19Jun/18

… erfüllt von einem neuen Blick

Ach, Freund, mitunter läuft mir die Ahnung durch den Kopf, daß ich eigentlich ein höchst gefährliches Leben lebe, denn ich gehöre zu den Maschinen, welche zerspringen können! Die Intensitäten meines Gefühls machen mich schaudern und lachen – schon ein paar Mal konnte ich das Zimmer nicht verlassen, aus dem lächerlichen Grunde, daß meine Augen entzündet waren – wodurch? Ich hatte jedesmal den Tag vorher auf meinen Wanderungen zuviel geweint, und zwar nicht sentimentale Tränen, sondern Tränen des Jauchzens; wobei ich sang und Unsinn redete, erfüllt von einem neuen Blick, den ich vor allen Menschen voraus habe.
Friedrich Wilhelm Nietzsche

17Jun/18

Die Felsenbirne – fast vergessene Sommerfrüchte

Wir haben sie entdeckt – bei uns im Garten…

Es beginnt bereits im Frühling: Die jungen Blätter treiben bronzefarben aus. Von Ende April bis Anfang Mai zieht die Felsenbirne (Amelanchier) mit ihrem weißen Kleid aus sternenförmigen Blüten die Blicke auf sich. Das freut auch die Bienen, die für reichlich Fruchtschmuck sorgen.

Ab Juni sind dann die dunkelvioletten, heidelbeergroßen Früchte reif – ein Festschmaus für Buchfink, Haussperling, Grünfink und Amsel. Auch für uns sind die Früchte ein ausgezeichnetes Wildobst mit heidelbeerähnlichem Geschmack. Früher wurden Felsenbirnen sogar ausschließlich als Obstgehölze kultiviert.

Doch der letzte Akt im Naturschauspiel der Felsenbirne kommt erst im Herbst, wenn sich ihr Laub gelb, orange und rot verfärbt, bis es schließlich abfällt.

https://www.garten-haus.at/ziergarten_leben/2017/10/kein-garten-ohne-felsenbirne-.html

16Jun/18

Michelstädter Musiknacht

Schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert gibt es die Michelstädter Musiknacht. Was aus einer Laune heraus geboren wurde, hat sich etabliert und ist zu einem Pfeiler der kulturellen Szene des Odenwalds geworden. So zieht die Musiknacht regelmäßig internationale Größen unterschiedlicher Musikstile an – von Jazz bis Klassik und von Blues bis Rock.

Unser Programm:
18 Uhr Synagoge – Duo Sonorissima (Harfe und Sopran) spielen Ravel, Schubert,Debussy, Faure, Bernstein und R. Strauss
19 Uhr Synagoge – TrioW (Saxophon, Flöte, Klavier) spielen Vivaldi, Scott, Foote, Schostakowitsch und Glass
20 Uhr Schenkenkeller – Antonii Baryshevskyi (Klavier) spielt Schumann (Fantasie op. 17)
21 Uhr Odenwaldmuseum – Ensemble Tedesco (Violine, Viola, Violoncello) spielt Beethoven (Streichquartett e-moll op.59 Nr.2)
22 Uhr Stadtkirche – Kurpfalzphilharmonie mit David und Janis Marquard spielen Brahms (Doppelkonzert a-moll op.102)
23 Uhr Altes Rathaus – Trio Bermice (Oboe, Klarinette, Fagott) spielen Mozart, Ibert, Cervantes und Gershwin

15Jun/18

Wolken

Wolken seh‘ ich abendwärts
Ganz in reinste Glut getaucht,
Wolken ganz in Licht zerhaucht,
Die so schwül gedunkelt hatten.
Ja, mir sagt mein ahnend Herz:
Einst noch werden, ob auch spät,
Wenn die Sonne untergeht,
Mir verklärt der Seele Schatten.

Ludwig Uhland

12Jun/18

Wie eine Rose blühet

Wie eine Rose blühet
Wenn man die Sonne siehet,
Begrüßen diese Welt,
Die eh der Tag sich neiget,
Eh sich der Abend zeiget
Verwelkt und unversehens abfällt.
So wachsen wir auf Erden,
Und hoffen groß zu werden,
Und schmerz- und sorgenfrei,
Doch eh wir zugenommen,
Und recht zur Blüte gekommen,
Bricht uns des Todes Sturm entzwei.
Auf, Herz! Wach und bedenke,
Daß dieser Zeit Geschenke
Den Augenblick nur dein!
Was du zuvor genoßen,
Ist als ein Strom verschossen.
Was künftig – wessen wird es sein?
Andreas Gryphius

11Jun/18

Nebel

Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken,
Durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt.
Da zerrinnt vor dem wundernden Blick der Nebel des Wahnes,
Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht.

Friedrich von Schiller

10Jun/18

Kleine Gasse

Nun leb‘ wohl, du kleine Gasse
nun ade, du stilles Dach!
Vater, Mutter sahn mir traurig
und die Liebste sah mir nach
Hier in weiter, weiter Ferne
wie’s mir nach der Heimat zieht!
Lustig singen die Gesellen
doch es ist das falsche Lied.
Andre Städtchen kommen freilich
andre Mädchen zu Gesicht, ach!
wohl sind es andre Mädchen
doch die Eine ist es nicht.
Andre Städtchen, andre Mädchen
ich da mittendrin so stumm!
Andre Städtchen, andre Mädchen
o wie gerne kehrt‘ ich um!

Albert Graf Schlippenbach