Aber die weißen Menschen hören nicht zu.

Freitag, 12. September 2008

Weißt du, dass Bäume reden? Ja, sie reden.
Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst.
Aber die weißen Menschen hören nicht zu.
Sie haben es nie der Mühe wert gefunden, uns Indianer anzuhören,
und ich fürchte, sie werden auf die anderen Stimmen in der Natur nicht hören.
Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren: manchmal etwas über das
Wetter, manchmal über Tiere, manchmal über den Großen Geist.

Tatanga Mani

 

Mein Morgen

Donnerstag, 11. September 2008

Heute war wieder so ein Morgen, mein Morgen.
Wenn ich die Tür hinter mir schliesse und Orion breit und hell am Himmel steht
Wenn man die Feuchtigkeit der kühlen Morgenluft spürt
Wenn ich den Berg hinauf fahre und mein Zuhause im Tal noch in dichtem Nebel liegt
Wenn am Horizont ein dünner Streifen eines noch zart orangenroten Lichtes ist…

Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz! Fliege fort! fliege fort!
Friedrich Nietzsche

 

Lieben

Mittwoch, 10. September 2008

Zu lieben ist gut: denn Liebe ist schwer.
Liebhaben von Mensch zu Mensch: das ist vielleicht das Schwerste,
was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung,
die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.

Rainer Maria Rilke

 

Versuch eines Weges

Dienstag, 09. September 2008

Das Leben jedes Menschen ist ein Weg zu sich selber hin,
der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades.
Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen;
jeder strebt dennoch, es zu werden.

Hermann Hesse

 

Sonntag

Sonntag, 07. September 2008

Ja, man muß seinen Traum finden, dann wird der Weg leicht.
Aber es gibt keinen immerwährenden Traum, jeden löst ein neuer ab,
und keinen darf man festhalten wollen.

Hermann Hesse

 

Das erste Herbstblatt

Freitag, 05. September 2008

Das erste Herbstblatt leuchtet wie Blut, als ob verwundet im Strauch einer ruht.
Sein Blut von Blatt zu Blatt still tropft, sein Tod an alle Bäume klopft.
Die Sonne brennt so still und stumm, das rote Blatt geht drohend um,
Als müßte ein Mörder im Strauchwerk stehen und wild sein Blutdurst am Weg umgehen.
Und abends steigt der Rauch dann auf.
Als sei das Land ein Kehrichthauf`, so lastet am Fluß ein schwüler Dunst
wie der letzte Atem der Sommerbrunst.

Max Dauthendey

 

Erste Morgennebel im September

Donnerstag, 04. September 2008

Erste Morgennebel schweben sanft danieder.
Über Nacht gekommen schufen sie ein Märchenbild.
Baumesriesen schaun zu mir herüber.
Sonnenstrahlen zeigen schwach sich, bunt und mild.

Und der Berge sanftgeschwungne Rücken,
die, durch Nebelschleier, schemenhaft ich seh,
gleichen, die Gedanken fliehen fort mir, sie entrücken,
jenem zart bedeckten Körper einer schönen Fee.

Nebelteppiche, verloren, zwischen Erde und Unendlichkeit,
lassen träumend mich in fernen Ländern weilen.
Doch auch Wehmut und Gefühl von Trauer macht sich breit,
ob der Stunden, die, so schön sie warn, enteilen.

Schreite weiter ich, lass hinter mir die Schatten,
kommt heraus der Morgensonne warmer, klarer Schein,
wird mir klar, gedenk der Stunden, die wir hatten,
Herbst und Winter folgen Frühlingstraum und Sein.

Rudi Bachmann-Voelkel

 

Viva La Vida – Mannheim SAP Arena

Dienstag, 02. September 2008

„Unglaublisch“ – das sind nicht nur die Worte von Chris Martin am Ende der Show. Nein, es ist keine Show – es ist eine riesengroße Party. Genauso wie die Musik mit „Life in Technicolor“ langsam lauter wird, gehen die Spots hinter einem dünnen schwarzen Vorhang an. Coldplay steht mit dem Rücken zum Publikum und langsam dreht sich einer nach dem anderen um. Grelles Licht blitzt auf und der Vorhang schwebt nach oben – und mit ihm tausende Hände – und sofort steigt es hoch, das Kloß-im-Hals-Gefühl – es ist einfach unfassbar.
Beim legendären „Clocks“ sucht Chris Martin das erste mal den engen Kontakt zum Publikum. Auf dem, in den Innenraum hineinragenden Steg, ist er ganz nah – springt, zappelt und heizt das Publikum an. Und es ist ihm ein Leichtes.

Gegen 22 Uhr verabschiedet sich Coldplay zum ersten Mal und das Licht geht aus. Natürlich glaubt keiner daran, das Publikum ist so aufgeheizt und der Chorus tönt auch ohne Musik weiter. Während die Menge sich langsam wieder beruhigt, rennen Coldplay von der Bühne zum anderen Ende der Arena um im Oberrang wieder aufzutauchen. Nur im Spotlicht stehen die Vier am Rang 211 – sozusagen unplugged, nur mit Gitarre, Mandoline und Mundharmonika. „The Scientist“ wird vom Publikum grandios getragen und Zeilen wie „Nobody said it was easy, oh, it’s such a shame for us to part“ überlassen sie uns ganz allein. Gänsehaut geht auch ganz ohne Klavier.

Die erste Zugabe beginnt mit „Politik“. Zu den sanften Klängen ist die Bühne in weiches, rotes Licht getaucht, blaue Spots mischen sich von oben. Grelles Licht blitzt zu den harten Anschlägen des Refrains auf. Ergreifend – hämmernde Anschläge des Klaviers, in blutrotes Licht getaucht und ein Chris Martin, der mit der Nase fast die Tasten berührt. „Lovers in Japan“ – kurze Videosequenzen laufen auf der Leinwand und Coldplay scheint sich noch einmal zu steigern. Chris Martin läuft ins Publikum, reißt die Arme nach oben und plötzlich flattern tausende von Papierschmetterlingen von der Decke durch Halle. Die Menge tobt und es regnet immer mehr Schmetterlinge. Mit den fulminanten Klängen von „Death and All his Friends“ verabschiedet sich Coldplay für diesen Abend. Was für ein wunderschönes Bild, alle Vier – Arm in Arm – sich tief vor dem Publikum verbeugend.

Und wieder einmal ist es dunkel. Doch damit gibt sich noch keiner zufrieden. Die Party geht weiter, auch wenn die Crew schon anfängt, die Mikros einzusammeln und die Boxen wegzufahren. Das Publikum feiert sich selber und immer wieder wird das „Viva-La-Vida Ouoouoouooouo“ angestimmt – und es dauert ganze 5 Minuten, dann kommen sie zurück auf die Bühne. Und jetzt gipfelt der Abend in den wahren Höhepunkt – „Fix you“. 13000 Stimmen tönen „Lights will guide you home and ignites your bones …“ – Chris lehnt sich zurück und lässt die Menge singen – die Antwort von ihm ist der schönste Dank ans Publikum – „unglaublisch“ – wer hier noch keine Gänshaut hat…. Keine Ahnung, ob es Tränen oder Schweißperlen sind – es ist mein persönliches Highlight und zugleich das Ende eines unglaublichen Abends…

gesamter Bericht mit Fotos…

 

Septemberanfang

Montag, 01. September 2008

Noch einmal hat, auf den wir schon verzichtet,
der Sommer seine Kraft zurückgewonnen;
Er strahlt, zu kürzern Tagen wie verdichtet,
er prahlt mit glühend wolkenlosen Sonnen.

So mag ein Mensch am Ende seines Strebens,
da er enttäuscht sich schon zurückgezogen,
noch einmal plötzlich sich vertraun den Wogen,
wagend im Sprung die Reste seines Lebens.

Ob er an eine Liebe sich verschwende,
ob er zu einem späten Werk sich rüste,
in seine Taten klingt, in seine Lüste,
herbstklar und tief sein Wissen um das Ende.

Hermann Hesse