WWDX RTTY Contest

Samstag, 24. September 2016

16september024

Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden;
was dagegen über allen Preis erhaben ist, das hat seine Würde.

Immanuel Kant

 

Bromischer Kirb

Freitag, 23. September 2016

16september023

 

Wünsche

Donnerstag, 22. September 2016

16september022

Ach Malte, wir gehen so hin, und mir kommt vor, daß alle zerstreut sind und beschäftigt und nicht recht achtgeben, wenn wir hingehen.
Als ob eine Sternschnuppe fiele und es sieht sie keiner und keiner hat sich etwas gewünscht. Vergiß nie, dir etwas zu wünschen, Malte.
Wünschen, das soll man nicht aufgeben.
Ich glaube, es gibt keine Erfüllung, aber es gibt Wünsche, die lange vorhalten, das ganze Leben lang,
so daß man die Erfüllung doch gar nicht abwarten könnte.

Rainer Maria Rilke

 

Der stille Garten

Dienstag, 20. September 2016

16september020

Wie gefangen liegt die Sonne
Hier in meinem kleinen Garten,
Wo zu immer neuer Wonne
Tausend Wunder auf mich warten.
Fühle von der Welt da draußen
Nichts mehr hinter seiner Türe,
Lass die Stürme all‘ verbrausen;
Keiner, der ans Herz mir rühre.
Nur den Mond noch und die Sterne
Laß ich in den Garten sehen,
Und so darf ich in die Ferne
Lauter goldne Wege gehen.

Karl Ernst Knodt

 

Verse

Montag, 19. September 2016

16september019

Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), – es sind Erfahrungen. Um eines Verses willen muss man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muss die Tiere kennen, man muss fühlen, wie die Vögel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen. Man muss zurückdenken können an Wege in unbekannten Gegenden, an unerwartete Begegnungen und an Abschiede, die man lange kommen sah, – an Kindheitstage, die noch unaufgeklärt sind, an die Eltern, die man kränken musste, wenn sie einem eine Freude brachten und man begriff sie nicht (es war eine Freude für einen anderen-), an Kinderkrankheiten, die so seltsam anheben mit so vielen tiefen und schweren Verwandlungen, an Tage in stillen, verhaltenen Stuben und an Morgen am Meer, an das Meer überhaupt, an Meere, an Reisenächte, die hoch dahinrauschten und mit allen Sternen flogen, – und es ist noch nicht genug, wenn man an alles das denken darf. Man muss Erinnerungen haben an viele Liebesnächte, von denen keine der andern glich, an Schreie von Kreissenden und an leichte, weiße, schlafende Wöchnerinnen, die sich schließen. Aber auch bei Sterbenden muss man gewesen sein, muss bei Toten gesessen haben in der Stube mit dem offenen Fenster und den stoßweisen Geräuschen. Und es genügt auch nicht, dass man Erinnerungen hat. Man muss sie vergessen können, wenn es viele sind, und man muss die große Geduld haben, zu warten, dass sie wiederkommen. Denn die Erinnerungen selbst sind es noch nicht. Erst wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, namenlos und nicht mehr zu unterscheiden von uns selbst, erst dann kann es geschehen, dass in einer sehr seltenen Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht.

Rainer Maria Rilke

 

Warten

Sonntag, 18. September 2016

16september018

Ach nun hab ich überwunden
manche schweren, harten Stunden,
manchen Tag und manche Nacht
hab ich in Schmerzen zugebracht.
Ach, schrittest du durch den Garten
noch einmal im raschen Gang.
Wie gerne würde ich warten,
warten stundenlang.

Theodor Fontane

 

Mein Garten

Samstag, 17. September 2016

16september017

Mein Garten ist ein Liederbuch,
Die Rosen und Reseden
Verstreuen weichen Wohlgeruch,
Im Wind die Bäume reden;
Sie flüstern Märchen mancherlei
Aus meines Lebens Gängen,
Wie oft ich Tor gewesen sei
Im Säumen und im Drängen.
Doch ob ich oft das Glück verschlief
In Lenz- und Sommerwinden,
Umsonst die Füße blutig lief,
Mich an ein Ziel zu finden –
Ich traure nicht. Was kam und schied,
Verzichten und Erwarten,
Geht wie ein fernes, altes Lied
Traumhaft durch meinen Garten.

Jakob Christoph Heer

 

Selbsttäuschung (Fünfzig)

Freitag, 16. September 2016

16september016

„Bist geworden älter, bist geworden kälter!“
Sag‘ ich oft zu mir;
„Laß es dich nicht grämen, nicht den Mut dir lähmen, kannst ja nicht dafür!
Jeder Tag verglühet, jeder Lenz verblühet, jede Stimme bricht,
Jede flücht’ge Stunde schlägt uns eine Wunde: Wir nur merken’s nicht.
Erst wenn tausend bluten, will es uns gemuten, daß die Kraft doch litt;
Stein und Erz verwittert, Eich‘ und Zeder splittert,
Und wir altern mit.“ –
Das fühl‘ ich mit Schmerzen oft so klar im Herzen,
Bin so ernst, so still, daß ich einen Schleier
Über meine Leier scheidend breiten will. –
Und doch – wenn ich wieder hoch von Alpen nieder ausblick‘ in die Welt;
Wenn ich in das Blaue schwindelnd aufwärts schaue, das der Mond erhellt;
Wenn aus heil’gen Hallen Orgelklänge schallen,
Wenn der Wildbach braust;
Wenn die Wolkenfalten blaue Blitze spalten;
Wenn der Hochwald saust;
Wenn ich, froher Dinge, Freundesbrust umschlinge,
Mensch mit Menschen bin;
Wenn’s in muntren Kreisen schallt von kräft’gen Weisen,
Dann erwacht mein Sinn.
Dann wohl fühl‘ ich’s schlagen wie in frühern Tagen,
Manches meldet sich;
Und das Aug‘ wird heller, und der Puls wird schneller,
und ich fühle mich.
Und mir sagt’s ein Sehnen: „Laß solch eitles Wähnen;
Bist nicht, was du scheinst!
Du wardst noch nicht älter, du wardst noch nicht kälter,
Bist noch jung wie einst!“

Johann Gabriel Seidl

 

Nur zu Besuch

Mittwoch, 14. September 2016

16september014

Immer wenn ich dich besuch, fühl ich mich grenzenlos.
Alles andere ist von hier aus so weit weg.
Ich mag die Ruhe hier zwischen all den Bäumen,
als ob es den Frieden auf Erden wirklich gibt.
Es ist ein schöner Weg, der unauffällig zu dir führt.
Ja, ich habe ihn gern, weil er so hell und freundlich wirkt.

Wie es mir geht, die Frage stellst du jedes Mal.
Ich bin okay, will nicht, dass du dir Sorgen machst.
Und so red ich mit dir wie immer,
so als ob es wie früher wär,
so als hätten wir jede Menge Zeit.

Dann werden wir uns wiedersehen,
du kannst dich ja kümmern, wenn du willst,
dass die Sonne an diesem Tag auch auf mein Grab scheint –
dass die Sonne scheint, dass sie wieder scheint…

Die Toten Hosen

 

… bis zu dem Moment

Dienstag, 13. September 2016

16september013

Gekommen aus den Sternen
gestrandet auf dieser Welt,
erkannt als Mensch
unter Menschen!
Nie wahrgenommen,
bis zu dem Moment,
als er dann anfing
zu Träumen!
Erschaffen aus den Sternen,
geformt durch den Dreamer,
erdacht von dem Philosophen,
und zurückgegangen zu seinen Wurzeln,
zu den Sternen…

Franz Marc

 

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