Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten: wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten? Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen? Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich? Wer faßt in sich der Vogelflüge Raum? Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich wie jeder Zweig an einem jeden Baum? Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung ins unbekannte Glück so rein, so reg? Und wer nimmt still… weiterlesen

Man weiß ja, daß die Kleinen zwar gerne nach draußen streben, aber noch lieber heimkehren. Da knüpfe man an, lehre ihnen Liebe zum Hause. Ein eigener Herd, eine Familie: in diesem Kreise ist der Mensch vor dem Ärgsten bewahrt; in diesem Kreise entwickelt sich leicht die Arbeitsamkeit, die Opferwilligkeit, das Selbstvertrauen und die Zufriedenheit; in diesem Kreise gedeiht die Liebe zur Gemeinde, die Treue zum Vaterlande. Den Eltern obliegt es, dem Kinde den Grund zur… weiterlesen

Vielleicht ist der hohe Grad von Geduld, den manche Menschen entwickeln, auch nur ein Zeichen, daß sie auf jede Freude, jeden Trost, jede Erhebung, jede Genugtuung verzichtet haben. Wenn jeder Funke erloschen ist, dann ist es leichter geduldig sein, aber das kann man dann beinahe nicht mehr Geduld nennen, da es nur ein Aufhören des persönlichen Seins ist, ein Sichweggeben, ein Verzichten auf sich selbst und auf alles, was uns das Leben lieb und wert… weiterlesen

Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt. Wir staunens an und nennen es: das Wahre. Und wandeln uns mit ihm im Gang der Jahre. Und doch ist unsichtbar, was uns entzückt. Nimm es als Zeichen, nimm es als Beweis – Drum sorge nicht, ob du etwa verlörst, dein Herz reicht weiter als die letzte Ferne, wenn du dich selber selig singen hörst, so singt die Welt, so jubeln deine Sterne. Rainer Maria Rilke

Hinaus zum grünen Walde gingen zwei, Es war zur Morgenzeit im Monat Mai. Vor ihren Augen lag die Welt so schön: Im Duft die Täler und im Glanz die Höh’n. Und wo ihr leichter Schritt die Wiese trat, Da sproßten Blumen unter ihrem Pfad. Und wo ihr Blick ins Weite suchend ging, Da flog empor ein bunter Schmetterling. Und Drosselschlag und Sang der Nachtigall War ihrer jungen Herzen Widerhall. – An einem Busch, der licht… weiterlesen

Steinkreuz im Wald südlich von Rehbach, direkt neben einer großen gerodeten Fläche. HIER FIEL AM 10. DEZEMBER 1892 ALS OPFER EINES UNGLÜCKLICHEN SCHUSSES BEIM FUCHSTREIBEN DURCH ENTLADUNG SEINES EIGENEN GEWEHRS DER GRÄFL. JÄGER AUGUST OBERHOLLENZER VON BRUNNECK IN TIROL ER STARB NACH MANNHAFT ERTRAGENEN LEIDEN VERSEHEN MIT DEN TRÖSTUNGEN DER RELIGION

O dies einsame Gehn Nun schon Stunden so hin … Wer sagt, wo ich bin? – Und was mir geschehn? – Wie der Weg sich verläuft! – Geh ich recht, geh ich irr? In der Zweige Gewirr Die Sonne verträuft. – Wie ihr Licht so entwich In fliehendem Schein, Waren beide allein Wir: der Wald und ich … John Henry Mackay

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre. Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen, wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -: Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich denken und dich besitzen (nur ein Lächeln lang), um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank. Rainer Maria Rilke

O selige Natur! Verloren ins weite Blau, blick’ ich oft hinauf an den Äther und hinein ins heilige Meer, und mir ist, als öffnet ein verwandter Geist mir die Arme, als löste der Schmerz der Einsamkeit sich auf ins Leben der Gottheit, das ist der Himmel des Menschen. Eins zu sein mit allem, was lebt, in seliger Selbstvergessenheit wiederzukehren ins All der Natur, das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden. Friedrich Hölderlin

Der Bauer steht vor seinem Feld und zieht die Stirne kraus in Falten. “Ich hab den Acker wohlbestellt, auf reine Aussaat streng gehalten; nun seh mir eins das Unkraut an! Das hat der böse Feind getan!” Da kommt sein Knabe hochbeglückt, mit bunten Blüten reich beladen; im Felde hat er sie gepflückt, Kornblumen sind es, Mohn und Raden. Er jauchzt: “Sieh, Vater, nur die Pracht! Die hat der liebe Gott!” gemacht!” Julius Sturm