O trübe diese Tage nicht

Donnerstag, 30. Oktober 2008

O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Werth,
Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
Daß so die Stunde wiederkehrt.

Die Fluth des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn‘ uns jede Stunde ganz.

Theodor Fontane

 

Hingerissen

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Nichts als strömen, nichts als brennen,
Blindlings in das Feuer rennen,
Hingerissen, hingegeben
Der unendlichen Flamme: Leben!

Plötzlich aber, bang durchzittert,
Sehnt aus dem unendlichen Glück
Angstvoll sich das Herz zurück,
Das den Tod im Lieben wittert.

Hermann Hesse

 

Regentag

Dienstag, 28. Oktober 2008

Der scheue Blick an allen Enden
Stößt sich an grauen Wänden,
Und „Sonne“ ist nur noch ein leeres Wort.
Die Bäume stehn und frieren naß und nackt,
Die Frauen gehn in Mäntel eingepackt,
Und Regen rauscht unendlich fort und fort.

Hermann Hesse

 

Aber das Leben ist Veränderung

Montag, 27. Oktober 2008

Aber das Leben ist Veränderung, das Gute ist eine und das Schlechte auch, und darum hat der Recht, der alles als etwas nimmt oder nicht, was nicht wiederkommt, mag er dann vergessen oder nicht, wenn er nur eine Weile ganz herum war, der Schauplatz, die Atmosphäre, die Welt dessen, was geschah, wenn es nur in ihm geschah, mitten in ihm, Gutes wie Arges – , dann bleibt ihm eigentlich nichts zu befürchten, denn dann ist auch immer ein Nächstes da und jedesmal ein Bedeutendes: so sehr liegt es an unserer Teilnehmung, die Dinge ins Wesenhafte zu steigern, wenn sie unsere Meinung fühlen, nehmen sie sich zusammen und bleiben nicht zurück und sind alles, was sie können; und in jedem Neuen ist dann das Alte ganz, nur anders und um vieles vermehrt.

Rainer Maria Rilke

 

Hurt

Sonntag, 26. Oktober 2008

I hurt myself today to see if I still feel
I focus on the pain the only thing that’s real
The needle tears a hole the old familiar sting
Try to kill it all away but I remember everything

What have I become my sweetest friend
Everyone I know goes away in the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down, I will make you hurt

I wear this crown of thorns upon my liar’s chair
Full of broken thoughts I cannot repair
Beneath the stains of time the feelings disappear
You are someone else I am still right here

If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way.

Johnny Cash

 

Traumschutt

Samstag, 25. Oktober 2008

Die Wälder bluten schwarz hinab ins Tal.
Die Nacht schließt sich darüber wie eine Falle.
Der Himmel ist matter Tuff. Alles schweigt.
Im Hintergrund wird einer vom Teufel geholt.

Nichts. Gedämpft bis zur Unhörbarkeit
wird mein Herzschlag. Ich sitze mit jemand zusammen,
der mir mit müder, einförmiger Stimme
die Geschichte meines eigenen Lebens erzählt.

Wilhelm Klemm

 

Closer

Freitag, 24. Oktober 2008

I’ve had enough of this parade.
I’m thinking of the words to say.
We open up unfinished parts,
Broken up, it’s only love.

And when I see you then I know it will be next to me
And when I need you then I know you will be there with me
I’ll never leave you…
Just need to get closer, closer,
Lean on me now, lean on me now,
closer, closer …

Travis

 

Solang

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum glücklich sein
Und währe alles Liebste dein.
Solange du nach Verlorenem klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.
Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziele mehr, noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,
Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz – und deine Seele ruht.

Hermann Hesse

 

Keine Rast

Sonntag, 19. Oktober 2008

Seele, banger Vogel du, immer wieder mußt du fragen:
Wann nach so viel wilden Tagen kommt der Friede, kommt die Ruh?
Ob, ich weiß: kaum haben wir unterm Boden stille Tage,
wird vor neuer Sehnsucht dir jeder liebe Tag zur Plage.
Und du wirst, geborgen kaum, dich um neue Leiden mühen
und voll Ungeduld den Raum als der jüngste Stern durchglühen.

Hermann Hesse

 

Meine Dahlie

Samstag, 18. Oktober 2008



die letzte Dahlie stand in der Vase auf meinem Schreibtisch
die ganze Woche lang – schon verwelkt
und doch nicht vergessen
und doch immer wieder so beachtet

(heute mußte ich sie noch einmal fotografieren)

im Licht des Herbstes
im letzten Glanz von Sonnengold
wie ich die Dahlie seufzen hörte
wie die welken Blätter sich im Wind bewegten
bevor sie nun wieder zu Erde werden
bevor der Kreislauf des Jahres sich schließt
und daraus eine neue Dahlie erwächst
schöner und strahlender als die letzte es war.

 

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