Kastanien

Sonntag, 30. September 2007

Mit den Kastanien kommt der Herbst. Auch ich gehöre zu denjenigen, die sich Kastanien in die Jackentasche stecken. Wenn sie gerade gefallen sind, ihre dicke schützende Hülle aufgeplatzt ist und sie noch feucht und glatt sind – dann haben sie etwas Frisches, Kühles, Unversehrtes, ja fast Unschuldiges an sich. Wenn man sie ständig in die Hand nimmt bleibt der herbstliche Glanz eine ganze Weile erhalten. Doch irgendwann lässt er auch nach und sie werden trocken und hart. So ist es mit manchen Dingen im Leben, wenn man sie vernachlässigt, wenn man sich nicht genug um sie kümmert…

Herbstregen hat im grauen Wald gewühlt,
Im Morgenwind aufschauert kalt das Tal,
Hart fallen Früchte vom Kastanienbaum
Und bersten auf und lachen feucht und braun.

Hermann Hesse

 

Der letzte Kuss

Samstag, 29. September 2007

Seit Tagen nur noch dieses Musik im Kopf, immer und immer wieder tue ich sie mir an….

Irgendwann kommt für jeden der Tag
An dem man für alles bezahlt, dann stehn’ wir da
Denken, wie schön es mal war
Bereuen unsere Fehler, hätten gern alles anders gemacht
Hätten all unsere Boshaftigkeiten niemals getan

Wir leben versteckt, wischen all unsere Spuren weg
Vor den anderen und vor uns selbst
Damit kein Mensch jemals sieht, wer wir in Wahrheit sind…

Wo ist der Ort für den ehrlichsten Kuss
Ich weiss, dass ich ihn für uns finden muss
Auf ‘ner Strasse im Regen, auf ‘nem Berg nah beim Mond
Oder kann man ihn nur vom Totenbett holen
Wo ist der Ort für einen ehrlichen Kuss
Den einzigen, den ich Dir noch geben muss…

All denen, die uns am nächsten steh’n, tun wir am liebsten weh
Und die Frage warum das so ist, bleibt unser Leben lang steh’n

Wann ist die Zeit für einen ehrlichen Kuss
Der all unsere Lügen auslöschen muss
Gib’ mir die Zeit für einen ehrlichen Kuss
So wollen wir uns küssen, wenigstens am Schluss
Es wird ein Kuss sein, der alles verzeiht
Der alles vergibt und uns beide befreit
Du musst ihn mir schenken – ich bin zwar ein Dieb
Doch gestohlen ist er wertlos, und dann brauch ich ihn nicht.

DTH

 

Regen

Donnerstag, 27. September 2007

Regen – heute hat es fast nur geregnet – bis auf den Morgen. Es war einer von diesen Morgen, dieser Kontraste, wo der Nebel über dem Tal liegt und über den Wolken die Sterne am Himmel leuchten.

Venus erstrahlt momentan in ihrem höchsten Glanz und Orion legt sich links auf die Seite, wenn ich zum Böllstein hinauf fahre. Nicht selten hielt ich sonst an und genoß diesen Blick, diesen Augenblick, wenn die Sonne sich über dem Horizont herauf kämpfte. Regen – den ganzen Tag trommelt es an die Fensterscheibe und lenkt mich ab von meiner Arbeit – wie so vieles in den letzten Tagen.

Der Regen passt perfekt zur Musik (die ich mir immer wieder antue), das Fenster weit öffnend – wie gut tut frische Luft, doch wie weh tut Regen im Gesicht – EMBRACE – warum ist Regen so salzig? Oder sind es die Tränen, Tränen der letzten Tage, die der Regen nun wegspült? Da sind tausende Fragen – aber nur eine einzige Antwort. Ich liebe Dich!

 

Mein Herbst

Sonntag, 23. September 2007

Herbstanfang – der astronomische Herbstanfang ist auf der nördlichen Erdhalbkugel der Zeitpunkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator von Norden nach Süden überschreitet. Der gefühlte Herbst hat schon lange begonnen.

Warum wieder ein neues Projekt, warum wieder eine andere Webseite, mit all der Arbeit und Zeit, die daran hängt. Habe ich nicht schon viel zu wenig davon? Warum eigentlich «MEIN HERBST»?

Keine Jahreszeit fasziniert mich so wie der Herbst. Die Kraft der Sonne lässt nach, die Tage werden kürzer. Nur im Herbst gibt es dieses Licht – am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, die Landschaft im Nebel liegt. Es ist ein Kampf der Sonnenstrahlen gegen die Feuchtigkeit der Nacht, es ist ein Kampf – das Grün der Blätter weicht und geht auf in den schönsten Farben. Bevor es welkt, bevor es stirbt. Es ist wie ein letztes Aufbäumen, ein zufriedenes Danke an den gehenden Sommer, ein prächtiges Schmücken zum Abschied – vor der kommenden Kälte.
Nur im Herbst gibt es diese Wolken. Wenn der Wind durch die Landschaft fegt, die grauen Wolken treibt und aufräumt. Nur im Herbst gibt es diese Farben, nur im Herbst gibt es diesen Geruch – der Erde nach dem Regen, nach feuchtem Laub, nach Pilzen und reifen Früchten.

Nur im Herbst gibt es diese Gefühle, diese Gedanken an vergangene Herbste… Es wird viel geschehen – in DIESEM Herbst.

 

Klassentreffen

Sonntag, 16. September 2007

Wieder zurück aus Leipzig, zurück von einer Zeitreise – einer Reise in die Kindheit, in die Zeit der Jugend. Mhhh, nach 25 Jahren – für manche ein erstes Wiedersehen. Und auf einmal ist es wie damals – die Gesten, die Worte, die Gedanken – wie kann das sein? Manche haben sich kaum verändert, andere dagegen sind gewachsen, sind gestiegen.

Woran denke ich, wenn ich die alte Schule betrete? Ich rieche die Zeit, es riecht wie vor 30 Jahren – die alten Treppen, die nun leeren Räume – die jetzige Verlassenheit wird durch die Bilder im Kopf kompensiert. Der Blick aus dem Fenster – der Schulhof, der Baum (an dem ich mit meiner Zuckertüte stand). Da sind tausend Gedanken, die nicht in diesem Moment zu fassen sind. Da sind unzählige Szenen, die aus der Tiefe sich nach oben drängen und wieder ein Stückchen Realität werden. Und da ist der Blick auf das Haus – in dem ich groß geworden bin – gegenüber der Schule. Und ich muss an die Zeilen der «Hosen» denken. Und wir gehen den Weg, den ich so oft gegangen bin, den ich geflogen bin, weil ich verliebt war. Und wir sind an dem Haus, dass es heut’ nicht mehr gibt, wo ich die ersten Küsse bekam. Und ich gehe zurück – in der Nacht, die kalt und sternenklar ist – und frage mich, was aus der Zeit geworden ist. Was aus mir geworden ist.

…Hier hab ich gelernt zu lügen, zu streiten und zu intrigieren,
zu vergeben und vergessen, zu gewinnen und verlieren.
Es gab Enttäuschungen und Tränen, obwohl ich meistens glücklich war
mit unserm kleinen Vorstadt-Leben in unserer Nachbarschaft.