Höhe des Sommers

Sonntag, 31. August 2008

Das Blau der Ferne klärt sich schon
vergeistigt und gelichtet
zu jenem süßem Zauberton,
den nur September dichtet.
Der reife Sommer über Nacht
will sich zum Feste färben,
da alles in Vollendung lacht
und willig ist zu sterben.
Entreiß dich, Seele, nun der Zeit,
entreiß dich deinen Sorgen
und mache dich zum Flug bereit
in den ersehnten Morgen.

Hermann Hesse

 

Die Suche geht weiter

Samstag, 30. August 2008

Du fragst warum es so hell scheint dort hinten so weit
fragst warum es hier kalt ist und dunkel zu gleich.

Weit in der Ferne, weit, ganz weit
dort strahlt alles schöner, heller und weich
dort strahlt es viel heller und Zeit ist ganz gleich

Ich will dir nur sagen, ich will dass du weißt
die Suche geht weiter,
wenn wir kurz halten dann nur um zu sehen, dass der Weg den wir gehn
schön und doch steil ist, ein Stück nur vom Teil ist
die Suche geht weiter
die Suche geht weiter
nach vorn.

Wir rennten wie Gejagte die sich fürchten dass die Zeit sie bestiehlt
die Jahre drehn sich immer schneller
völlig außer Atem, kann kaum stehn
was bleibt von uns übrig wenn alles vergeht
ich will dich einfach nur kurz halten um zu überprüfen, dass ich leb

Ich will dir nur sagen, ich will dass du weißt,
die Suche geht weiter
wenn wir kurz halten dann nur um zu sehen, dass der Weg den wir gehen
schön und doch steil ist, ein Stück nur vom Teil ist
die Suche geht weiter
die Suche geht weiter
nach vorn.

Rosenstolz

 

Coldplay Live at the BBC

Freitag, 29. August 2008

Zur Einstimmung auf Coldplays Viva La Vida Tour zeigte MTV heute Abend das exklusive BBC Live-Konzert aus London (das war am 18. Juni 2008) erstmals im deutschen Fernsehen. Neben fast allen Songs des neuen Albums spielten die Jungs auch Hymnen wie Clocks, Yellow, 42, Square One, Trouble und natürlich (und vor allem) – Fix You. Gänsehaut und Rausch der Gefühle, diese 4 Jungs schaffen es mit ihrer Musik immer wieder, Tränen in die Augen zu treiben.
Noch 4 Tage – dann sehen wir Coldplay in der SAP Arena. Noch 4 Tage…

 

Riechst du es schon?

Donnerstag, 28. August 2008

Schon riecht es scharf nach angewelkten Blättern,
Kornfelder stehen leer und ohne Blick;
Wir wissen: eines von den nächsten Wettern
Bricht unserm müden Sommer das Genick.
Die Ginsterschoten knistern. Plötzlich wird
Uns das fern und sagenhaft erscheinen,
Was heut wir in der Hand zu halten meinen,
Und jede Blume wunderbar verirrt.
Bang wächst ein Wunsch in der erschreckten Seele:
Daß sie nicht allzu sehr am Dasein klebe,
Daß sie das Welken wie ein Baum erlebe,
Daß Fest und Farbe ihrem Herbst nicht fehle.

Hermann Hesse

 

Wein

Mittwoch, 27. August 2008

In meinen Becher mit Wein ist ein Falter geflogen,
Trunken ergibt er sich seinem süßen Verderben,
Rudert erlahmend im Nass und ist willig zu sterben
Endlich hat ihn mein Finger herausgezogen.

So ist mein Herz, von deinen Augen verblendet,
Selig im duftenden Becher der Liebe versunken,
Willig zu sterben, vom Wein deines Zaubers betrunken,
Wenn nicht ein Wink deiner Hand mein Schicksal vollendet.

Hermann Hesse
[Bad Neuenahr]

 

Hälfte des Lebens

Dienstag, 26. August 2008

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und klat, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin

 

Für wenig Stunden

Sonntag, 24. August 2008

Wenn alle Stimmen schweigen und schwarz die Häuser stehn,
dann mag ich gern vom Fenster hinaus ins Dunkel sehn.
Dann ist für wenig Stunden das wilde Treiben aus.
Es weben leise Träume sich bunt um jedes Haus.
Die blassen Wolken ziehen, das Land verschwiegen ruht,
für wenig kurze Stunden ist alles still und gut.

Hermann Hesse

 

Du mußt das Leben nicht verstehen

Samstag, 23. August 2008

Du mußt das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen
Von jedem Wehen sich viele Blüten schenken läßt.
Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren,
Und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke

 

klein sein

Freitag, 22. August 2008

Auf eine menschenwürdige Art alt zu werden und jeweils die unserem Alter zukommende Haltung oder Weisheit zu haben, ist eine schwere Kunst; meistens sind wir mit der Seele dem Körper gegenüber entweder voraus oder zurück, und zu den Korrekturen dieser Differenzen gehören jene Erschütterungen des inneren Lebensgefühls, jenes Zittern und Bangen an den Wurzeln, die uns eh und je bei Lebenseinschnitten und Krankheiten befallen. Mir scheint, man darf ihnen gegenüber wohl klein sein und sich klein fühlen, wie Kinder durch Weinen und Schwäche hindurch am besten das Gleichgewicht nach einer Störung des Lebens wieder finden.

Hermann Hesse

 

Nicht stehen bleiben (R.)

Donnerstag, 21. August 2008

Jung sein und Gutes tun ist leicht und von allem Gemeinen entfernt sein;
Aber lächeln, wenn schon der Herzschlag schleicht, das will gelernt sein.
Und wem’s gelingt, der ist nicht alt, der steht noch hell in Flammen
und biegt mit seiner Faust Gewalt, die Pole der Welt zusammen.
Weil wir den Tod dort warten sehn, lass uns nicht stehen bleiben.
Wir wollen ihm entgegen gehen, wir wollen ihn vertreiben.
Der Tod ist weder dort noch hier, er steht auf allen Pfaden.
Er ist in dir und ist in mir, sobald wir das Leben verraten.

Hermann Hesse

 

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