An der Straße zwischen Pfungstadt und Eberstadt steht der Galgen, die erhaltene Richtstätte des Mittelalters. Jener ist ein Überrest der Zent (Gericht) und besteht aus drei steinernen Säulen. Als ehemaligem Gerichtsort waren Pfungstadt die Orte Hahn, Eich, Eschollbrücken, Griesheim, Eberstadt, Nieder-Ramstadt, Traisa, Waschenbach und Nieder-Beerbach zugeordnet. Das Gericht tagte, wie es in einem Weistum von 1493 heißt, „in dem Dorf auf dem plane nach dem born“, das heißt am Rathaus in der heutigen Borngasse. Hinrichtungen… weiterlesen

So ein Hafen im Frühling hat überdies die freundlichste Ähnlichkeit mit dem Gemüt eines Jünglings, der zum erstenmal in die Welt geht, sich zum erstenmal auf die hohe See des Lebens hinauswagt – noch sind alle seine Gedanken buntbewimpelt, Übermut schwellt alle Segel seiner Wünsche, hoiho! – aber bald erheben sich die Stürme, der Horizont verdüstert sich, die Windsbraut heult, die Planken krachen, die Wellen zerbrechen das Steuer, und das arme Schiff zerschellt an romantischen… weiterlesen

Die Dämmerung war längst herein gebrochen, Ich hatt’ dich nie geseh’n, du tratst heran, Da hat dein Mund manch mildes Wort gesprochen In heil’gem Ernst, der dir mein Herz gewann. Still, wie du nahtest, hast du dich erhoben Und sanft uns Allen gute Nacht gesagt, Dein Bild war tief von Finsterniß umwoben, Nach deinem Namen hab’ ich nicht gefragt. Nun wird mein Auge nimmer dich erkennen, Wenn du auch einst vorüber gehst an mir, Und… weiterlesen

Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten: wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten? Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen? Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich? Wer faßt in sich der Vogelflüge Raum? Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich wie jeder Zweig an einem jeden Baum? Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung ins unbekannte Glück so rein, so reg? Und wer nimmt still… weiterlesen

Man weiß ja, daß die Kleinen zwar gerne nach draußen streben, aber noch lieber heimkehren. Da knüpfe man an, lehre ihnen Liebe zum Hause. Ein eigener Herd, eine Familie: in diesem Kreise ist der Mensch vor dem Ärgsten bewahrt; in diesem Kreise entwickelt sich leicht die Arbeitsamkeit, die Opferwilligkeit, das Selbstvertrauen und die Zufriedenheit; in diesem Kreise gedeiht die Liebe zur Gemeinde, die Treue zum Vaterlande. Den Eltern obliegt es, dem Kinde den Grund zur… weiterlesen

Vielleicht ist der hohe Grad von Geduld, den manche Menschen entwickeln, auch nur ein Zeichen, daß sie auf jede Freude, jeden Trost, jede Erhebung, jede Genugtuung verzichtet haben. Wenn jeder Funke erloschen ist, dann ist es leichter geduldig sein, aber das kann man dann beinahe nicht mehr Geduld nennen, da es nur ein Aufhören des persönlichen Seins ist, ein Sichweggeben, ein Verzichten auf sich selbst und auf alles, was uns das Leben lieb und wert… weiterlesen

Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt. Wir staunens an und nennen es: das Wahre. Und wandeln uns mit ihm im Gang der Jahre. Und doch ist unsichtbar, was uns entzückt. Nimm es als Zeichen, nimm es als Beweis – Drum sorge nicht, ob du etwa verlörst, dein Herz reicht weiter als die letzte Ferne, wenn du dich selber selig singen hörst, so singt die Welt, so jubeln deine Sterne. Rainer Maria Rilke

Hinaus zum grünen Walde gingen zwei, Es war zur Morgenzeit im Monat Mai. Vor ihren Augen lag die Welt so schön: Im Duft die Täler und im Glanz die Höh’n. Und wo ihr leichter Schritt die Wiese trat, Da sproßten Blumen unter ihrem Pfad. Und wo ihr Blick ins Weite suchend ging, Da flog empor ein bunter Schmetterling. Und Drosselschlag und Sang der Nachtigall War ihrer jungen Herzen Widerhall. – An einem Busch, der licht… weiterlesen

Steinkreuz im Wald südlich von Rehbach, direkt neben einer großen gerodeten Fläche. HIER FIEL AM 10. DEZEMBER 1892 ALS OPFER EINES UNGLÜCKLICHEN SCHUSSES BEIM FUCHSTREIBEN DURCH ENTLADUNG SEINES EIGENEN GEWEHRS DER GRÄFL. JÄGER AUGUST OBERHOLLENZER VON BRUNNECK IN TIROL ER STARB NACH MANNHAFT ERTRAGENEN LEIDEN VERSEHEN MIT DEN TRÖSTUNGEN DER RELIGION

O dies einsame Gehn Nun schon Stunden so hin … Wer sagt, wo ich bin? – Und was mir geschehn? – Wie der Weg sich verläuft! – Geh ich recht, geh ich irr? In der Zweige Gewirr Die Sonne verträuft. – Wie ihr Licht so entwich In fliehendem Schein, Waren beide allein Wir: der Wald und ich … John Henry Mackay