Besinne dich, komm wieder zu dir. Wie du beim Aufwachen gesehen, daß es Träume waren, die dich beunruhigten: so siehe auch das, was dir im Wachen begegnete, nicht anders an. Marc Aurel

Ihr Heimatlosen, nirgendwo Geborene, Sehnsüchtig in’s Unendliche Verlorene, In euren Takten laßt uns Träumer lesen Mit dunklem Ahnungsdrang das eigne Wesen. Ihr Wanderer! – Und Wandrer sind auch wir. Ihr Ruhelosen! – ach, wir sind’s nicht minder. Ihr Unbeständigen, ihr mutterlosen Kinder, Ihr Fremdlinge! – Und Fremde sind auch wir! Wie ihr euch quält und wendet Und keinen Zug Und keinen Kreis noch Heimwärtsfl ug Jemals vollendet, So hat in mancher langen Nacht, So hat… weiterlesen

Amaryllis Mögen mich auch alle hassen, leis wend ich mein Haupt zu dir. Sieh, ich fühl mich so verlassen, komm, Geliebte, komm zu mir. Rainer Maria Rilke

Lieblich ist des Lenzes erstes Lächeln, Wenn in Blütenbäumen laue Luft sich wieget, Und des Baches eisbefreite Welle Nicht mehr stockend, durch die Fluren rinnt. Dann ermuntern sich zu neuem Leben Die verblichnen Wiesen aus dem Winterschlafe, Und das Gras wacht auf, und decket träumend Wiederum den Schoß der Mutter Erde. O Natur – wie milde gibst Du wieder Was Dein feierlicher Gang zertöret. Fest im stillen, ewig gleichen Kreislauf, Folgt auf Deinen Ernst ein… weiterlesen

Am Abend und am Morgen ist der Himmel rot. Am Abend und am Morgen ist die Luft kühler als am Tag, singen die Vögel heller, ist der Wald frischer. So auch in den Morgenstunden und in der Abendzeit des einen flüchtigen Tages, der das Menschenleben heißt. Abend und Morgen sind einander näher verwandt als dem Tage. Ihr Gemeinsames ist, daß der Mensch an seinem Morgen in sein Leben hineinwächst, das ihm noch fremd ist, und… weiterlesen

Das ist des Schicksals höchstes Schenken, Des Lebens innerster Genuß, Daß wir im reichen Überfluß Nicht an den trüben Tag stets denken, Da aller Glanz verdämmern muß. Daß wir durch frohe Tage schreiten, Wo heiß das Leben uns umloht, Nur Blüten blicken, leuchtend rot Und nicht die wetterdunklen Weiten Voll Klage, Sorge, Not und Tod . . . Stefan Zweig

Ich sehe den Bäumen die Stürme an, die aus laugewordenen Tagen an meine ängstlichen Fenster schlagen, und höre die Fernen Dinge sagen, die ich nicht ohne Freund ertragen, nicht ohne Schwester lieben kann. Da geht der Sturm, ein Umgestalter, geht durch den Wald und durch die Zeit, und alles ist wie ohne Alter: die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. Wie ist das klein, womit wir ringen, was mit… weiterlesen

Wer am Tag träumt, wird sich vieler Dinge bewußt, die dem entgehen, der nur nachts träumt. Edgar Allan Poe

Noch immer, Frühling, bist du nicht Gekommen in mein Tal, Wo ich dein liebes Angesicht Begrüß das letzte Mal. Frühblumen wähnten dich schon hier, Frost bringt sie um ihr Glück, Sie sehnten sich hinaus nach dir, Und können nicht zurück. Noch stehn die Bäume dürr und bar Um deinen Weg herum Und strecken, eine Bettlerschar, Nach dir die Arme stumm. Die Schwalbe fliegt bestürzt umher Und ruft nach dir voll Gram, Bereut schon, daß sie… weiterlesen

Es liegt vor mir ein Stapel Fotos, versonnen schau ich vor mich hin auf all die Bilder, die mich zeigen, als so herrlich jung ich bin. Es sagt der Volksmund, daß die Jugend wohl einer Rosenknospe gleicht, und ich schau auf mein Gegenüber und leise Wehmut mich beschleicht. Da lacht vergnügt und unbekümmert entgegen mir mein eigen Ich und ich stell fest, daß seit dem Lachen ein halb Jahrhundert fast verstrich. Dann aber frag ich… weiterlesen