Will Dir den Frühling zeigen Der hundert Wunder hat. Der Frühling ist waldeigen Und kommt nicht in die Stadt. Nur die weit aus den kalten Gassen zu Zweien gehn Und sich bei den Händen halten – Dürfen ihn einmal sehn. Rainer Maria Rilke

Du warest mir ein täglich Wanderziel, Viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen, Ich hatte dir geträumten Glücks so viel Anzuvertrauen, so wahren Schmerz zu klagen. Und wieder such’ ich dich, du dunkler Hort, Und deines Wipfelmeers gewaltig Rauschen — Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort! Verstummt ist Klag’ und Jubel. Ich will lauschen! Conrad Ferdinand Meyer

Guten Tag, ich melde mich zu meinem Podcast diesmal aus der häuslichen Quarantäne – deshalb auch am Telefon. Das ist ja eine Situation, die ich gerade mit vielen Menschen teile. Ich grüße also einmal alle, die jetzt Wohnen und Homeoffice verbinden. Man ist nicht krank und bleibt trotzdem zu Hause, um sicher zu sein, dass man das Virus nicht doch in sich trägt. Und natürlich, um andere vor jeder potentiellen Gefahr einer Ansteckung zu schützen.… weiterlesen

Du wacher Wald, inmitten wehen Wintern hast du ein Frühlingsfühlen dir erkühnt, und leise lässest du dein Silber sintern, damit ich seh, wie deine Sehnsucht grünt. Und wie mich weiter deine Wege führen, erkenn ich kein Wohin und kein Woher und weiß: vor deinen Tiefen waren Türen- und sind nicht mehr. Rainer Maria Rilke

Und immer dunkler ward der Wald Auch bunter Sänger Aufenthalt, Es drang mir bald auf allen Wegen Ihr Klang in süßen Duft entgegen. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah. Vielleicht beginnt ein neues Reich – Der lockre Staub wird zum Gesträuch Der Baum nimmt tierische Gebärden Das Tier soll gar zum Menschen werden. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah. Uns barg… weiterlesen

Es färbte sich die Wiese grün Und um die Hecken sah ich blühn, Tagtäglich sah ich neue Kräuter, Mild war die Luft, der Himmel heiter. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah. Es quoll und trieb nun überall Mit Leben, Farben, Duft und Schall, Sie schienen gern sich zu vereinen, Daß alles möchte lieblich scheinen. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah. So… weiterlesen

Wo bist du, Gott? Ich hab die Wälder Mit deinem Namen wachgeschrien, Ließ heißaufweinend durch die Felder Nach dir der Stimme Sehnsucht ziehn. Ich hab das Meer gefragt, die Stürme Nach ihrer Heimat Ewigkeit. Ich schrieb ins Glockenerz der Türme, Wie meine Seele nach Dir schreit. Die Frommen fragt ich, mit den Spöttern Hab ich beim Weine dich verlacht, Hab in des Meeres Blitzeswettern Nach dir gefiebert, Meer der Nacht. Mit Beten, Betteln, Grimm und… weiterlesen

In der Altstadt, die nur so heißt, – denn, wo einst Winkelgäßchen gekauert, dünstig vom Mittelalter umschauert, dehnen Zinshausstraßen sich dreist, – Eine Oase, die jedes Aug’ preist: Uralte Bäume, ein Garten ummauert, haben Jahrhunderte überdauert bei der Kapelle zum heiligen Geist. Aus dem Rasen – fern Stadtlärm und Hast! ragen verstreut zu der Bäume Füßen schräge Steinplatten, grau und bemoost. Gern hält Liebe hier Abendrast; die fühlt hier dankbar des Lebens Grüßen, ahnt nicht,… weiterlesen

Unsere Welt steht vor einem gemeinsamen Feind: COVID-19. Das Virus macht keinen Unterschied zwischen Nationalität oder ethnischer Zugehörigkeit, Gruppierung oder Glauben. Es greift alle an, unerbittlich. Währenddessen wüten bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt. Die Schwächsten – Frauen und Kinder, Menschen mit Behinderungen, Marginalisierte und Vertriebene – zahlen den höchsten Preis. Sie sind auch am stärksten gefährdet, verheerende Verluste durch COVID-19 zu erleiden. Wir dürfen nicht vergessen, dass in den vom Krieg verwüsteten Ländern die… weiterlesen

Was ich ahnte, was ich träumte, war so viel, doch nicht genug, bis ich weg die Zweifel räumte und die Dunkelheit zerschlug. Ist nun mehr die vielgepries’ne Einsicht als der Dämmerflor ? Minder scheint das Klarbewies’ne, als mir dunkel schwebte vor. Reizen mag nur als unendlich, dessen Ziel du nicht gesehn; und was dir erst ward verständlich, ist nicht wert mehr zu verstehn. Friedrich Rückert