29Nov/18

Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, begann es, sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.
Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.
Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.
Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.
Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.
Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.
Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.
Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Mario de Andrade

28Nov/18

November-Rose

Sag mir blasse Rose dort
Was stehst du noch an so trübem Ort?
Schon senkt sich der herbst am Zeitenhebel
Schon zieht an den Bergen Novembernebel.
Was bleibst du allein noch blasse Rose?
Die letzte deiner Gefährten und Schwestern
Fiel tot und zerblättert zur Erde gestern
Und liegt begraben im Mutterschoosse…

Ach mahne mich nicht dass ich mich beeile!
Ich warte noch eine kleine Weile.
Auf eines Jünglings grab ich stehe:
Er vieler Hoffnung und entzücken
Wie starb er? Warum? Gott es wissen mag!
Eh ich verwelke eh ich vergehe
Will ich sein frisches Grab
noch schmücken
am Totentag.

Stefan George

18Nov/18

Volkstrauertag

Ohne Glaube an die Seele und ihre Unsterblichkeit ist das Sein den Menschen unnatürlich, undenkbar und unerträglich. Nur durch den Glauben an seine Unsterblichkeit erfaßt der Mensch den vernünftigen Zweck seines Seins auf Erden. Der Verlust des höchsten Sinnes das Leben führt folgerichtig zum Selbstmord … Die Überzeugung von der Unsterblichkeit ist folglich der Normalzustand der Menschheit, und wenn dem so ist, so ist auch die Unsterblichkeit der menschlichen Seele selbst eine zweifellose Tatsache. Mit einem Wort: die Idee unserer Unsterblichkeit ist das Leben selbst, das lebendige Leben.

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij

17Nov/18

Im Blätterfallend

Da nun die Blätter fallen,
O weh, wie fahl,
Fühl‘ ich, wie alt ich worden bin.
Das macht mir Qual.

Die Sonne scheint. Ach, Sonne,
Wie bist du kalt.
Einst war der Herbst mir auch ein Lied.
Jetzt bin ich alt.

Otto Julius Bierbaum

16Nov/18

Musikschule Odenwald Musical 2018 – Aladdin und die Wunderlampe

Aladdin, ein Straßenjunge, ist zufrieden, solange er tanzen, andere zum Lachen bringen und seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Als er der bezaubernden Jasmin begegnet, bekommt er Zweifel: Ist es möglich, dass sich die Tochter eines englischen Archäologen in einen armen Straßenjungen verliebt? So etwas gibt es doch nur im Märchen!

Diese Unsicherheit macht sich der böse Zauberer Dschafar zunutze und spannt den abenteurlustigen Aladdin für seine Zwecke ein – doch der Plan misslingt, und Aladdin gelangt unverhofft in den Besitz einer Wunderlampe sowie eines liebenswerten Dschinns, der ihm zwar (fast) jeden Wunsch von den Augen ablesen, jedoch nur bedingt dazu beitragen kann, das Herz von Jasmin zu gewinnen. Also, liegt es am Ende doch an Aladdin selber, Dschafar zu besiegen und die Liebe von Jasmin zu gewinnen. Oder ist doch alles nur wie im Märchen…

Die Vorstellungen sind:

Freitag, den 16.11.2018 um 19.00 Uhr
Samstag, den 17.11.2018 um 18.00 Uhr
Samstag, den 24.11.2018 um 15.00 Uhr und um 19.00 Uhr

Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen Optik Gantert in Erbach und Buchhandlung Schindelhauer in Michelstadt erhältlich.

15Nov/18

Herbstlied

Es liegt der Herbst auf allen Wegen, in hundert Farben prangt sein Kleid,
Wie seine Trauer, seinen Segen er um sich streut zu gleicher Zeit.
Es rauscht der Fuß im welken Laube, was blüht‘ und grünte, ward ein Traum –
Allein am Stocke winkt die Traube und goldne Frucht schmückt rings den Baum.
So nimmt und gibt mit vollen Händen der Herbst, ein Dieb und eine Fee;
Erfüllung kann allein er spenden, doch sie umfängt ein tiefes Weh! –
O, Herbst der Seele! deine Früchte, sind auch Gewinn sie, oder Raub?
Der Wünsche Blüthe ist zunichte, der Hoffnung Grün ein welkes Laub.
Zu schwer erkauft, um zu beglücken, O, Seelenherbst, ist deine Zier!
Der Saft der Traube kann entzücken, doch keine Wonne strömt aus dir.
Die Weisheit, wie die Frucht sie nennen, sie preßt mir bittre Thränen aus,
Und ihres Kernes herbem Brennen
Entkeimet nie ein Frühlingsstrauß!
Luise Büchner

14Nov/18

Oberdollendorf

Im Herbst, wenn sich der Baum entlaubt, nachdenklich wird und schweigend,
Mit Reif bestreut sein welkes Haupt, fromm sich dem Sturme neigend:
Da geht das Dichterjahr zu End‘, da wird mir ernst zu Mute;
Im Herbst nehm‘ ich das Sakrament in jungem Traubenblute.
Da bin ich stets beim Abendrot allein im Feld zu finden,
Da brech‘ ich zag mein Stücklein Brot und denk‘ an meine Sünden.

Gottfried Keller