16Sep/19

Denk‘ an deine Jugendsonne

Denk‘ an deine Jugendsonne,
wenn dich’s in der Seele friert;
träum von Jugendglück und Wonne,
wenn es Herbst im Herzen wird.
Strömt der Sonne Strahlenquelle
auch nur einen Augenblick: –
bleibt ihr Glanz in Herz und Seele
doch noch lange Zeit zurück!
Träumst du auch nur für Sekunden
von dem Glück, das längst dahin: –
ist dir gleich der Traum entschwunden,
lang‘ glüht dir sein Bild im Sinn.
Schmückst mit Blumen neu die Liebe,
suchst des Freundes treue Brust
gleich, als ob sie ewig bliebe,
quillt des Geistes Götterlust.
Denk‘ an deine Jugendsonne,
und du fühlst dich neu entzückt;
und du singst in Glück und Wonne
Lieder, die dich einst beglückt.

Balder vom Berge

15Sep/19

Happy Birthday, Mama

O Ihr Glückseligen, die ihr noch eine Mutter habet,
sie zu lieben, ihr zu danken; fallt ihr um den Hals,
stürzt ihr zu Füßen, küßt ihre Fußstapfen, heiligt sie wie eine Gottheit!
Denn sie ist eures Lebens wahrhaftige Erlöserin; sie ist es, die euch unter ihrem Herzen trug,
in ihrem Schoße empfing, mit Lebensgefahr und mit Schmerzen gebar,
euch mit ihren Brüsten säugte, mit ihrem Herzblut ernährte,
die eure hilflose Kindheit mit ihren Augen und allen ihren Sinnen bewachte,
mit ihrem Herzen behütete.

Bogumil Goltz

12Sep/19

Gefühle

Du solltest über kein Gefühl sagen,
dass es klein oder unbedeutend sei.
Wir leben nur allein durch unsere einfachen, schönen und wunderbaren Gefühle.
Und jedes einzelne Gefühl, mit dem wir ungerecht umgehen,
ist ein Stern, dessen Licht wir rauben.

Hermann Hesse

11Sep/19

… steht mitten darin und schweigt

Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht,
und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus,
vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden.
Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes;
unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück,
es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.

Rainer Maria Rilke

10Sep/19

Aschaffenburg


Schloss Johannisburg Aschaffenburg

Die hier schon im 14. Jahrhundert stehende mittelalterliche Burg wurde zerstört und an ihrer Stelle wurde im Auftrag von Kurfürst Johann Schweikhard von Kronberg 1604 das Schloss Johannisburg errichtet werden. Die imposante Anlage wurde vom Baumeister Georg Ridinger gebaut. Vier große Flügel mit je drei Etagen wurden errichtet, die mit je einem Turm verbunden wurden. Zusätzlich wurden noch in jede der vier Ecken kleine Treppentürme eingebaut. Dieses dominante Bild ist heute noch prägend für Aschaffenburg.
Das Schloss Johannisburg ist angefüllt mit besonderen Sehenswürdigkeiten. In der Schlosskapelle ist ein Alabasterhochaltar von Hans Juncker von 1620 zu bewundern. Im Ostturm ist die weltweit größte Sammlung von aus Kork angefertigten Architekturmodellen zu sehen. Gebäude aus Rom wie das Kolosseum sind vorwiegend zu besichtigen. Aus Platzgründen wurde der obligatorische Schlossgarten etwas verwinkelt angelegt und führt vom Schloss zum Pompejanum und zur St. Germain-Terrasse.

http://www.bayern-im-web.de/schloss-johannisburg-aschaffenburg/

09Sep/19

Staatstheater Darmstadt

Vorspiel im Foyer:
Sergej Rachmaminov Moment Musicaux op. 16. Nr. 3
Andante Cantabile h-Moll

Joseph Haydn Sinfonie G-Dur Nr. 100 „Militärsinfonie“
Peter Eötvös „Shadows“ für Flöte, Klarinette und Orchester
Sergej Rachmaninow Sinfonische Tänze op. 45

Ist es ein Rückblick auf sein musikalisches Schaffen? Im Sommer 1940 schrieb Rachmaninoff auf Long Island drei „fantastische“ Tänze, wie er sie ursprünglich bezeichnete, für groß besetztes Orchester. Diese „Sinfonischen Tänze“ sind tänzerisch und geheimnisvoll zugleich. Bei dieser Musik stellt sich die Frage, ob Rachmaninoff wirklich der „letzte Romantiker“ war. Und wo lebt die Tradition von Bartok und Kodaly fort? Peter Eötvös – einer der letzten Schüler von Zoltan Kodaly – begann als 14-Jähriger sein Kompositionsstudium: Heute gehört der er Artist in Residence von 2018 in der Elbphilarmonie längst zu den wichtigsten Komponisten und Dirigenten weltweit.

08Sep/19

Regen

Lauer Regen, Sommerregen
Rauscht von Büschen, rauscht von Bäumen.
O wie gut und voller Segen,
Einmal wieder satt zu träumen!
War so lang im Hellen draussen,
Ungewohnt ist mir dies Wogen:
In der eignen Seele hausen,
Nirgends fremdwärts hingezogen.
Nichts begehr ich, nichts verlang ich,
Summe leise Kindertöne,
Und verwundert heim gelang ich
In der Träume warme Schöne.
Herz, wie bist du wund gerissen
Und wie selig, blind zu wühlen,
Nichts zu denken, nichts zu wissen,
Nur zu atmen und zu fühlen!

Hermann Hesse

06Sep/19

Viel mehr Gesichter

Es gibt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere.
Da sind Leute, die tragen ein Gesicht jahrelang, natürlich nutzt es sich ab, es wird schmutzig,
es bricht in den Falten, es weitet sich aus wie Handschuhe, die man auf der Reise getragen hat.
Das sind sparsame, einfache Leute; sie wechseln es nicht, sie lassen es nicht einmal reinigen.
Es sei gut genug, behaupten sie, und wer kann ihnen das Gegenteil nachweisen?

Rainer Maria Rilke

05Sep/19

Die Sonnenblume

Du Blume, die sich hold zur Sonne wendet,
Ich wollte einstens Deinem Wesen gleichen,
In mir die Sonnenzukehr fromm erreichen,
Doch etwas sagte mir: Du bist verblendet!
Ich habe alle Blüthenkraft verschwendet,
Ich fühlte samend meinen Glanz erbleichen,
Die Luft den Duft von meiner Jugend streifen,
Und heute sind die Lust, die Macht verendet.
Doch seh ich Blumen tief aus sich erstrahlen,
An jedem Morgen sich zur Sonne neigen
Und fast mit Hingebung zum Lichte prahlen.
Ich aber mußte rasch herniedersteigen.
Verloren sind ja alle Sehnsuchtsqualen;
Mein Wesen wurde Niemandem zu eigen.

Theodor Däubler