Füllest wieder Busch und Tal Still mit Nebelglanz Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz; Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Über mein Geschick. Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud’ und Schmerz In der Einsamkeit. Fließe, fließe, lieber Fluß, Nimmer werd ich froh, So verrauschte Scherz und Kuß, Und die Treue so. Ich besaß es doch einmal Was so köstlich ist! Daß man… weiterlesen

Wir haben einen so frühen und schönen Frühling, daß es schade um ihn ist, er kommt gleich andern Künstlern vor der Weltgeschichte nicht zu Wort. Sie ist ja immer eine etwas laute, aufdringliche und sich sehr wichtig nehmende Person, ihr Humor zuzuschreiben wäre falsch, so oft sie zu grinsen scheint. Hermann Hesse (Aus einem Brief an Alfred Kubin)

Vergißmeinnicht! wenn Dir die Sonne Der Lebensfreuden heiter lacht; Vergißmeinnicht! wenn sel’ge Wonne Dich fesselt mit des Zaubers Macht; Vergißmeinnicht! wenn auch der Leiden Umwölkte Nacht den Pfad umhüllt. Vergißmeinnicht! wenn langes Scheiden Die bange Brust mit Weh erfüllt. Auguste Reuß zu Ebersdorf

Dieser blaue Frühlingsmorgen-Himmel Und dies junge frische Blattgewimmel, Drin der Wind von Ast zu Aste springt – Bis sich Blatt mit Blatt im Tanze schwingt – Diese Flitterwochenzeit der Bäume, Ihre ersten Sonnen-Blütenträume Unterm blauen Hochzeitsbaldachin – Dieses golddurchwirkte Farbenglühn … O, dies unaussprechlich zarte Beben, Leib-inLeib- und Seel-in-Seel-Verweben, Dies Beseeltsein stummster Kreatur, Offenbarend ihre Gottnatur! … Bad dich nun, mein Herz, von Staub und Asche! Wind und Sonne deine Pulse wasche! Tauche ganz ins… weiterlesen

Guten Tag, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, ich bin froh, mich heute wieder aus dem Kanzleramt an Sie wenden zu können. Meine häusliche Quarantäne ist vorbei, und mir geht es gut. Jetzt ahne ich: 14 Tage allein zu Hause, 14 Tage nur am Telefon und im Netz mit der Welt verbunden zu sein, das ist nicht leicht. Ganz besonders nicht für die vielen älteren oder erkrankten Menschen in dieser Zeit, die alleine zu Hause sein müssen,… weiterlesen

O Falke, lieber Falke mein, Der du hoch oben schwebest, In frischer Luft, im Sonnenschein Die breiten Schwingen hebest! Du wilder König, scheu und frei, Dein Purpur „Schweiß des Wildes”, Dein ganzes Lied, ein heller Schrei! Dein trutzig Lied, wem gilt es? O lieber Falke, so wie du Möcht’ ich mich aufwärts schwingen, Aus voller Brust, der Sonne zu, All’ meine Lieder singen; — Ein jedes Lied, ein kurzer Schrei Der gell ins Weite dränge,… weiterlesen

Ich blicke auf mein vergangenes Leben wie auf ein weites Feld in der Sonne, wenn sie durch die Wolken bricht; und ich bemerke mit metaphysischem Staunen, daß mein bedachtestes Tun, meine klarsten Vorstellungen, meine logischsten Vorhaben letztlich nichts anderes waren als angeborene Trunkenheit, naturgegebene Narrheit und großes Unwissen. Fernando Pessoa

Wieder duftet der Wald. Es heben die schwebenden Lerchen mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war; zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, – aber nach langen, regnenden Nachmittagen kommen die goldübersonnten neueren Stunden, vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten alle die wunden Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen. Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser über der Steine ruhig dunkelnden Glanz. Alle Geräusche ducken… weiterlesen

Sie sprießen licht aus Waldesnacht, Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht, Unter den großen, alten Bäumen, Über das Moos wie flutend Träumen: Wann der Wind vorüber streicht, Neigen sie ihre Köpfchen leicht, Aber wo die Sonne licht Durch die Blätterkronen bricht, Saugen sie all das goldige Scheinen Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen. So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht: Die lichten Kinder der Waldesnacht. Therese Dahn 

Will Dir den Frühling zeigen Der hundert Wunder hat. Der Frühling ist waldeigen Und kommt nicht in die Stadt. Nur die weit aus den kalten Gassen zu Zweien gehn Und sich bei den Händen halten – Dürfen ihn einmal sehn. Rainer Maria Rilke