. November 2008

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rost’gen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

Georg Trakl

 

Der Abend ist mein Buch

Donnerstag, 27. November 2008

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen
die Deckel purpurn in Damast;
ich löse seine goldnen Spangen
mit kühlen Händen, ohne Hast.
Und lese seine erste Seite,
beglückt durch den vertrauten Ton, –
und lese leiser seine zweite,
und seine dritte träum ich schon.

Rainer Maria Rilke

 

Wunderlich

Mittwoch, 26. November 2008

Ja, wie wunderlich es doch zugeht im Leben, wäre nicht irgendwo ein Stück Hochmut darin, man möchte ja gerne draussen stehen, allem gegenüber, das heisst, allem Begebnis, um nur ja nichts zu verlieren -, in der eigentlichen Lebensmitte, wo alles zusammenkommt und keinen Namen hat, bliebe man dann ja doch befestigt, vielleicht erst recht, – aber schliesslich habens doch auch wieder die Namen uns angetan, die Titel, die Vorwände des Lebens, weil das Ganze zu unendlich ist und wir uns daran erholen, es eine Weile mit dem Namen einer Liebe zu nennen, so sehr es dann auch diese leidenschaftliche Einschränkung ist, die uns ins Unrecht setzt, die uns schuldig macht, die uns tötet.

Rainer Maria Rilke

 

Und doch…

Dienstag, 25. November 2008

Und doch, ist nicht dies das Leben?
Ich glaube: dass aus so viel dürftigen, bangen, kleinlichen und schmählichen Einzelheiten sich am Ende doch ein grossartiges Ganzes zusammensetzt, das ja nicht wäre, wenn wirs verstünden und leisteten, sondern an dem wir mit unserem Können und unserem Misslingen gleich weit beteiligt sind.

Rainer Maria Rilke

 

November

Montag, 24. November 2008

Alles will sich nun verhüllen und entfärben,
Nebeltage brüten Angst und Sorgen,
Nach der Nacht voll Sturm klirrt Eis am Morgen,
Abschied weint, die Welt ist voll von Sterben.

Sterben lern auch du und dich ergeben,
Sterbenkönnen ist ein heiliges Wissen.
Sei bereit zum Tod – und hingerissen
wirst du eingehn zu erhöhtem Leben!

Hermann Hesse

 

Goodness Nose

Sonntag, 23. November 2008

10. Interwhisky im Frankfurter Intercontinental
Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis, Richard Paterson zu treffen. Dieser Mann hat Whisky in den Adern, er ist eine Legende. Schon nach wenigen Minuten wird man in den Bann des charismatischen Master Blender von Whyte & Mackay gezogen und kommt dort nicht mehr heraus. Und jedes Tasting, sagen wir besser – jede Tasting-Show wird zum einprägendem Erlebnis.

Ein Erlebnis war auch der 30yr Laphroaig (rare). Außerordentlich weich und doch so herrlich intensiv, soviel Phenol und Seetang findet man bei keinem anderen Whisky – einfach wunderbar.

Und überrascht waren wir auch von den japanischen Whiskies. Zugegeben skeptisch und dann wirklich begeistert, stehen sie den schottischen Whisky in nichts nach. Vor allem der 18yr Suntory Yamazaki war wunderbar. Auch wenn die Geschmacksknospen nach 6 Stunden schon etwas überfordert waren…

 

Der erste Schnee

Samstag, 22. November 2008

Müde aber glücklich sind wir vom Hosen-Konzert spät in der Nacht aus Mannheim zurück gekommen. Was für ein Konzert, was für eine Stimmung.
Das vorausgesagte Schneechaos ist zum Glück ausgeblieben.

Aber beim Erwachen am Morgen war er da – der erste Schnee in diesem Spätherbst.
Was für eine wunderliche Verwandlung der Landschaft. Die Luft ist klar und kalt geworden und es riecht nach noch mehr Schnee.
Und die Zeit – Weihnachten hat so eine Unaufhaltsamkeit im Näherkommen…

 

Auftakt der Machmalauter Tour 2008

Freitag, 21. November 2008

Sprichst du meine Sprache, siehst du mein Gesicht?
Liest du meine Träume, wenn ich sie zu dir schick‘?
Wieviel Schläge hat dein Herz jetzt, und wie lange dauert überhaupt das Glück?
Sind die Gedanken immer frei? Ist unsere Seele wirklich jemals wieder leicht?
Wo kommen all die Zweifel her, die uns in Herz geschlichen sind und uns in letzter Zeit so in Frage stellen
Sollen wir fliehen oder kämpfen geht es dir da so wie mir, dass man manchmal einfach nicht mehr weiß wofür.
Gibt es Liebe auf den ersten Blick? Kann man Liebe lernen, kennst du einen Trick?
Ist die Geduld nur ein langer Faden? Warum ist man auch zu zweit meistens allein?
Und jede Antwort fällt so schwer, zieht uns tiefer rein ins Meer.
Ich ertrink langsam in dir. Ich ertrink langsam in dir.
Wohin gehen Gedanken, wenn man sie verliert? Wie klingt ein Lied, wenn es niemand hört?
Muss man für alles irgendwann bezahlen? Muss bei jedem Sieg auch immer ein Verlierer sein?

Und ich ertrink langsam in dir.

DTH

 

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