12Okt/19

Abenteurer

»Abenteurer, wo willst du hin?«
Quer in die Gefahren,
Wo ich vor tausend Jahren
Im Traume gewesen bin.
Ich will mich treiben lassen
In Welten, die nur ein Fremder sieht.
Ich möchte erkämpfen, erfassen,
Erleben, was anders geschieht.
Ein Glück ist niemals erreicht.
Mich lockt ein fernstes Gefunkel,
Mich lockt ein raunendes Dunkel
Ins nebelhafte Vielleicht.
Was ich zuvor besessen,
Was ich zuvor gewußt,
Das will ich verlieren, vergessen. –
Ich reise durch meine eigene Brust.

Joachim Ringelnatz

11Okt/19

Auf die Reise

Um Mitternacht, auf pfadlos weitem Meer,
Wann alle Lichter längst im Schiff erloschen,
Wann auch am Himmel nirgends glänzt ein Stern,
Dann glüht ein Lämpchen noch auf dem Verdeck,
Ein Docht, vor Windesungestüm verwahrt,
Und hält dem Steuermann die Nadel hell,
Die ihm untrüglich seine Richtung weist.
Ja! wenn wir’s hüten, führt durch jedes Dunkel
Ein Licht uns, stille brennend in der Brust.

Ludwig Uhland

05Okt/19

Einhardsbasilika Steinbach

Die Einhardsbasilika in Michelstadt-Steinbach aus dem Jahre 827 ist ein äußerst seltenes Beispiel karolingischer Baukunst in Deutschland. Ihr Baumeister Einhard war engster Vertrauter und Biograf Karls des Großen.In der Basilika sollten die in Rom entwendeten Gebeine der Heiligen Petrus und Marcellinus beherbergt werden. Die Gebeine fühlten sich in Michelstadt jedoch „nicht wohl“. So zog Einhard mitsamt der Reliquien nach Seligenstadt, wo er eine neue Basilika errichten ließ. Im Laufe der Jahrhunderte diente die Einhardsbasilika als Gemeindekirche, beherbergte ein Kloster, ein Spital und war Grablege der Schenken zu Erbach.In der Sakristei der Basilika ist heute eine kunstvoll illustrierte Ausstellung der Person Einhard gewidmet sowie der Heiligenverehrung in der Spätantike.
https://www.tourismus-odenwald.de/de/poi/detail/5731c3e1975af0c0cd88ff40/

04Okt/19

XXL Bank Langenbrombach

Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine Bank für Zwerge – aber natürlich ist es genau andersherum: Die Holzkonstruktion ist so überdimensioniert, dass Menschen darauf wie Winzlinge wirken. Die neue XXL-Bank bei Langenbrombach ist ebenso Hingucker wie Aussichtsplattform für Mountainbiker oder Wanderer, die auf dem nahen Wanderweg vorbeikommen.
Aber es steckt noch mehr hinter diesem Sitzplatz, der mit drei Metern Höhe und fünf Metern Breite alles in den Schatten stellt, was der Odenwaldkreis sonst an Ruhebänken vorzuweisen hat: „Unser Grundgedanke ist, wieder mehr Eigeninitiative zu entwickeln, Dinge selber anzugehen, anstatt nur die Gemeinde in der Pflicht zu sehen“, sagt Frank Kirsch aus Kirchbrombach, der die Bank gemeinsam mit Petra Hehn konzipiert hat, deren Familie in Balsbach auf den Bau von Holzmöbeln spezialisiert ist.
https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/brombachtal/wie-eine-bank-fur-zwerge_19029633

02Okt/19

Astern nach dem Regen

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh’ Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane

01Okt/19

Regentag

Still vom grauen Himmelsgrunde
Sprüht der sanfte Regenstaub –
Trüber Tag und trübe Stunde –
Thränen weint das rothe Laub;
Vom Kastanienbaum ohn’ Ende
Schweben still die welken Hände.
Trübe Herbstesregentage:
Gerne wandr’ ich dann allein,
Was ich tief im Herzen trage,
Leuchtet mir in hellem Schein;
In die grauen Nebelräume
Spinn’ ich meine goldnen Träume.
Und so träum’ ich still im Wachen,
Bis der Abend niedersinkt,
Und in all den Regenlachen
Sanft und roth sein Abglanz blinkt.
In der Nähe, in den Weiten:
Rosenschimmer bessrer Zeiten!

Heinrich Seidel

30Sep/19

… endlich ein großer Sturm

… endlich, endlich ein großer Sturm; es war eine so ungewöhnliche Stille in diesem Herbst. Die Blätter saßen an den Ästen obwohl ein Nichts sie hielt; es fehlte ihnen der Entschluß abzufallen. Und man war beeinflußt davon und ging selber so vorsichtig zwischen allen diesen Buchenund Eichenbüschen herum, um nur ja keinen Wind zu machen. Heute aber war Sturm, ganz großer Sturm, und in einer halben Stunde war alles leer.

Rainer Maria Rilke

28Sep/19

Stille des Herbstes

Im Herbste kommen der Wiese die Herbstzeitlosen
und mir die Lieder,
die lieben Kinder der Melancholie,
die dämmernden Lampen im Nebel blühn wieder,
sanft dunkelt das tiefe Zuhause gebrochener Lüfte,
die Landschaft am Lethe,
der Sommer verwelkt, und Verträumung
füllt Gärten des Himmels, balsamische Beete.
Wie einer, der heimkehrt, nachdenksam verweilt
sich das Jahr in den Räumen der Stunden,
in diesem Meer, dieser Stille von Schilf
voller Weite, in der sich die Wasser gefunden.
Strömt alles zurück? Kommt die Kindheit noch einmal mit
Abend, mit Ängsten, mit ahnenden Wonnen
von Regen des Nachts? Du bist da, trübes Herz,
an des Herbstes melodischem Bronnen!

Albin Zollinger